Akathisie: Symptome, Ursachen, Behandlungen und mehr

Das größte Problem bei Akathisie ist, dass sie oft nicht frühzeitig erkannt wird. Manchmal wird sie mit anderen Erkrankungen verwechselt und die Symptome werden übersehen. Hier erfährst du alles Wissenswerte!
Akathisie: Symptome, Ursachen, Behandlungen und mehr

Geschrieben von babel

Letzte Aktualisierung: 20. August 2022

Akathisie ist ein Syndrom, das einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang verursacht. Betroffene finden nur dann eine gewisse Erleichterung, wenn sie sich ständig in Bewegung befinden. Wenn sie stillstehen, empfinden sie ein tiefes Unbehagen.

Meistens handelt es sich um eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente, insbesondere von Antipsychotika. Man schätzt, dass bis zu einem Drittel der Menschen, die regelmäßig solche Medikamente einnehmen, an dem Syndrom leiden.

Außerdem geht man davon aus, dass Akathisie unterdiagnostiziert wird, da die Symptome oft übersehen oder ignoriert werden. Das führt dazu, dass das Medikament, das die Reaktion verursacht, nicht abgesetzt wird.

Was ist Akathisie?

Akathisie ist definiert als eine Bewegungsstörung, die durch große Schwierigkeiten beim Stillhalten gekennzeichnet ist, begleitet von einem subjektiven Gefühl der Unruhe. Wenn sich die Person nicht bewegt, verspürt sie zum Beispiel Unruhe oder ein juckendes Gefühl.

Dieses Syndrom beeinträchtigt die Lebensqualität spürbar. Es wurde sogar mit aggressivem Verhalten und einem erhöhten Selbstmordrisiko in Verbindung gebracht.

Bei älteren Erwachsenen ist es ein Risikofaktor für Stürze. Man schätzt, dass 20 – 75 % der Menschen, die antipsychotische Medikamente einnehmen, unter Akathisie leiden.

Je nachdem, wann der Zustand auftritt, kann es zu verschiedenen Arten von Akathisie kommen:

  • Akut: Sie tritt kurz nach Beginn der Medikamenteneinnahme auf und dauert weniger als sechs Monate.
  • Chronisch: Wenn die Akathisie länger als sechs Monate andauert.
  • Spät: Sie tritt Monate oder Jahre nach Beginn der Einnahme des betreffenden Medikaments auf.
  • Entzug: Diese Form tritt in den sechs Wochen nach dem Absetzen eines Medikaments auf.

Akathisie wird manchmal mit einer anderen Störung, der tardiven Dyskinesie, verwechselt. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Nebenwirkung von antipsychotischen Medikamenten.

Allerdings besteht der Unterschied zwischen Akathisie und Dyskinesie darin, dass die Person bei Dyskinesie nicht merkt, dass sie sich bewegt. Wenn eine Akathisie vorliegt, ist sich die Person der Bewegung bewusst.

Akathisie - einige Medikamente
Akathisie wird in erster Linie als Nebenwirkung von antipsychotischen Medikamenten angesehen.

Symptome und Diagnose

Das Hauptsymptom der Akathisie ist der Wunsch nach ständiger Bewegung und die Unfähigkeit, still zu sitzen. Dies betrifft den Rumpf, die Hände, die Arme und die Beine, vor allem letztere. Aus diesem Grund wird sie manchmal mit dem Restless-Legs-Syndrom verwechselt.

Zu den anderen Symptomen gehören die folgenden:

  • Übelkeit
  • Aggressivität und Unruhe
  • Depression und Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Ein Gefühl der Unruhe und geistiges Unbehagen
  • Appetitlosigkeit und manchmal Gewichtsverlust
  • In schweren Fällen Selbstmordgedanken oder suizidales Verhalten
  • Ausführung sich wiederholender Bewegungen (z. B. Schaukeln, Schlurfen oder Schwingen)

Die Diagnosestellung erfolgt anhand der Krankengeschichte und mittels einer körperlichen Untersuchung. Darüber hinaus fragt der Arzt/die Ärztin, welche Medikamente der Patient/die Patientin einnimmt.

Außerdem beobachtet er/sie die Bewegungen der Person und ihre Reaktionen auf das Stillsitzen. Möglicherweise verwendet er/sie auch ein Beurteilungsinstrument namens Barnes-Akathisia-Scale.

In manchen Fällen werden zusätzliche Tests durchgeführt, um ähnliche Störungen auszuschließen:

  • Manie
  • Psychose
  • Spätdyskinesie (Tardive Dyskinesie)
  • Agitierte Depression
  • Angstzustände oder Schlaflosigkeit
  • Drogenentzug
  • Restless-Legs-Syndrom
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Die Ursachen und Risikofaktoren für Akathisie

Akathisie tritt häufiger bei Menschen auf, die Antipsychotika der ersten Generation einnehmen. Diese Art von Medikamenten ist die älteste und umfasst Medikamente wie Chlorpromazin, Haloperidol und Loxitane ®.

Auch Antidepressiva und Antiemetika können Akathisie verursachen.

Diese Wirkung wurde auch bei Antipsychotika der zweiten Generation und sogar bei neueren Antipsychotika festgestellt, wenn auch in geringerem Maße. Die Wissenschaft hat noch nicht herausgefunden, warum das so ist. Man vermutet, dass es daran liegt, dass diese Medikamente die Dopaminrezeptoren blockieren, einen Neurotransmitter, der die Bewegung beeinflusst.

Es wird aber auch vermutet, dass andere Neurotransmitter wie Serotonin, Acetylcholin und GABA an der Akathisie beteiligt sind. Diese Nebenwirkung tritt auch bei Menschen auf, die andere Medikamente einnehmen:

  • Beruhigungsmittel
  • Antiemetika
  • Kalziumkanalblocker
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Sie ist wahrscheinlicher bei Menschen, die hohe Dosen des Medikaments erhalten, die Dosis sehr schnell erhöhen oder bei Menschen mittleren Alters oder älteren Erwachsenen. Es gibt noch andere Krankheiten, die diese Störung verursachen können, wie z.B. die Parkinson-Krankheit, Enzephalitis und traumatische Hirnverletzungen.

Akathisie - Mann greift zu einem Glas Wasser
Unter den Krankheiten, die mit Bewegungsstörungen einhergehen, ist die Parkinson-Krankheit eine der Krankheiten, die zu Akathisie führen können.

Behandlung von Akathisie

Die erste Behandlungsmöglichkeit für Akathisie ist die Reduzierung der Dosis des Medikaments, das die Störung verursacht. Dies ist in leichten Fällen am wirksamsten. Allerdings kann es einige Zeit dauern, bis sich die Situation bessert.

Wenn das Medikament nicht reduziert werden kann, ist es am besten, auf ein anderes Medikament umzusteigen, das diese Nebenwirkung nicht hervorruft.

In schwereren Fällen kann es notwendig sein, ein spezielles Medikament zur Behandlung von Akathisie einzusetzen. Dies kann jedoch das Risiko einer Polypharmazie mit sich bringen. Wenn du dich für diese Alternative entscheidest, werden in der Regel Betablocker, Benzodiazepine oder einige Antidepressiva eingesetzt.

Menschen mit dieser Störung profitieren oft von einer erhöhten Aufnahme von Vitamin B6, das in Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Nüssen und Gemüse enthalten ist. Außerdem wird empfohlen, sich körperlich zu betätigen, um Stress abzubauen.

Einige zusätzliche Tipps

Es ist sehr wichtig, dass eine Person, die Symptome einer Akathisie feststellt, so schnell wie möglich ihren Arzt oder ihre Ärztin aufsucht. Das ist besonders wichtig, wenn Symptome von Depressionen oder Selbstmordgedanken auftreten.

Außerdem gibt es einige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um die Auswirkungen zu kontrollieren und zu verringern:

  • Depressionen und Angstzuständen vorbeugen: Psychotherapie, regelmäßige körperliche Betätigung, Hobbys, Reduzierung des Zuckerkonsums, ausreichend Ruhe, eine gesunde Ernährung mit viel Omega-3 und Selbsthilfegruppen sind hilfreich.
  • Stressmanagement: Dazu gehören Maßnahmen wie ausreichender Schlaf, der Konsum von beruhigenden Kräutertees, das Planen von Aktivitäten und das Praktizieren von Meditationstechniken.
  • Nahrungsergänzung: Es kann eine gute Idee sein, ein Vitamin B6- oder Magnesiumpräparat einzunehmen.

Akathisie ist eine reversible Störung. Das Hauptproblem ist jedoch, dass viele Betroffene dem Arzt/der Ärztin ihre Symptome nicht melden.

Wenn die Behandlung frühzeitig eingeleitet wird, ist die Prognose wesentlich besser. Es ist zu beachten, dass schwere, unbehandelte Fälle zu sehr ernsten Komplikationen wie Lähmungen führen können.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Restless-Legs-Syndrom behandeln mit 6 natürlichen Mitteln
Besser Gesund Leben
Lies auch diesen Artikel bei Besser Gesund Leben
Restless-Legs-Syndrom behandeln mit 6 natürlichen Mitteln

In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du auf natürliche weise das Restless-Legs-Syndrom behandeln kannst. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren.



  • Escobar-Córdoba, F., Álvarez-Vanegas, C., & Torres-Espinosa, L. (2015). Farmacoterapia de la acatisia aguda inducida por neurolépticos. Acta Neurol Colomb31(4), 447-453.
  • Caqueo-Urízar, A., Urzúa, A., & Rus-Calafell, M. (2017). Efectos secundarios de la medicación antipsicótica y calidad de vida en pacientes con esquizofrenia latinoamericanos. Terapia psicológica35(1), 111-114.
  • Martínez-Aguayo, J. C., Silva, H., Arancibia, M., Angulo, C., & Madrid, E. (2016). Antipsicóticos y suicidio. Revista chilena de neuro-psiquiatría54(2), 141-150.
  • Molero-Mateo, P., & Molina-Rueda, F. (2022). Tratamiento fisioterápico del paciente con trastorno del movimiento funcional: una revisión sistemática. Neurología.
  • Gómez, M. A., & Rivas, S. A. (2014). La acatisia: algo más que un trastorno del movimiento. Revista española de trastornos del movimiento, 6(2), 6-9.