Was sind ätherische Öle und wie und warum wirken sie?

Ätherische Öle kommen in der Naturheilkunde wegen ihrer Wirkung auf die körperliche und mentale Gesundheit zum Einsatz. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf ihre wichtigsten Anwendungen.
Was sind ätherische Öle und wie und warum wirken sie?

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2022

Hast du dich jemals gefragt, was ätherische Öle sind? Seit der Antike sind ätherische Öle in vielen Kulturen auf der ganzen Welt bekannt. Es gibt Aufzeichnungen, die auf ihre Verwendung im alten Ägypten hindeuten, sodass sie vermutlich schon etwa 3.500 v. Chr. zur Anwendung kamen.

Im Allgemeinen werden sie wegen ihrer aromatischen Kraft und ihrer interessanten medizinischen Eigenschaften geschätzt. Aufgrund ihrer Zusammensetzung werden sie oft als Hilfsmittel eingesetzt, um Stress abzubauen, Beschwerden zu lindern und das Risiko von Infektionen zu verringern.

Natürlich solltest du sie, wie viele andere Naturprodukte auch, mit Vorsicht und in Maßen verwenden. Ihre Eigenschaften sind zwar gesundheitsfördernd, aber sie sind nicht frei von Gegenanzeigen und unerwünschten Wirkungen. Im folgenden Artikel verraten wir dir, wofür sie verwendet werden und welche die empfehlenswertesten sind.

Was sind ätherische Öle?

Wahrscheinlich hast du dich schon gefragt, was ätherische Öle sind. Diese Inhaltsstoffe werden schon seit Tausenden von Jahren in der Naturmedizin verwendet. Es handelt sich dabei um flüchtige Essenzen, die durch Destillation oder Kaltpressung aus aromatischen Bäumen und Pflanzen gewonnen werden.

Allerdings darfst du sie nicht mit handelsüblichen Ölen verwechseln, die mit chemischen Methoden gewonnen werden, da sie eine andere Zusammensetzung haben. Oft wird das reine ätherische Öl mit einem Trägeröl kombiniert, um es für die Verwendung geeignet zu machen.

Wie in einem Artikel in der Zeitschrift Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine beschrieben, werden ätherische Öle oft als Desinfektionsmittel und Stimulanzien verwendet. Es wurde auch festgestellt, dass sie entzündungshemmend, schmerzlindernd und antimikrobiell wirken.

Wie und warum wirken ätherische Öle?

Ätherische Öle sind nicht zum Verzehr geeignet; ihre Eigenschaften werden durch Inhalation oder topische Anwendung (in Kombination mit einem Trägeröl) genutzt. Nach Forschungsergebnissen, die im International Journal of Molecular Sciences veröffentlicht wurden, gibt es drei mögliche Mechanismen, die ihre Wirkung erklären.

Der erste besteht in der Aktivierung der nasalen Geruchs-Chemorezeptoren, die dann Geruchssignale an das Gehirn senden. Insbesondere wirken sie auf diese Weise auf das limbische System, eine Hirnregion, die an der Regulierung von Emotionen, Verhalten und Langzeitgedächtnis beteiligt ist.

Die beiden anderen möglichen Mechanismen sind einerseits das direkte Eindringen ihrer Moleküle durch den Geruchsnerv in Hirnregionen und andererseits die alveoläre Absorption ihrer Verbindungen in den Blutkreislauf, die anscheinend die Blut-Hirn-Schranke überwinden, um den Reiz zu erzeugen.

Wenn sie jedoch auf die Haut aufgetragen werden, werden die gesundheitsfördernden Phytochemikalien absorbiert. Diesbezüglich besagen Untersuchungen in der Fachzeitschrift Pharmacy, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass die Bestandteile der Öle die menschliche Haut durchdringen können.

Ätherische Öle - Frau mit einer Pipettenflasche
Ätherische Öle können auf die Haut aufgetragen werden, sodass sie in diese eindringen und ihre Moleküle dann wirken.

Die wichtigsten Eigenschaften ätherischer Öle

Die Wirkungen ätherischer Öle variieren je nach Herkunftspflanze und dem bei ihrer Herstellung angewandten Extraktionsverfahren. Im Allgemeinen zeichnen sie sich jedoch durch die folgenden Wirkungen aus:

  • Antiviral
  • Antibiotisch
  • Antimikrobiell
  • Entzündungshemmend
  • Regenerierend und heilend
  • Antioxidantiv
  • Adaptogen
  • Beruhigend

In den meisten Fällen werden diese Wirkungen in Aromatherapiesitzungen genutzt. Das Einatmen der Produkte regt die Atmung, die Zellregeneration, das Nervensystem und den Blutkreislauf an. So entsteht ein Gefühl des körperlichen und geistigen Wohlbefindens.

Am häufigsten verwendete ätherische Öle

Es gibt schätzungsweise mehr als 90 Sorten ätherischer Öle. Die meisten von ihnen werden in der Aromatherapie, aber auch in der Kosmetik und in der Lebensmittelindustrie verwendet.

Hier sind die am häufigsten verwendeten und ihre allgemeinen Eigenschaften:

  • Pfefferminzöl: Nach Angaben in Alimentary Pharmacology & Therapeutics entspannt dieses Öl die glatte Muskulatur und hat antimikrobielle, entzündungshemmende und verdauungsfördernde Eigenschaften.
  • Thymianöl: Es zeichnet sich durch sein antimikrobielles, antivirales und schleimlösendes Potenzial aus.
  • Lavendelöl ist eines der ätherischen Öle, die bei der Behandlung von Stress und Angstzuständen eingesetzt werden. Es soll auch bei der Linderung körperlicher Schmerzen hilfreich sein.
  • Oreganoöl: Laut der Zeitschrift Molecules wirkt es antidiabetisch, antimikrobiell, entzündungshemmend und antioxidativ.
  • Eukalyptusöl: Es wird oft als Hilfsmittel gegen Atemwegserkrankungen eingesetzt. Außerdem ist es ideal zum Desinfizieren.
  • Kampferöl: In der Volksmedizin verwendet man Kampfer, um Reizungen und Schmerzen zu lindern. Seine entzündungshemmenden, insektiziden und antiviralen Eigenschaften sind erwiesen.
  • Basilikumöl hat laut einem Artikel im Journal of Food Science and Technology eine entzündungshemmende und antioxidative Wirkung.
  • Sandelholzöl: Es kann zur Regulierung des Nervensystems eingesetzt werden, hat aber auch Potenzial als Verbündeter in der Dermatologie.
  • Bergamotteöl: Es gibt Hinweise darauf, dass es zur Linderung von Stress und Angstzuständen beiträgt.
  • Rosenöl gilt als antidepressiv, entspannend und sexuell stimulierend. Zudem ist es gut für die Hautgesundheit.
  • Kamillenöl verbessert die Stimmung und trägt zur Hautpflege bei.
  • Ylang-Ylang-Öl kann zur Behandlung von Kopfschmerzen, zur Senkung des Blutdrucks und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt werden.
  • Teebaumöl ist eines der beliebtesten Mittel zur Vorbeugung und Behandlung verschiedener Arten von Hautinfektionen.
  • Jasminöl: Es kann zur Stimulierung der Libido, zur Beruhigung und zur Verbesserung der Stimmung eingesetzt werden.
  • Zitronenöl hilft bei der Vorbeugung von Infektionen. Außerdem soll es die Verdauung und das Nervensystem unterstützen.

Empfehlungen für die Auswahl ätherischer Öle

Beim Kauf von ätherischen Ölen gibt es mehrere Aspekte zu beachten. Derzeit werden in vielen Geschäften diverse Präparate verkauft, die nicht immer von bester Qualität sind.

Denn einige dieser Produkte sind keine reinen ätherischen Öle, sondern mit anderen Ölen gemischt. Sie haben ein angenehmes Aroma, aber nicht die gewünschte Wirkung.

Deshalb lohnt es sich, Folgendes zu beachten:

  • Wähle hochreine Öle: Sie tragen in der Regel den botanischen Namen der Pflanze auf dem Etikett. Sie enthalten keine Zusatzstoffe.
  • Überprüfe das Extraktionsverfahren: Handelt es sich um Destillation oder Kaltpressung? Wenn es sich um andere Verfahren handelt, ist das ätherische Öl wahrscheinlich nicht rein.
  • Wähle eine vertrauenswürdige Marke: Einige haben eine lange Tradition als Hersteller.
Ätherische Öle
Wenn du ein ätherisches Öl kaufst, solltest du prüfen, wie es gewonnen wurde, um seine Reinheit sicherzustellen.

Die Risiken und Nebenwirkungen von ätherischen Ölen

Nur weil ein Produkt natürlich ist, heißt das nicht, dass es sicher ist.

Ätherische Öle sind da keine Ausnahme. Tatsächlich kann ein Missbrauch zu verschiedenen Nebenwirkungen führen, die von leicht bis schwerwiegend reichen. Die häufigsten sind die folgenden:

  • Hautausschläge
  • Lichtempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen
  • Atembeschwerden

Wie bei ihren positiven Eigenschaften variieren auch diese Reaktionen je nach Zusammensetzung der einzelnen Öle. In jedem Fall ist in einigen Fällen besondere Vorsicht geboten:

  • Säuglinge und Kinder
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz
  • Menschen, die sich einer pharmakologischen Behandlung unterziehen

Die oben genannten Fälle sollten zuerst mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden. Der Fachmann kann feststellen, ob die Anwendung sicher ist oder ob sie ein Risiko darstellt. Er kann dir auch Tipps für die Anwendung geben.

Wie du sie sicher verwendest

Am häufigsten werden ätherische Öle über Diffusoren verwendet. Diese verbreiten die Aromen und ermöglichen dir ein angenehmes Erlebnis. Manche Menschen geben sie auch in heißes Wasser, um die Dämpfe zu inhalieren und eine ähnliche Wirkung zu erzielen.

Die äußerliche Anwendung ist etwas heikler. Es ist wichtig, einige Tropfen des Öls (5 oder 6) mit einem Löffel Trägeröl (15 ml) zu vermischen, das Kokos-, Mandel-, Avocado- oder Olivenöl sein kann. Diese Mischung kannst du dann auf verschiedene Stellen deines Körpers auftragen und einmassieren.

Allerdings solltest du bei fettiger oder zu Akne neigender Haut vorsichtig sein, da die Verwendung von komedogenen Ölen diese verschlimmern kann. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einige Tropfen in das Bad oder in Zubereitungen für Kompressen zu geben.

Es ist immer ratsam, einen Patch-Test durchzuführen, um mögliche Reaktionen auszuschließen. Dazu trägst du eine kleine Menge des Produkts auf eine Hautpartie auf und lässt es 6 bis 12 Stunden einwirken. Wenn keine Reizungen oder Beschwerden auftreten, kannst du das Produkt problemlos verwenden.

Des Weiteren kannst du 3 bis 5 Tropfen des gewählten Öls in Shampoos, Badegels, Lotionen und andere regelmäßig verwendete Pflegeprodukte geben. Natürlich solltest du immer zuerst herausfinden, ob sie miteinander verträglich sind.

Ätherische Öle: Was gibt es zu beachten?

Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von ätherischen Ölen mit interessanten Eigenschaften. Die meisten werden in der Aromatherapie eingesetzt, um Entspannung zu fördern, Stress abzubauen und bestimmte Beschwerden zu lindern. Sie können aber auch andere positive Auswirkungen auf das Nerven-, Herz- und Kreislaufsystem haben.

Es ist jedoch wichtig, sie mit Vorsicht zu verwenden, da sie bei übermäßiger Anwendung oder unter bestimmten Bedingungen unerwünschte Wirkungen haben können. In diesem Zusammenhang ist es ratsam, die Etiketten zu lesen und die Empfehlungen des Herstellers zu befolgen.

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