Auswirkungen von Paracetamol auf die Persönlichkeit

7 Juli, 2020
Die hepatotoxische Wirkung von Paracetamol war bereits bekannt. Doch gab es bisher keine Aufzeichnungen darüber, dass das Medikament auch Persönlichkeitsveränderungen hervorruft. Jetzt hat sich eine Studie der Universität von Ohio damit befasst.

Eine Studie bestätigt, dass Paracetamol Auswirkungen auf die Persönlichkeit der Menschen hat, die dieses Medikament einnehmen. Dabei handelt es sich um recht unerwartete und bisher unbekannte Auswirkungen. Insbesondere kann Paracetamol zu einer Abnahme des Mitgefühls für andere führen.

Dieses Medikament wird auch als Acetaminophen bezeichnet. Es ist wegen seiner schmerzstillenden und fiebersenkenden Eigenschaften ein sehr weit verbreitetes Arzneimittel. Aus diesem Grund wird es häufig zur Behandlung von leichten oder mäßigen Schmerzen und bei fieberhaften Zuständen eingesetzt.

Wie andere Medikamente auch, kann Paracetamol eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen verursachen. Diese sind jedoch zu Beginn der Behandlung bereits bekannt und zu erwarten. Bisher wusste man nur von den hepatotoxischen Nebenwirkungen bei der Einnahme in hohen Dosen.

Studien, die die Wirkung von Paracetamol auf die Persönlichkeit bestätigen

Bislang hatte sich Paracetamol sowohl für die Behandlung physischer als auch psychischer Schmerzen als nützlich erwiesen. Doch die jüngsten Forschungen der Ohio State University (USA) gehen noch einen Schritt weiter.

Denn sie haben Paracetamol untersucht und im Laufe ihrer Arbeit eine neue, bislang unbekannte Nebenwirkung entdeckt. So fanden diese Forscher heraus, dass Paracetamol positive Emotionen reduzieren kann.

Dabei wurden zwei Studien mit Studierenden derselben Universität durchgeführt.

Person mit Paracetamol und einem Glas Wasser in der Hand

Die erste Studie

Die erste Studie umfasste 82 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Die Hälfte von ihnen nahm eine akute Dosis von 1 Gramm Paracetamol ein. Die andere Gruppe bekam ein Placebo. Dann wartete man etwa 1 Stunde, bevor man ihnen eine Reihe ausgewählter Fotos präsentierte. Diese waren dazu gedacht, emotionale Reaktionen  hervorzurufen. Dabei gab es drei Arten von Fotografien:

  • Sehr unangenehme Bilder: zum Beispiel von unterernährten Kindern.
  • Neutrale Fotos: keine klare emotionale Komponente.
  • Und sehr schöne und angenehme Bilder.

Nach dem Betrachten jedes Fotos wurden die TeilnehmerInnen der Studie gebeten, auf einer Skala von -5 bis +5  zu bewerten, als wie angenehm bzw. unangenehm sie das Bild empfanden. Im Anschluss sollten sie dann noch ihre emotionale Reaktion angesichts der Fotos auf einer Skala von 0 bis 10 bewerten.

Der Versuch ergab, dass diejenige Gruppe, die die 1-Gramm-Dosis Paracetamol eingenommen hatte, die Fotos weniger extrem bewertete als die Gruppe, die das Placebo verabreicht bekommen hatte. Dasselbe Resultat ergab sich hinsichtlich der emotionalen Reaktionen.

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Die zweite Studie

Nach den aus der ersten Studie erhaltenen Ergebnissen führten die Forscher eine zweite Studie durch. In dieser wurden einer Gruppe von insgesamt 85 Personen dieselben Fotos gezeigt. Auch jetzt sollten die TeilnehmerInnen diese nach den gleichen Kriterien wie in der ersten Studie bewerten. Doch diesmal fügten die Forscher noch eine weitere Komponente hinzu. Denn sie wollten eine Bestätigung darüber erlangen, dass Paracetamol nur Einfluss auf die Emotionen hat und nicht auf das Urteilsvermögen im Allgemeinen.

Zu diesem Zweck wurden die TeilnehmerInnen also zusätzlich zu den oben genannten Tests gebeten, zu beurteilen, wie viel Blau sie auf jedem Foto sahen. So wie auch schon in der ersten Studie unterschieden sich die Einschätzungen und emotionalen Reaktion der Personen, die Paracetamol eingenommen hatten, von denen, die Placebo bekommen hatten. Sie reagierten sowohl auf die unangenehmen als auch die angenehmen Bilder deutlich weniger stark als die andere Gruppe.

Jedoch waren die Einschätzungen hinsichtlich der Menge an Blau in beiden Gruppen ähnlich. Also sahen sie gleich viel Blauanteil in den Bildern, unabhängig davon, ob die TeilnehmerInnen zuvor Paracetamol eingenommen hatten oder nicht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Paracetamol also nur die emotionalen Einschätzungen beeinflusst. Und keinen Einfluss auf das Urteilsvermögen allgemein hat.

Zwei Hände mit Tabletten

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Zusammenfassend lässt sich über die Auswirkungen von Paracetamol auf die Persönlichkeit sagen:

Gegenwärtig wissen die Forscher nicht, ob andere Schmerzmittel wie beispielsweise Ibuprofen und Aspirin die gleichen Auswirkungen haben. Aber es gibt bereits Pläne, entsprechende Untersuchungen durchzuführen.

Paracetamol ist im Gegensatz zu vielen anderen Schmerzmitteln kein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR). Das bedeutet, dass es die Entzündung im Körper nicht kontrolliert. Jedoch ist noch nicht bekannt, ob diese Tatsache für die mögliche emotionale Wirkung der Medikamente von Bedeutung ist.

In der durchgeführten Studie hat man also versucht, den Einfluss von Paracetamol auf die Empfindlichkeit der Personen zu untersuchen. Also auf die Sensibilität, die einige Menschen dazu veranlasst, unterschiedlich auf positive und negative Ereignisse im Leben zu reagieren.

Damit wollte man bestätigen, dass Paracetamol Auswirkungen auf die Persönlichkeit der Menschen hat. Dennoch müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um dieses Ergebnis wirklich bestätigen oder gegebenenfalls zurückweisen zu können.

  • Farré, M., Abanades, S., Álvarez, Y., Barral, D., & Roset, P. N. (2004). Paracetamol. DOLOR. https://doi.org/10.12968/jprp.2019.1.1.7
  • Choo, C., Diederich, J., Song, I., & Ho, R. (2014). Cluster analysis reveals risk factors for repeated suicide attempts in a multi-ethnic Asian population. Asian Journal of Psychiatry. https://doi.org/10.1016/j.ajp.2013.10.001
  • Ystrom, E., Vollrath, M. E., & Nordeng, H. (2012). Effects of personality on use of medications, alcohol, and cigarettes during pregnancy. European Journal of Clinical Pharmacology. https://doi.org/10.1007/s00228-011-1197-y