Was ist ein Leistenbruch?

27 März, 2018
Ein Leistenbruch ist eine heutzutage sehr weit verbreitete Verletzung. Aus diesem Grund ist die Operation eines solchen Leistenbruchs eine der am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffe weltweit.

Weißt du, was ein Leistenbruch, medizinisch auch Inguinalhernie, ist? Eine Hernie ist eine Vorwölbung im Bauchraum oder in der Leistengegend. Diese kann entstehen, wenn in der Bauchwand eine Schwachstelle oder gar ein Loch ist.

Normalerweise bildet sich eine Hernie (Bruch oder auch Eingeweidebruch genannt), wenn du ein schwaches Bindegewebe hast. Nach außen sichtbar wird der Bruch, wenn sich an der betroffenen Stelle eine Beule bildet.

Wenn sich der Bruch am Ende einer Darmschlinge bildet, typischerweise am Leerdarm oder Krummdarm, dann nennt man das einen „Leistenbruch“. Dieser Bruch führt zudem durch den Leistenkanal.

Ein Leistenbruch ist oft erblich bedingt, du kannst dir einen Leistenbruch aber auch später zuziehen. Hattest du beispielsweise als Kind schon einen Leistenbruch, dann ist er meistens angeboren. Tritt der Leistenbruch dagegen erst im Erwachsenenalter auf, dann hast du ihn dir wahrscheinlich durch andere Einflüsse zugezogen.

  • Bis zu 30% aller neugeborenen Kinder haben einen angeborenen Leistenbruch. Dieser muss dann als medizinischer Notfall operiert werden. Der Leistenbruch ist vermutlich durch eine Anomalie in der Gebärmutter entstanden.
  • Wenn ein Leistenbruch wiederholt auftritt, dann geschieht das in 50% der Fälle aufgrund einer Infektion.

Wenn du im Erwachsenenalter einen Leistenbruch erleidest, dann ist dieser höchstwahrscheinlich durch äußere Einflüsse verursacht worden. Meist entstehen Leistenbrüche durch zu starken Druck auf das innere des Bauchraumes, bedingt durch:

  • Schwangerschaft
  • Schwere körperliche Arbeit, bei der du viel Gewicht heben musst oder wenn du dabei deine Bauchmuskeln sehr stark anspannst
  • Krankheiten wie chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, auch COPD genannt
  • Prostatahypertrophie und die damit verbundene Anstrengung beim Wasserlassen
Gewichtheben kann zu Leistenbruch führen

Weiterhin werden zwei Arten von Leistenbrüchen unterschieden. Der eingeklemmte und der nicht eingeklemmte Leistenbruch.

  • Ein nicht eingeklemmter Leistenbruch wird sichtbar durch eine Erhebung oder Schwellung an der betroffenen Stelle. Dieser sogenannte Bruchsack wird größer, wenn du dich anstrengst. Dies kann beispielsweise durch Husten passieren. Auch im Stehen kannst du den Bruchsack gut erkennen. Im Liegen hingegen verkleinert sich die sichtbar hervortretende Masse, du siehst den Bruchsack in der Regel nicht.
  • Wenn du einen eingeklemmten Leistenbruch hast, dann wirst du den Bruchsack nicht erkennen können. In der Regel wirst du äußerlich keine Veränderung an der betroffenen Stelle feststellen können.

Warum treten Gewebebrüche häufig in der Leistengegend auf?

Gewebebrüche können grundsätzlich an allen Stellen des Körpers entstehen, an denen dein Gewebe schwächer ist. Man könnte sagen, an den Stellen, an denen du eine „anatomische Schwäche“ aufweist.

Das sind all die Bereiche deines Körpers, in denen deine Gewebewände schwächer ausgeprägt sind als an anderen Stellen. Dies ist grundsätzlich an der vorderen Bauchwand der Fall. Sie ist wesentlich schwächer ausgeprägt als die hintere Bauchwand und daher anfälliger für einen Bruch.

Weltweite Verbreitung des Leistenbruchs

  • Operationen am Leistenbruch gehören zu den weltweit am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen. Schätzungen zufolge wird jeder 30. Mensch einmal im Leben einen Leistenbruch erleiden.
  • 15% aller durchgeführten chirurgischen Eingriffe sind Operationen am Leistenbruch. Daher ist diese Operation der weltweit am häufigsten vorgenommene chirurgische Eingriff.
  • Der Leistenbruch und der sogenannte Schenkelbruch (medizinisch: Femoralhernie) sind die zwei häufigsten Arten des Gewebebruchs (Hernie). Üblicherweise erleiden Männer weitaus häufiger einen Leistenbruch als Frauen. Die Femoralhernie, der Schenkelbruch, tritt allerdings bei Frauen wesentlich häufiger als bei Männern auf. Gewebebrüche sind zudem die zweit häufigste Ursache für mechanisch verursachte Darmverschlüsse.
  • Es kommt auch sehr häufig vor, dass nach einer ausgeheilten Hernie ein erneuter Bruch auftritt. In der Hälfte aller Fälle ist dieser erneute Bruch auf eine Infektion zurückzuführen.

Klassifikation von Leistenbrüchen

Je nachdem, wo und wie genau dein Darm durch den Leistenkanal gebrochen ist, unterscheidet man zwei Arten des Leistenbruches. Die allgemein gültige Klassifikation ist wie folgt:

Direkter oder medialer Leistenbruch

Beim direkten Leistenbruch durchbricht die Darmschlinge den Leistenkanal im Bereich des Hesselbach-Dreiecks. Dieses ist eine muskelfreie Stelle der Bauchwand.

Der Bruch zieht sich direkt durch die Hinterwand des Leistenkanals und nicht durch den inneren Leistenring. Er kann sich bis zur epigastrischen Arterie ziehen. Das ist eine Schlagader im Bereich der Rumpfwand des Unterbauches. Der Bruch befindet sich hinter dem Hodenheber, aber nicht direkt an dessen Sehnen.

Diese Art des Leistenbruchs wird häufig bei älteren Personen diagnostiziert.

Operation Leistenbruch

Indirekter Leistenbruch (schräg außen)

Sowohl bei Frauen als auch bei Männern ist dies die häufigste Art des Leistenbruchs. Er tritt in der Bauchhöhle durch den inneren Leistenring in den Leistenkanal und liegt seitlich der epigastrischen Gefäße (Gefäße der unteren Bauchwand).

In diesem Fall liegt deine Darmschlinge seitlich der epigastrischen Arterie und des Hesselbach-Bandes. Sie verläuft am Leistenstrang entlang, bei Männern innen vorbei am Hodenheber.

Bei manchen Männern kann die Darmschlinge auch in einen Hoden gelangen. Das nennt man dann Inguinoskrotalhernie.

Symptome

Grundsätzlich treten bei einem Leistenbruch keine sehr starken Beschwerden auf.

In den meisten Fällen wirst du morgens aufwachen und dich gut fühlen. Während des Tages allerdings wirst du dich zunehmend unwohl fühlen, besonders, wenn du Sport treibst, Husten musst oder sonstige Anstrengungen unternimmst.

Dennoch können die meisten Patienten die Symptome ihres Leistenbruches alleine beheben.

Komplikationen

  • Verkapselung: In diesem Fall wird ein Leistenbruch „eingeschlossen“.  Er kann dann auch nicht mehr manuell behoben werden, es sind dadurch aber keine Gefäße gefährdet. Die Darmschlinge wird ausreichend mit Blut versorgt.
  • Strangulation: Im Fall einer Strangulation ist die Blutversorgung der gebrochenen Darmschlinge gefährdet. Diese Komplikation stellt einen ernst zu nehmenden medizinischen Notfall dar, der Darm wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Weiterhin besteht das Risiko einer Nekrose, das bedeutet, dass umliegendes Gewebe absterben kann.

Wenn bei einem Leistenbruch Komplikationen auftreten, ist es unmöglich, diese alleine zu beheben. Zudem treten normalerweise sehr heftige Schmerzen auf, die zusätzlich noch von Fieber begleitet werden können.

Diagnose

Der Leistenbruch wird üblicherweise mittels eines einfachen körperlichen Tests diagnostiziert. Zudem ist die klinische Anamnese des Patienten wichtig. Tatsächlich kommen sehr oft Patienten zum Arzt und wissen bereits, dass sie einen Leistenbruch haben. Auch wenn du an undefinierten Bauchschmerzen leidest, ist es wichtig, dass du dich von einem Arzt untersuchen lässt.

Da es für Bauchschmerzen unterschiedlichste Ursachen und Diagnosen geben kann, ist es sehr wichtig, neben dieser Untersuchung weitere Tests vorzunehmen. So können andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Behandlung

Ziele der Behandlung

Die operative Behandlung eines Leistenbruchs wird durchgeführt, um:

  • die Darmschlinge wieder in die Bauchhöhle zurückzulegen. Dies soll idealerweise geschehen, ohne dabei das Bauchfell zu öffnen.
  • die sehnigen Ansätze der Bauchmuskeln zu finden.
  • das durch den Leistenbruch verursachte Loch wieder zu schließen.

Operativer Eingriff

Die Operation am Leistenbruch kann entweder an der offenen Bauchdecke oder aber auch laparoskopisch (durch Bauchspiegelung) durchgeführt werden.

Die gängigsten Operationstechniken an der offenen Bauchdecke sind die Hämoriographie und die Hemiplastik.

  • Hämoriographie ist eine anatomische Operationsmethode. Hierbei wird dein eigenes Gewebe benutzt, um das Loch im Gewebe wieder zu schließen.
  • Hemiplastik ist eine prothetische Methode. Nachdem die Darmschlinge in den Bauchraum zurückgeführt wurde, wird ein synthetisches Gewebe eingesetzt, um die geschwächte und gerissene Darmwand zu stabilisieren. Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist diese Methode sehr erfolgversprechend. Daher ist sie auch die am häufigsten angewendete Technik.

Die minimal-invasive Technik in Form der Laparoskopie bietet gegenüber den traditionellen Operationsmethoden Vor- und Nachteile. 

Einschnitt Leistenbruch

Einerseits verringert die minimal-invasive Technik die Schmerzen nach der Operation und verkürzt außerdem noch die anschließende  Genesungszeit. Die Operationsnarbe ist zudem sehr viel kleiner und daher auch aus ästhetischen Gründen sehr attraktiv.

Andererseits jedoch treten bei der Laparoskopie wesentlich häufiger Komplikationen auf. Und zwar sowohl während der Operation als auch nach dieser. Somit besteht durch die minimal-invasive Technik ein erhöhtes Risiko, dass sich ein erneuter Leistenbruch bildet. Auch noch nicht bekannte langfristige Folgeerscheinungen sind nicht auszuschließen. Insgesamt besteht dadurch auch ein erhöhtes Kostenrisiko.

Aus all den genannten Gründen ist die Laparoskopie nach wie vor eine viel diskutierte Methodik mit vielen Befürwortern und ebenso vielen Gegnern.

Wiederkehrender Leistenbruch (Rezidivhernie)

Wenn der Leistenbruch an der gleichen Stelle erneut auftritt, spricht man von einer Rezidivhernie, einem wiederkehrenden Leistenbruch. Dieser kann sofort oder aber auch verzögert auftreten.

Ob ein wiederkehrender Leistenbruch auftritt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Manche davon haben mit dem Patienten selber zu tun, andere wiederum sind durch die vorherige Operation verursacht.

Einige der Faktoren, welche mit dem Patienten selbst zu tun haben, sind:

  • Alter
  • Art des Gewebebruchs
  • weitere Erkrankungen, welche einen Einfluss haben könnten

Faktoren, die in Zusammenhang mit der bereits erfolgten Operation stehen, sind:

  • Unerfahrenheit des Operateurs
  • Schlechte Operationstechnik
  • Ungenügende oder falsche Diagnose
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