Manchmal muss man sich verlieren, um sich selbst zu finden

· 10 Juli, 2016
Sich in Gedanken zu verlieren, um Ideen zu ordnen, ist ganz normal. Auf diese Weise kannst du der Realität für einige Augenblicke entfliehen und danach gestärkt zurückkehren

Manchmal ist die einfachste Form, sich selbst zu finden, wenn man sich zunächst verliert. Wenn man sich von Fesseln, erstickenden Umgebungen und Druck befreit, die für Stress und Anspannung sorgen.

Sich zu verlieren bedeutet nicht, vom Lebenskurs abzukommen. Es geht vielmehr darum, die Ursachen für das Gefühl des Verlorenseins zu entdecken, und sich einzugestehen, warum man nicht besser auf sich selbst geachtet hat.

Einem spannenden Artikel der Zeitschrift Psychology Today zufolge, braucht dein Gehirn in regelmäßigen Abständen sogenannte „Hirnferien“. Das ist ein sehr interessantes Konzept und du solltest lernen, es regelmäßig zu praktizieren.

Um dich selbst zu finden, musst du aber nicht gleich große Veränderungen vornehmen. Die Schlüsselfaktoren sind ganz simpel: Bringe ein wenig Abstand zwischen dich und all die Dinge, die dich im Alltag umgeben.

Auf diese Weise schaffst du Gelegenheit, neue Dinge zu entdecken und inspirierende Umgebungen zu erkunden, in welchen du mehr über dich selbst erfahren und zu deinen Ursprüngen zurück kehren kannst.

Traust du dich?

Über den Mut, sich zu verlieren, und den Genuss, sich selbst zu finden

Es gibt Menschen, die sich im Leben noch nie verloren haben. Das ist jedoch ungesund und wenig bereichernd. Ein Lebensweg verläuft niemals in einer geraden Linie, die uns direkt zu einem konkreten Ziel und Zufriedenheit führt.

Lesetipp: Einzigartige Menschen machen das Leben amüsanter

Wir Menschen tendieren dazu, auf Pfaden zu wandeln, an Kreuzungen zu zögern, Umwege zu machen und manchmal weniger geeignete Wege einzuschlagen.

Manchmal findest du dich vielleicht sogar in einem Labyrinth wieder und irrst herum, bis du am Ende Zufriedenheit, Gleichgewicht und Freude findest.

Es ist ganz normal sich öfters zu verlieren, um sich anschließend wieder zu finden.

Dies ist eine sehr wertvolle Lehrzeit und du solltest keine Angst vor Veränderungen haben, denn manchmal öffnen sich hier neue Türen, hinter denen mehr persönliche Integration wartet.

Mehr Reife geht einher mit mehr Gleichgewicht.

Sich selbst zu finden, bedeutet ins Gleichgewicht zu kommen

Wenn deine aktuelle Situation dich von deiner wahren Identität entfernt

Du weißt wahrscheinlich sehr genau, was du für Werte hast. Und du weißt auch, wo deine Grenzen liegen und welche Prinzipien, Notwendigkeiten und Ziele dir wichtig sind.

Trotzdem passiert es manchmal, dass sich diese Dimensionen auflösen, ähnlich wie Felsen im Meer, die ganz langsam vom Wasser abgetragen werden.

  • Am Ende erscheint es plötzlich unmöglich deine Originalversion oder deine Essenz wieder zu erkennen. Mit deinem Selbstbewusstsein und deiner Persönlichkeit kann dasselbe geschehen.
  • Oft empfinden wir bei der Arbeit oder im Privatleben Druck, Manipulation oder sogar emotionale Erpressung. Das kann dazu führen, dass du deine Identität schrittweise aus den Augen verlierst.
  • Wenn du diese interne Dissonanz bemerkst zwischen dem, wie du einmal warst und wie du jetzt bist, wird dir das mit Sicherheit die Augen öffnen und du kannst verstehen, dass solche Situationen durchaus gefährlich werden können.

Leseempfehlung: Versöhne dich mit der Einsamkeit

Es ist klar, dass niemand immer alles tun kann, was er möchte. Wir alle haben Verpflichtungen zu erfüllen, Ziele zu erreichen und Menschen, um die wir uns kümmern wollen.

Der Schlüssel liegt jedoch im Gleichgewicht und im Wissen, welche Dinge dir Spaß machen und dir gut tun.

Um dich selbst zu finden, musst du neue Wege gehen

Sich verlieren, um abzuschalten und zu reflektieren

Es gibt einen Aspekt, den du unbedingt beachten solltest. Menschen, die über einen längeren Zeitraum unter Stress leiden oder ein hohes Maß an Anspannung erleben, sind anfälliger für folgende Krankheiten:

  • Das Gehirn kann ein so hohes Stressniveau nicht ertragen. Hydrocortison und Neurotransmitter wie Adrenalin können zu Gedächtnis- und Realitätsverlust führen.
  • Zum Beispiel wenn wir in einen Bus einsteigen und dann plötzlich nicht mehr wissen, warum wir uns im Bus befinden. Dieser Effekt kann mehrere Stunden anhalten und dient dem Gehirn, ein wenig Ruhe zu finden.
  • Der Geist zwingt dich quasi, einen Gang langsamer zu fahren und abzuschalten.

Es ist jedoch wesentlich besser, selbst auf natürliche und integrative Weise für Pausen zu sorgen, bevor das Gehirn dies auf traumatische Art und Weise tut, indem es das Gedächtnis verwischt und Filmrisse produziert.

Auf gesunde Weise abschalten

Es ist nicht notwendig, ein Flugticket zu kaufen, um zum erstbesten Ziel am Horizont zu fliegen. Du musst dich auch nicht von der Welt isolieren, um alle Brücken hinter dir niederzubrennen.

Um dich selbst zu finden, solltest du einfach abschalten

  • Sich zu verlieren, um sich zu finden, erfordert ein wenig Vorbereitung. Schließlich willst du ja nicht fliehen sondern nur ein bisschen Abstand, um gesund zu bleiben und dich selbst zu finden. Ein Rückflugticket ist also keine schlechte Idee.
  • Wenn du dich verlieren möchtest, solltest du deinem Umfeld erklären, warum du das tust und weshalb es nötig ist. „Ich möchte ein Wochenende für mich alleine haben, um mich zu entspannen, nachzudenken und einige Entscheidungen zu treffen“ könnte eine gute Erklärung sein.
  • Ob alle Menschen in deinem Umfeld das verstehen, ist schließlich ihr Problem. Es geht darum Prioritäten zu setzen und dir Zeit für dich selbst zu nehmen. Oft vernachlässigen oder vergessen das.

Du solltest dich verlieren, um stärker zurück zu kehren. So hältst du die Zügel deines Lebens souverän und sicher in der Hand.

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