Wissenswertes über die Stammzellentherapie

25 Oktober, 2020
Noch steckt die Stammzellentherapie in den Kinderschuhen, doch wird sie in Zukunft tatsächlich die Lösung aller Krankheiten sein?

Wissenschaftler sind weltweit intensiv mit der Erforschung der Stammzellen beschäftigt, um neue Therapien zu entwickeln. Noch steckt die Stammzellentherapie in den Kinderschuhen, doch wird sie in Zukunft tatsächlich die Lösung aller Krankheiten ermöglichen?

Derzeit ist die Transplantation von Blutstammzellen am besten etabliert. Diese Behandlung kommt bei Krankheiten des Immunsystems und des Blutes zum Einsatz und kann auch das Blutsystem nach einer Krebstherapie wiederherstellen. Wir erklären heute kurz und einfach, was Stammzellen sind und wie sie eingesetzt werden könnten.

Stammzellen sind Zellen, die dazu fähig sind, eine Kopie von sich selbst herzustellen, indem sie sich teilen. Pluripotente Zellen, die noch undifferenziert sind, entstehen im frühen Embryonalstadium auf ganz natürliche Weise. Sie teilen sich nahezu unbegrenzt und bilden eine Kultur embryonaler Stammzellen.

Diese pluripotenten Zellen können dann unterschiedlich differenzierte Zellen bilden, zum Beispiel eine Myozyten-Muskelzelle, eine Osteozyten-Knochengewebezelle oder eine Neuronen-Nervengewebezelle. Sie sind also in der Lage, alle Organe des Körpers zu bilden beziehungsweise zu regenerierenSie ermöglichen die Entwicklung und das Wachstum des Embryos.

Grundsätzlich unterscheidet man folgende Arten von Stammzellen:

  • Blastozysten: Diese embryonalen Stammzellen entwickeln sich drei bis vier Tage nach der Befruchtung und enthalten verschiedene Zelltypen, wie embryonale Stammzellen und pluripotente Stammzellen.
  • Blutstammzellen: Die hämatopoetischen Stammzellen können sich ebenfalls selbst erneuern und kopieren. Sie produzieren auch rote Blutzellen. Blutstammzellen sind im Knochenmark vorhanden und können auch bei der Geburt eines Kindes aus der Nabelschnur oder der Plazenta entnommen werden. Blutstammzellen sind multipotent, jedoch nicht pluripotent.
  • Induzierte pluripotente Stammzellen oder iPS-Zellen: Diese werden künstlich im Labor durch die Reprogrammierung von somatischen Zellen hergestellt. Noch ist allerdings nicht geklärt, ob sie tatsächlich alle Eigenschaften natürlicher pluripotenter Stammzellen aufweisen.

Wie funktioniert die Stammzellentherapie?

Die Stammzellentherapie versucht, geschädigtes Gewebe im menschlichen Körper zu reparieren. Die Regenerationsfähigkeit soll in Zukunft genutzt werden, um Organe “herzustellen” und damit Transplantationen überflüssig zu machen. Stammzellen sollen in geschädigtem Gewebe neue Bausteine bilden und das Gewebe so regenerieren, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, bei einer Leberzirrhose oder bei einem Knochentrauma. Die medizinischen Möglichkeiten scheinen nahezu grenzenlos zu sein.

Darüber hinaus besteht die Hoffnung eine Heilung für bisher scheinbar unheilbare Krankheiten zu finden. Die Krebsmedizin könnte damit grundlegend verändert werden und die Prognose vieler Patienten verbessern.

stammzellentherapie
Die Stammzellentherapie könnte in Zukunft die Prognose bisher unheilbarer Krankheiten verbessern.

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Probleme bei der Behandlung

Wissenschaftler betonen allerdings, dass es nicht so einfach ist, eine Stammzelle zur Bildung von spezifischem Gewebe zu nutzen. Das Gewebe bildet sich nicht immer so, wie geplant und kann sich auch spontan entwickeln. Staatliche Behörden weisen außerdem darauf hin, dass die Patienten sachgemäß informiert und über Möglichkeiten und den aktuellen Wissensstand Bescheid wissen müssen.

Außerdem können auch Abwehrreaktionen des Empfängerorganismus auf die eingeführten Stammzellen auftreten, wenn sie vom Immunsystem nicht angenommen werden. Dies kann ernste Folgen haben.

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Die Knochenmarktransplantation ist in diesem Zusammenhang bis jetzt am meisten erforscht.

Wichtiger Hinweis: Werde Knochenmarkspender!

Einige Beispiele für eine Stammzellentherapie

Ungeachtet der möglichen Nebenwirkungen und derzeitigen Beschränkung gibt es bereits mögliche Behandlungen mit Stammzellen. Tatsächlich wird die Transplantation von Blutstammzellen‎ aus dem Knochenmark ‎seit den 70er Jahren beispielsweise bei bestimmten Lymphomen praktiziert.

Aber es gibt noch weitere erfolgreiche Therapien:

  • Haut bei Verbrennungen: Die Hautbildung bei großen Verbrennungen wird seit mehr als dreißig Jahren praktiziert. Bei dieser gezüchteten Haut handelt es sich allerdings nicht um echte Haut und daher fehlen Schweißdrüsen und Haare. Aber trotzdem handelt es sich bei starken Verbrennungen um eine wichtige Hilfe.
  • Leukämie im Kindesalter: Die Stammzellen der Nabelschnur können Kindern mit Leukämie helfen. Bei Erwachsenen ist ihre Anwendung nicht so effektiv.
  • Heilung der Hornhaut: Stammzellen aus dem Limbus des Augapfels können neues Hornhautgewebe erzeugen, wenn beim Patient zum Beispiel das Auge durch den Verlust eines Teils der Hornhaut verletzt ist. In diesem Fall wäre es möglich, dem Patienten ein neues Stück Hornhaut zu geben. So wird die verlorene Hornhaut ersetzt und die volle Sehkraft wiederhergestellt.

Alles in allem gibt es noch viel Forschungsbedarf bei der Stammzellentherapie. Trotzdem deuten viele Befunde darauf hin, dass sie in Zukunft eine vielversprechende Behandlung für schwere Krankheiten sein könnte.

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