Wahrheiten und Mythen über sich verändernde Augenfarbe

24 Januar, 2021
Die Augenfarbe wird durch die Melaninproduktion im Körper bestimmt. Es ist eher ungewöhnlich, dass sich die Augenfarbe im ersten Lebensjahr ändert, doch es gibt Menschen, die davon überzeugt sind. Hier klären wir über Mythus und Wahrheit hinsichtlich dieses Themas auf.

Die Augenfarbe hängt, wie auch Haut- und Haarfarbe, von der Melaninproduktion eines Menschen ab. Ist eine Änderung der Augenfarbe also möglich? Heute berichten wir über Wahrheiten und Mythen rund um das Thema.

Über 150 Gene sind an der Produktion, dem Transport und der Speicherung von Melanin beteiligt. Dieses Farbpigment trägt wesentlich zur Bestimmung der Augenfarbe bei.

Menschen mit hellen Augen, also eher bläulichen und grünlichen Tönen, produzieren weder große Mengen des Pigments noch speichern sie sie. Im Fall von dunklen Augen verhält es sich umgekehrt.

Welche Faktoren bestimmen die Augenfarbe? Welche Wahrheiten und Mythen gibt es?

Laut einer Veröffentlichung in der Missouri Medicine Zeitschrift bestimmt sich die Augenfarbe durch Anzahl und Größe der Melanosomen, sprich, des Komplexes, der das Melanin enthält. Die Melanosome sind Bestandteil der Melanozyten, Zellen, welche sich im äußeren Irisgewebe befinden und verantwortlich für deren Farbgebung sind.

Im Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass das Gen OCA2 im  Chromosom 15 ein Protein produziert, welches die Entstehung und Weiterverarbeitung von Melanin steuert. Je höher die Aktivität dieses Gens ist, desto dunkler fällt die Augenfarbe aus. Es gibt jedoch noch weitere Gene, die die Voraussetzungen für das Pigment bestimmen und so zu hellerer Augenfarbe führen.

Zum Weiterlesen : Pigmentflecken des Auges: Sind sie gefährlich?

Welche Funktion hat die Iris?

Die Iris ist eine flache ringförmige Membran, welche sich aus zwei Schichten feinem Muskelgewebe zusammensetzt. Sie sitzt hinter der Hornhaut und umrundet die Pupille. Die Iris, auch Regenbogenhaut genannt, gibt den Augen ihre Farbe und steuert außerdem, gemeinsam mit der Pupille, den Lichteinfall ins Auge.

Mithilfe des Muskelgewebes erweitert und verengt die Iris die Pupille und steuert so die Menge an Licht, die ins Auge gelangt, was abhängig ist von den Bedingungen der Umgebung.

Laut American Academy of Ophthalmology ist es möglich, dass die Iris ihre Farbe verändert. Dies passiert dadurch, dass Lichtveränderungen die Pupille erweitern und so den Effekt erzeugen, dass die Augenfarbe anders wahrgenommen wird, da die Projektion entsprechend dem reflektierten Licht ausfällt. Hierbei handelt es sich jedoch nur um eine vorübergehende Veränderung.

Wenn du eine deutlich wahrnehmbare Veränderung in einem oder beiden Augen feststellst, empfiehlt es sich, den Augenarzt aufzusuchen. Denn es ist eher ungewöhnlich, dass die Iris ihre Farbe dauerhaft verändert. Wenn das passiert, kann es ein Anzeichen von Uveitis, Hepatitis oder Aniridie sein, oder auch durch ein Medikament oder Trauma ausgelöst.

Wahrheiten oder Mythen über die Augenfarbe

Es gibt verschiedene Wahrheiten und Mythen über die Augenfarbe, doch wenn sie sich verändert, musst du auf jeden Fall zum Augenarzt, da dieses Phänomen nicht normal ist.

Wahrheiten und Mythen über die Augenfarbe

Es wurden schon viele Dinge hinsichtlich der Veränderungen der Augenfarbe gesagt und behauptet. Wir klären hier über Mythen und Wahrheiten auf.

Wir werden mit einer anderen Augenfarbe geboren.

Das stimmt. In den ersten Lebensmonaten haben die Melanozyten ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen, sodass die Augenfarbe von Neugeborenen sich im Laufe der Zeit noch ändert.

Eine Veröffentlichung der American Academy of Pediatrics weist darauf hin, dass Melanozyten ca. ein Jahr benötigen, bis die ganze Menge an Melanin ausgeschüttet ist. Im Laufe dieses Prozesses verändert sich die Augenfarbe vom ursprünglich Gräulichen oder Bläulichen hin zu dunkleren Farben.

Nichtsdestotrotz kann es natürlich vorkommen, dass manche Babys mit Pathologien von Depigmentierung wie Albinismus oder Heterochromie, bei der jedes Auge eine andere Farbe hat oder das Auge gleichzeitig mehrere Farben aufweist, geboren werden. Dies kann durch Traumata, genetische Faktoren oder in Verbindung mit anderen Krankheiten hervorgerufen werden.

Wahrheiten oder Mythen?

Bei grünen Augen handelt es sich um eine genetische Mutation.

Falsch. Menschen mit grünen Augen leiden nicht unter einer genetischen Mutation. Die grüne Farbe entsteht durch nur mäßige Melaninproduktion und Anzahl an Melanosomen, so eine Veröffentlichung in Genetics of Eye Color.

Ein weiterer, von der Zeitschrift  International Journal of Molecular Sciences verbreiteter Artikel legt nahe, dass die Augenfarbe nicht durch die Anzahl an Melanozyten bestimmt wird. Laut dieser Studie ändert sich die Augenfarbe entsprechend der Zusammensetzung des Melanosoms. Denn es existieren zwei Arten von Melanin: das Eumelanin und das Phäomelanin. Letztere wird mit heller Augenfarbe in Verbindung gebracht.

Entdecke mehr zum Thema: Was verrät deine Augenfarbe?

Die Augenfarbe verändert sich entsprechend unserem seelischen Befinden.

Falsch. Unsere Stimmungen verändern die Augenfarbe nicht, zumindest gibt es keine Studien, die dies belegen würden.

Wie wir bereits erwähnt haben, kann sich die Wahrnehmung der Augenfarbe durch unterschiedlichen Lichteinfall und der damit verbundenen Pupillenerweiterung verändern. In dieser Situation ist weniger von der Iris sichtbar und mehr von den Farbtönen der Umgebung kann reflektiert werden.

Die Augenfarbe kann durch chirurgischen Eingriff verändert werden.

Das ist richtig, aber nicht empfehlenswert. Außer der Möglichkeit, farbige Kontaktlinsen zu benutzen, gibt es zwei unterschiedliche chirurgische Eingriffe, welche die Erscheinung der Iris verändern können. Bei einer handelt es sich um die Irisimplantation. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) genehmigte 2018 die erste Irisprothese zum Implantieren.

Zunächst wurde die intraokulare Irisimplantation zu medizinischen Zwecken bei genetischen oder durch Traumata hervorgerufenen Defekten entwickelt. Nichtsdestotrotz wird sie verstärkt auch zu kosmetischen Zwecken, mit dem Ziel, die Augenfarbe zu verändern, eingesetzt.

Spezialisten raten von der Operation am gesunden Auge ab, da sie mit Risiken einhergeht, die die Sehkraft beeinträchtigen können. Laut einer Studie des Journal of Cataract & Refractive Surgery zählen zu den möglichen Komplikationen eine Erhöhung des Augeninnendrucks, eine intraokulare Entzündung, ein Hornhautödem, Sehverlust oder Grüner Star.

Bei dem anderen chirurgischen Eingriff handelt es sich um Keratopigmentation der Hornhaut. Er wird an Patienten vorgenommen, deren Hornhaut nicht mehr durchlässig ist, weil sie an Transparenz verliert und deshalb das Licht nicht mehr in ausreichender Menge zur Netzhaut gelangt, so ein Artikel des Magazins Eye.

Bei diesem Eingriff kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Laut einer Veröffentlichung der Fachzeitschrift Cornea handelt es sich hierbei um eine angemessene Behandlungsmethode der genannten pathologischen Anzeichen. Daher wird sie inzwischen nicht mehr nur zu therapeutischen Zwecken, sondern auch zu kosmetischen angewandt. Mögliche mit dem Eingriff in Verbindung stehende Komplikationen können erhöhte Lichtempfindlichkeit, das Verblassen der Augenfarbe und Keratitis sein.

Wahrheiten oder Mythen über die Augenfarbe
Eine wahrnehmbare Veränderung der Augenfarbe ist ein Grund, einen Augenspezialisten aufzusuchen.

Kümmere dich um die Gesundheit deiner Augen

Die Augen sind überaus wichtige Organe, mithilfe derer wir die Welt, die uns umgibt, wahrnehmen und unseren täglichen Aktivitäten ohne Probleme nachgehen können. Das macht den Sehsinn zu einem unserer wichtigsten Sinne. Auch wenn du deine Augenfarbe gerne verändern möchtest, sie lieber heller oder dunkler hättest, solltest du nicht vergessen, dass du damit die Gesundheit deiner Augen aufs Spiel setzt.

Die Farbe der Iris stabilisiert sich normalerweise im Laufe des ersten Lebensjahres. Wenn du deutliche Veränderungen wahrnimmst, mach einen Termin beim Augenarzt um der Sache auf den Grund zu gehen.

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