Koschere Ernährung: Herkunft und Durchführung

Weißt du, was man unter koscherer Ernährung versteht? Es ist ein komplexes System, das von gläubigen Juden befolgt wird. In diesem Artikel erklären wir dir, was es mit der koscheren Ernährung auf sich hat, wie man danach lebt und welche Regeln dabei befolgt werden müssen. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren!
Koschere Ernährung: Herkunft und Durchführung

Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2021

Mit koscherer Ernährung ist kein spezieller Kochstil gemeint. Darüber geht diese Ernährungsweise weit hinaus, denn sie ist fest verwurzelt in den traditionellen jüdischen Speisevorschriften, auch Kaschrut genannt. Nicht alle Juden halten sich daran, aber für diejenigen, die diese Vorschriften befolgen, ist die koschere Ernährung eine Möglichkeit der Gottesverehrung. Durch die Art, wie sie essen, verbinden sich gläubige Juden mit ihrem Glauben und ihrer Gemeinschaft.

Das Wort “koscher” leitet sich von der hebräischen Wurzel kāšēr ab, was “recht”, “rein”, “tauglich” oder “zum Verzehr geeignet” bedeutet. Die Grundregeln dieser Ernährung stammen aus biblischen Zeiten. Es werden dabei nur Lebensmittel verwendet, die den Vorschriften entsprechen und daher als koscher, also erlaubt, gelten. Die Lebensmittel, die den Vorschriften nicht entsprechen, werden treife oder unrein genannt.

Möchtest du mehr über koschere Ernährung erfahren?

Obwohl die Vorschriften für eine koschere Ernährung sehr umfangreich und komplex sind, werden wir sie uns einmal genauer anschauen. Wir sagen dir auch, für wen sie anwendbar ist.

Was ist die Grundlage der koscheren Ernährung?

Die jüdischen Speisevorschriften, die Kaschrut, finden sich in der Tora, also in den fünf Büchern Mose. David Kraemer, Professor für Talmud und Rabbinische Studien am Jewish Theological Seminary of America, sagt darüber folgendes: Die Anweisungen für die praktische Anwendung dieser Regeln wurden bei den Juden in mündlicher Tradition weitergegeben.

So wurde insbesondere festgelegt, welche Lebensmittel eine Person essen darf oder nicht und wie sie vor dem Verzehr hergestellt, verarbeitet und behandelt werden müssen. In der Kaschrut steht auch, welche Kombinationen von Lebensmitteln man meiden sollte. Gesetzestreue Juden sind davon überzeugt, dass sie Gottes Willen erfüllen, wenn sie die koschere Ernährung einhalten.

Die koschere Ernährung wird in drei Kategorien eingeteilt:

  • Fleisch und Geflügel
  • Milch und Milchprodukte
  • Neutrale Lebensmittel, genannt parve, wozu Fisch, Eier und pflanzliche Produkte gehören

Dabei ist eine der wichtigsten Regeln der koscheren Ernährung, dass man Fleisch und Milchprodukte räumlich und zeitlich niemals miteinander kombinieren darf. Daher werden Fleisch und Milchprodukte jeweils in unterschiedlichem Kochgeschirr zubereitet. Auch sollten die jeweiligen Utensilien nicht im selben Abwaschwasser landen.

Wenn Fleisch verzehrt wurde, warten die Esser mit den Milchprodukten bis zur nächsten Mahlzeit und umgekehrt. Die als parve bezeichneten Lebensmittel können mit jeder dieser zwei Optionen kombiniert werden.

Geflügelprodukte bei der koscheren Ernährung
Die koschere Ernährung folgt strengen Regeln, die ihre Wurzeln in den 5 Büchern Mose haben.

Welche Lebensmittel sollten bei einer koscheren Ernährung vermieden werden?

Die koschere Ernährung gilt als eine der strengsten Ernährungsweisen und umfasst daher viele Einschränkungen. Hier führen wir einige Lebensmittel auf, die im Rahmen einer koscheren Ernährung nicht erlaubt sind:

  • Tiere, die keine gespaltenen Hufe haben und nicht wiederkäuen. Darum sind zum Beispiel Schweine, Kaninchen, Hasen, Eichhörnchen, Katzen, Hunde, Kamele, Kängurus und Pferde verboten.
  • Fische und Schalentiere, die keine Flossen oder Schuppen haben. So sind beispielsweise Krabben, Garnelen, Tintenfische, Krebse, Austern und Hummer nicht erlaubt. Aber auch Wale, Haie, Schwertfische und Delfine nicht.
  • Raubvögel. Eulen, Falken, Möwen, Geier, Adler, Strauße und Fasane sind ebenfalls verboten.
  • Das Hinterviertel von zugelassenen Wiederkäuern ist nicht erlaubt. Dazu gehören Stücke aus der Flanke, kurze Lendenstücke, Keulen und Filetstücke.
  • Insekten außer Heuschrecken gelten nicht als koscher, darum sollte Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich untersucht und sorgfältig gewaschen werden.
  • Weiterhin nicht erlaubt ist der Unschlitt, also das Fett um die lebenswichtigen Organe von Rindern, Schafen und Ziegen, sowie die Hüftsehne im Oberschenkel von Tieren, die als koscher gelten.

Koschere Ernährung: Welche Lebensmittel sind erlaubt?

Lebensmittel, die den Regeln der Kaschrut entsprechen, gelten als koscher. Im Folgenden sind die Lebensmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs aufgeführt, die im Rahmen dieser Ernährungsweise erlaubt sind.

Fleischig (basari)

Damit es als koscheres Lebensmittel gelten kann, muss Fleisch bestimmte Eigenschaften aufweisen. Dies erstreckt sich von der Tierart über die Schlachtung bis hin zur Zubereitung. In diesem Zusammenhang bezieht sich essbares Fleisch auf das Fleisch bestimmter Säugetiere und Vögel oder deren Derivate wie Brühe, Soßen oder Knochen.

Folgende Kriterien müssen laut der Experten der Land-, Agrar- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland (DLG) erfüllt sein:

  • Es muss sich um Tiere mit zweigespaltenen Hufen handeln wie Kühe, Ochsen, Ziegen, Schafe, Lämmer und Hirsche.
  • Von diesen Wiederkäuern darf man nur die Vorderviertel verzehren.
  • Domestizierte Vögel wie Enten, Gänse, Wachteln, Tauben, Truthähne und Hühner darf man ebenfalls essen.
  • Die Tiere müssen im Rahmen einer rituellen Schächtung geschlachtet werden, die man auf Hebräisch schechita nennt. Diese Schlachtung muss von einem nach jüdischem Recht ausgebildeten und zertifizierten Schächter, dem schochet, durchgeführt werden.
  • Das Fleisch muss man vor der Zubereitung einweichen, salzen und spülen, um alles Blut, das am Fleisch haftet, möglichst umfassend zu entfernen.
  • Alle Utensilien müssen koscher sein, das heißt, sie dürfen ausschließlich mit Fleisch und Fleischerzeugnissen in Berührung kommen.

Milchig (chalawi)

Milch, Butter, Joghurt und Käse müssen den ausdrücklichen Regeln der Kaschrut entsprechen, um als koscher zu gelten. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Das Tier, das die Milch liefert, die verarbeitet wird, muss zu den koscheren Tieren zählen.
  • Milch und Milchprodukte dürfen nicht mit Fleisch oder Fleischerzeugnissen vermischt werden. So darf beispielsweise Gelatine, die aus tierischem, denaturiertem Kollagen gewonnen wird, nicht zusammen mit Milchprodukten verwendet werden. Genauso gilt das für Lab, ein Enzym-Gemisch, das bei der Herstellung von Hartkäse verwendet wird und das aus dem Labmagen junger Wiederkäuer stammt.
  • Die Küchengeräte, die man zur Zubereitung und zum Verzehr benutzt, sollten ausschließlich für Milch- und Milchprodukte verwendet werden.
Milch und Milchprodukte bei der koscheren Ernährung
Eine wichtige Regel bei der koscheren Ernährung ist, dass Fleisch und Milch nicht zusammen gegessen werden dürfen.

Neutral (parve)

Für Fisch und Eier gelten eigene Regeln, allerdings gehören beide zur gleichen Gruppe, die als “neutral” oder parve bezeichnet wird, weil sie beide keinen Fleisch- oder Milchanteil aufweisen.

Damit sie als koscher gelten, müssen Fische Flossen und Schuppen haben, so zum Beispiel Lachs, Makrele, Tunfisch oder Heilbutt. Für die Zubereitung dieser Tiere sind keine Utensilien erforderlich, die ausschließlich für sie bestimmt sind. Man kann Fisch sogar gleichzeitig mit Fleisch oder Milchprodukten essen.

Eier können von Geflügel oder aus koscherem Fisch stammen, es dürfen sich aber keine Spuren von Blut darin finden. Deshalb müssen aufgeschlagene Eier gründlich untersucht werden. Eier dürfen gleichermaßen mit Fleisch oder Milchprodukten gegessen werden.

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Getreide und Getreide-Erzeugnisse bei koscherer Ernährung

Damit Getreide und Getreide-Erzeugnisse als koscher gelten, müssen die Zutaten als auch die Geräte, mit denen man sie verarbeitet, koscher sein. Wenn man zum Beispiel Backformen oder anderes Kochgeschirr mit tierischen Fetten einfettet oder Getreide in Töpfen zubereitet, das auch für Fleisch oder Milchprodukte verwendet wird, dann gilt dieses Getreide-Erzeugnis nicht mehr als koscher.

Bereitet man Brot mit tierischem Schmalz statt mit Öl oder Pflanzenfett zu, ist es ebenfalls kein koscheres Produkt mehr. Wenn die Herstellungsmethode nicht auf dem Etikett der Ware angegeben ist, wird eine Zertifizierung erforderlich.

Koschere Ernährung

Koschere Ernährung: Obst und Gemüse

Obst und Gemüse als der Natur entnommene Lebensmittel gelten als koscher. Da sie aber in der Region ihrer Erzeugung von bestimmten Insekten oder Larven befallen werden können, müssen Obst und Gemüse vor dem Verkauf oder Verzehr gründlich untersucht werden.

In den Fällen, in denen Obst- und Gemüseerzeugnisse mit nicht koscheren Geräten verarbeitet werden oder in Geräte gegeben werden, in denen auch Milch- und Fleischprodukte hergestellt wurden, gelten sie nicht mehr als koscher.

Nüsse, Samen und Öle

Es kann zur Kreuz-Kontamination führen, wenn Nüsse, Samen und Öle in Kontakt mit Geräten kommen, in denen Milch- und Fleischerzeugnisse verarbeitet wurden. Dann gelten Nüsse, Samen und Öle nicht mehr als koscher.

Wie die Autoren Frank Pudel und Sebastian Wiesen in ihrem englischsprachigen Buch mit dem Titel “Vegetable Oil-Biorefinery” festgestellt haben, gelten Öle zum Teil als industriell verarbeitete Lebensmittel. Denn man muss zuerst einige schädlichen Inhaltsstoffe entfernen, bevor die Öle als genießbar gelten.

Als koscher gelten Lebensmittel nur, wenn man jeden einzelnen Schritt der Herstellung überwacht. So kann man die Einhaltung der Lebensmittelvorschriften sicherstellen.

Wein und die koschere Ernährung

Wie wir in den letzten Kapiteln mehrfach erwähnten, müssen auch die Geräte für die Weinherstellung koscher sein. Dies gilt natürlich auch für die Zutaten. Wein ist eines der Produkte, für das die höchsten Anforderungen gelten, da Wein Teil vieler Rituale in der jüdischen Religion ist.

Dabei ist zu beachten, dass der gesamte Herstellungsprozess von koscherem Wein von gläubigen Juden entwickelt und beaufsichtigt wird. Wenn das nicht sichergestellt werden kann, wird der Wein nicht als koscher zugelassen.

Koscherer Wein.

Koschere Ernährung: Pessach ist das Fest der ungesäuerten Brote

Während des Pessachfestes gelten noch viele weitere Speisevorschriften für eine koschere Ernährung. Zum Beispiel besagt die Tradition, dass alle Produkte, die mit Sauerteig oder Hefe zubereitet werden, für das Pessach-Fest verboten sind. Lebensmittel aus den Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel, die gesäuert wurden, heißen Chametz. Auch dürfen sie nicht länger als 18 Minuten mit Wasser in Berührung gekommen sein.

Am Pessachfest ist nur ungesäuertes Brot, Matzen, erlaubt, das nicht als Chametz gilt.

Die Zertifizierung koscherer Lebensmittel

Die Lebensmittelverarbeitung ist heutzutage ein komplexer Prozess. Darum müssen Menschen, die die koschere Ernährungsweise befolgen, sicherstellen, dass ihr Essen den strengen Anforderungen der Lebensmittelvorschriften entspricht. Aus diesem Grund wurden Systeme zur Zertifizierung einiger Produkte eingeführt.

Die als koscher zertifizierten Produkte müssen ein Etikett auf der Verpackung tragen, auf dem dem Endverbraucher die Einhaltung aller Anforderungen bestätigt wird. Es gibt verschiedene Organisationen, die die Zertifizierung koscherer Lebensmittel vornehmen. Wenn Lebensmittel für Pessach zertifiziert sind, steht das auf einem seperaten Etikett als “koscher für Pessach”.

Dir ist in diesem Artikel wahrscheinlich klar geworden, dass die koschere Ernährungsweise sehr präzise und strenge Regeln hat. Viele Juden entscheiden sich dafür, die Vorschriften zu befolgen, um eine engere Verbindung zu ihrem religiösen Erbe herzustellen. Denn trotz aller Einschränkungen bietet die koschere Ernährung viel Abwechslung und ist in sich ausgewogen. Darüber hinaus bietet ein Zertifikat eine große Hilfe, um den Kauf koscherer Produkte einfacher zu gestalten.

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