Sind demenzerkrankte Menschen für Covid-19 anfälliger?

21 Mai, 2020
Patienten mit Demenz benötigen während der Corona-Krise besondere Unterstützung und Hilfe.

Die weltweite Corona-Pandemie hat in verschiedenen Ländern und für bestimmte Risikogruppen besonders schlimme Auswirkungen. Auch demenzerkrankte Menschen sind gegenüber dem SARS-CoV-2 besonders verletzlich und gehören zur Risikogruppe. 

Sowohl die Ansteckungsgefahr als auch die Bewegungseinschränkungen müssen in diesem Fall berücksichtigt werden. Für einen Menschen mit Demenz ist die lange Zeit zu Hause in vielen Fällen besonders schwer. Außerdem sind meist Personen über 65 Jahren von Demenz betroffen, deshalb ist das Risiko bei einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus besonders groß. 

Am Anfang dieser Pandemie wurden demenzerkrankte Menschen nicht als besonders gefährdet eingestuft. Doch inzwischen weisen immer mehr Gesundheitsfachkräfte, insbesondere Psychiater und Neurologen, darauf hin, dass Menschen mit Demenz zur Risikogruppe gehören und deshalb die entsprechende Aufmerksamkeit erfordern.

Was ist Demenz?

Weltweit leiden mehr als 50 Millionen Menschen an Demenz. Wir könnten also auch hier von einer Pandemie sprechen. Die meisten demenzerkrankten Menschen leiden an Alzheimer, doch es gibt auch viele andere Demenzerkrankungen. Da Alzheimer jedoch am häufigsten auftritt, erreicht diese Krankheit auch ganz besondere Aufmerksamkeit. Allerdings können auch verschiedenste andere Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen beobachtet werden.

Demenzkrankheiten beeinträchtigen verschiedene kognitive Kapazitäten, wobei das Gedächtnis ganz besonders leidet. Demenzerkrankte Menschen verlieren die Fähigkeit, komplexe Aufgaben durchzuführen, verwechseln Zeit und Raum und sind nicht mehr fähig, alltägliche Aufgaben alleine zu bewältigen. Die Krankheit wirkt sich auch auf ihre Sprachfähigkeiten aus.

Es gibt verschiedene Theorien, die versuchen, die Ursachen für Alzheimer zu erklären, doch diese sind wissenschaftlich noch nicht zur Gänze geklärt. Eine mögliche Ursache sind zum Beispiel vaskuläre Krankheiten, welche die Durchblutung eines Gehirnbereiches stören.

Darüber hinaus kann auch die fortschreitende Degeneration zum Tod der Nervenzellen führen und Demenz auslösen. Das Gehirn verliert dadurch allmählich seine kognitiven Fähigkeiten, wobei durch die Alterung sehr häufig der Frontallappen und die Temporallappen betroffen sind.

demenzerkrankte Menschen brauchen Unterstützung
Demenz hat verschiedene Ursachen, die häufigste davon ist die Erkrankung mit Alzheimer.

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Warum sind demenzerkrankte Menschen anfälliger für Covid-19?

In einem an die Zeitschrift The Lancet gerichteten Brief drückten verschiedene Autoren ihre Sorgen darüber aus, dass demenzerkrankte Menschen gefährdeter sind, an Covid-19 zu erkranken, ohne jedoch entsprechende Unterstützung zu erhalten.

Die Autoren erinnern daran, dass Patienten mit Demenz nur einen begrenzten Zugang zu Information über die Corona-Pandemie haben. Deshalb ist es normal, dass sie Aktivitäten ausführen, die ein Infektionsrisiko darstellen.

Noch komplexer wird dies, wenn der Patient alleine lebt oder sich obligatorisch in Quarantäne befindet. Wenn Betroffene in dieser Situation keine entsprechende Unterstützung erhalten, kann sich auch ihr Gesundheitszustand verschlechtern, da sie vielleicht keine Möglichkeit haben, sich zu versorgen.

Doch demenzerkrankte Menschen können auch dann anfälliger für Covid-19 sein, wenn sie in einer spezialisierten Einrichtung leben, ohne isoliert zu sein. In diesen Zentren sind Familienbesuche nur eingeschränkt zugelassen, was sich negativ auf ihren Gemütszustand auswirkt und zu Depressionen führen kann.

demenzerkrankte Menschen mit Coronavirus
Menschen über 65 sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken. Auch demenzerkrankte Menschen gehören zur Risikogruppe. 

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Wie kann man Patienten mit Demenz helfen?

Die Autoren des Briefes, der in The Lancet veröffentlicht wurde, weisen nicht nur auf dieses Problem hin, sie empfehlen auch verschiedene Maßnahmen, die bereits in China am Beginn der Corona-Krise umgesetzt wurden. Die gute Handhabung dieses Problems in China könnte als Beispiel dienen.

In China erstellten verschiedene Organisationen, die demenzerkrankten Menschen helfen, gemeinsam einen Leitfaden. Damit wurden das Pflegepersonal und die Familien der Patienten über spezifische Maßnahmen informiert.

Dieselben Organisationen standen auch kostenlos für die Ausbildung der Pfleger zur Verfügung. Gleichzeitig wurden Telefonhotlines eingerichtet, um Zweifel über die mentale Gesundheit, Stress während der Quarantäne und die Einnahme von Psychopharmaka auszuräumen.

Demenzerkrankte Menschen können zwar verletzlich sein, doch wir können ihnen helfen

Die gesellschaftliche Verantwortung ist während dieser Pandemie besonders wichtig. Sowohl das Gesundheitspersonal, als auch die Familie der Demenzpatienten und alle anderen Mitmenschen müssen Engagement zeigen, um Menschen in der Risikogruppe zu helfen. 

Demenzerkrankte Menschen sind zwar gefährdeter, an Covid-19 zu erkranken, doch wir können soziale Netze bilden, um ihnen zu helfen. Wir können damit verhindern, dass diese Menschen zusätzlich zu ihrem Leid noch weitere Schwierigkeiten ertragen müssen. 

  • Alzheimer’s Disease International. „World Alzheimer Report 2019: Attitudes to dementia.“ (2019).
  • Jiloha, R. C. „COVID-19 and Mental Health.“ Epidemiology International (E-ISSN: 2455-7048) 5.1 (2020): 7-9.
  • Wang, Huali, et al. „Dementia care during COVID-19.“ The Lancet (2020).
  • Ho, C. S., C. Y. Chee, and R. C. Ho. „Mental Health Strategies to Combat the Psychological Impact of COVID-19 Beyond Paranoia and Panic.“ Annals of the Academy of Medicine, Singapore 49.1 (2020): 1.