Wachkoma: Was du darüber wissen solltest

19 Mai, 2020
Als Wachkoma bezeichnet man einen Zustand der tiefen Bewusstlosigkeit bei gleichzeitiger Aktivität des primitiven Gehirns. Patienten sind sich über sich selbst und ihre Umwelt in diesem Zustand nicht bewusst. Erfahre heute Interessantes über die Symptome, die Diagnose und die Prognose dieses Syndroms. 

Im Wachkoma, das auch als apallisches Syndrom oder vegetativer Zustand bezeichnet wird, sind sich Betroffene nicht über sich selbst oder ihre Umwelt bewusst. Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts fassten die bekannten Neurologen Brian Jennet und Freud Plum den Entschluss, dieses Syndrom wissenschaftlich zu beschreiben. Seither wurden zahlreiche Artikel veröffentlicht, um das Wachkoma aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Doch noch immer ist Vieles nicht geklärt.

In unserem heutigen Artikel erfährst du Interessantes zu diesem Thema.

Was ist ein Wachkoma?

Um diesen Zustand besser zu verstehen, betrachten wir kurz die beiden Hemisphären des Gehirns und welche Funktionen diese ausüben:

  • Die beiden Hemisphären kontrollieren die Gedanken und das Verhalten, was es uns ermöglicht, uns über uns selbst und unsere Umgebung bewusst zu sein. Die beiden Gehirnhälften umfassen verschiedene Gehirnstrukturen (Frontallappen, Temporallappen, Occipitallappen, Parietallappen) mit unterschiedlichen Funktionen, die von den Neuronen im Cortex ermöglicht werden.
  • Das Zwischenhirn, das den Thalamus und den Hypothalamus umfasst, und der Gehirnstamm kontrollieren die vitalen Funktionen. Dazu zählen der Wach-Schlaf-Rhythmus, die Körpertemperatur, die Atmung, der Blutdruck, die Herzfrequenz usw. Dieses Gehirnareal kann als unser primitives Hirn bezeichnet werden.
Wachkoma

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Der vegetative Zustand ist von langer Dauer und dazu kommt es, wenn die Gehirnhemisphären nicht richtig funktionieren. Die betroffene Person ist sich dann nicht mehr über sich selbst und ihre Umwelt bewusst. Allerdings ist das primitive Gehirn von den Schäden nicht betroffen und führt weiterhin seine lebenserhaltenden Funktionen aus.

«Sie sind weder bewusstlos, noch befinden sie sich im Koma im gewöhnlichen Sinne dieses Wortes, sie sind wach, jedoch ohne Bewusstsein.“

– Jennet und Plum –

Ursachen für ein Wachkoma

Verschiedene Ursachen können ein Wachkoma zur Folge haben. Jede Störung oder Krankheit, die Gehirnschäden zur Folge hat, kann dazu führen. Normalerweise übernehmen der Hirnstamm und das Zwischenhirn nach dem ursächlichen Schaden ihre Funktionen, jedoch nicht so die Hirnrinde oder andere Gehirnstrukturen.

Die häufigsten Ursachen dafür sind:

  • Kraniales Trauma: Ein charakteristisches Beispiel ist ein Motorradfahrer, dem ohne Helm ein Unfall widerfährt, bei dem er mit dem Kopf aufprallt.
  • Eine Störung, die zu Sauerstoffmangel im Gehirn führt: Es könnte sich zum Beispiel um einen Herzinfarkt oder einen Atemstillstand handeln.
  • Eine zerebrovaskuläre Krankheit: Zum Beispiel, wenn eine Arterie im Gehirn verstopft und deshalb die Durchblutung des Gehirns gestört ist und einen Gehirnschlag verursacht.

Andere mögliche Ursachen sind: Tumor, Hämorrhagie, Gehirninfektion, Endphase von Demenzkrankheiten wie Alzheimer usw. Diese Krankheiten schädigen zwar nicht den Hirnstamm, doch den Cortex. 

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Wachkoma: Symptome

Menschen im Wachkoma können einige Dinge tun, die den Anschein haben, dass sie sich darüber bewusst sind: 

  • Die Augen öffnenDer Patient kann verschiedene Schlafphasen durchleben und die Augen geschlossen oder offen haben.
  • Er kann atmen, kauen, niesen, schlucken und sich verschlucken, Laute von sich geben usw.
  • Der Patient kann sogar auf starke Stimuli reagieren, zum Beispiel auf Lärm. Er kann dabei lächeln oder die Augenbrauen heben.

Doch all diese Reaktionen werden vom primitiven Gehirn kontrolliert und nicht bewusst ausgeführt. Es handelt sich um unfreiwillige Grundreflexe, die wir alle haben. 

Wie können wir wissen, dass Patienten im Wachkoma nicht bei Bewusstsein sind?

Um herauszufinden, ob jemand bei Bewusstsein ist oder nicht, muss bei seinen Handlungen eine Absicht vorhanden sein. Diese Absicht zeigt uns, dass eine Beziehung zur Außenwelt vorhanden ist:

  • Der Patient kann die Augen öffnen und schließen und auch Augenbewegungen durchführen, doch diese haben kein Ziel. Die Bewegungen sind willkürlich und unabhängig von vorhandenen Reizen. Wenn die betroffene Person zum Beispiel die Augen offen hat und du ihr einen Bleistift vor die Augen hältst, kann sie diesem nicht mit ihrem Blick folgen, wenn du ihn bewegst.
  • Sie führt keine freiwilligen oder absichtlichen motorischen Bewegungen durch. Wenn sich die betroffene Person bewegt und zum Beispiel eine Extremität hebt, ist dies auf intensive Stimuli zurückzuführen. Es kann sich um Reflexe beim Aufwachen oder durch Lärm handeln. Alle anderen Bewegungen sind primitive Reflexe, wie saugen, kauen, schlucken usw.
  • Die Person im Wachkoma kann nicht sprechen und keine Worte bilden. Sie kann nur primitive Laute von sich geben.
  • Der Patient reagiert nicht, wenn man ihm eine geschriebene oder verbale Nachricht überbringt.
  • Außerdem leidet die betroffene Person an Harn- und Stuhlinkontinenz.

Der Patient ist also nicht bei Bewusstsein, doch sein Herz und seine Lungen funktionierenDeshalb bleiben der Blutdruck und die kardiorespiratorischen Funktionen erhalten.

Patient im Wachkoma

Diagnose

Die Diagnose basiert auf der Bewertung der Symptome durch den Arzt. Auch wenn der Patient alle klinischen Eigenschaften eines vegetativen Zustands aufweist, muss er eine Zeit lang beobachtet werden, um das Wachkoma bestätigen zu können. Ansonsten könnten verschiedene Anzeichen, die auf das Bewusstsein des Patienten hinweisen, übersehen werden.

Bildgebende Verfahren können mögliche Gehirnschäden sichtbar machen und sind für den Arzt wichtig, um festzulegen, ob eine Behandlung möglich ist. Um festzustellen, ob der Patient bei Bewusstsein ist, werden Verfahren wie eine funktionelle Magnetresonanz oder ein Elektroenzephalogramm erstellt, um die Gehirnaktivität zu messen.

Leider können diese Untersuchungen nicht den Grad des Bewusstseins des Patienten feststellen, sondern nur, ob Anzeichen dafür vorhanden sind, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Die Ergebnisse können die Entscheidung über die langfristige Behandlung und Pflege beeinflussen. Denn sie zeigen, ob es eine Möglichkeit der Genesung gibt oder nicht.

Prognose 

Nach einem Monat im Wachzustand wird dieser im Allgemeinen als persistent beurteilt. Doch die Ursachen für den vegetativen Zustand, seine Dauer und auch das Alter des Patienten sind für die Prognose ausschlaggebende Faktoren.

Es kann zu einer gewissen Erholung des Patienten kommen, auch wenn das Problem bereits als permanent betrachtet wird. Doch in der Regel ist die Erholung minimal und geht mit ernsten Folgeschäden und einer schlechten Lebensqualität einher.

Wachkoma: Behandlung

Menschen im Wachkoma benötigen umfassende Pflege. Dabei müssen insbesondere folgende Maßnahmen berücksichtigt werden:

  • Präventive Maßnahmen gegen Beschwerden durch die lange Immobilität: Es könnten sich Geschwüre und Muskelverspannungen durch den ständigen Druck auf dieselben Stellen kommen. Weitere Folgen können Thromben oder Blutgerinnsel sein. Um dies zu verhindern, muss der Patient passiv bewegt werden.
  • Gute Ernährung: Der Patient wird künstlich über einen Schlauch, der über den Mund oder die Nase oder direkt in den Magen führt, ernährt. Es können auch intravenös Nährstoffe verabreicht werden.
  • Gute Hygiene der Schläuche und des Patienten, um Infektionen zu verhindern.

Mögliche Genesung

Die Genesung von Patienten im Wachkoma ist höchst unwahrscheinlich. Ärzte, die Familie und manchmal auch ein ethisches Komitee des Krankenhauses müssen über die Behandlung des Patienten sprechen. Die Wünsche des Patienten müssen dabei im Rahmen des Möglichen berücksichtigt werden. In manchen Fällen liegt ein Testament mit entsprechenden Anweisungen vor.

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