Goldrute: Medizinische Anwendungen und Kontraindikationen

Die Goldrute ist eine Pflanze, die reich an Antioxidantien ist. Zudem hat sie eine entzündungshemmende und harntreibende Wirkung. Wie wird sie verwendet?
Goldrute: Medizinische Anwendungen und Kontraindikationen
Franciele Rohor de Souza

Geprüft und freigegeben von der Apothekerin Franciele Rohor de Souza.

Geschrieben von Daniela Echeverri Castro

Letzte Aktualisierung: 02. Januar 2023

Die Goldrute, auch Solidago canadensis oder Solidago virgaurea genannt, ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die auf der Iberischen Halbinsel und in Nordamerika verbreitet ist. Sie gehört zur Familie der Asteraceae und fällt durch ihre intensiv gelben Knospen auf, von denen sie ihren Namen hat.

Aufgrund ihrer pharmakologischen Zusammensetzung, die Flavonoide, Tannine, Saponine und organische Säuren enthält, wird sie regelmäßig zur Herstellung von pflanzlichen Ergänzungsmitteln verwendet. Manche Menschen bereiten die Goldrute sogar als Aufguss zu, um bestimmte Symptome und Beschwerden zu lindern. Was sind die wichtigsten Anwendungsgebiete und Kontraindikationen? Hier erfährst du es!

Zusammensetzung und Eigenschaften der Goldrute

Die vielen Vorteile der Goldrute sind auf ihren hohen Gehalt an verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen zurückzuführen. Wie eine Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Biomolecules zeigt, enthält die Pflanze vor allem die folgenden Stoffe:

  • Flavonoide (hauptsächlich Quercetin- und Kaempferolderivate)
  • C6-C3-Polyphenolsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure, Ferulasäure, Sinapinsäure, 3-Hydroxyphenylessigsäure, 3,4-Dihydroxyphenylessigsäure, Homovanillasäure)
  • Glykosidverbindungen
  • Ätherische Öle, die Monoterpene enthalten (Alpha- und Beta-Pinen, Myrcen, Limonen, Sabinen)
  • Saponinmoleküle (wie Virgaureasaponine und Solidagosaponine)

Diese Verbindungen werden mit einer Reihe von gesundheitlichen Wirkungen und Eigenschaften in Verbindung gebracht. Insbesondere wurde festgestellt, dass sie entzündungshemmend, antioxidativ, schmerzlindernd, krampflösend, blutdrucksenkend, harntreibend, antibakteriell und kardioprotektiv wirken. Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten medizinischen Anwendungen der Goldrute.

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Medizinische Anwendungen der Goldrute

In der traditionellen Medizin wird die Goldrute als Diuretikum und Hilfsmittel bei urologischen Erkrankungen eingesetzt. Außerdem kommt sie zur Vorbeugung von Infektionen und zur Linderung von Muskelbeschwerden zum Einsatz. Aber gibt es dafür Beweise? Lies weiter!

Goldrute - Pflanze in der Natur
Solidago canadensis oder Kanadische Goldrute

Natürliches Diuretikum

Die Goldrute wird als “natürliches Diuretikum” eingestuft. Diuretika sind Substanzen, die die Produktion von Urin anregen, um die Ausscheidung von zurückgehaltener Flüssigkeit im Körper zu erleichtern. Sie unterstützen somit die Behandlung von ödematösen Zuständen, Bluthochdruck und Nierenproblemen.

Eine Veröffentlichung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hebt das Potenzial der Goldrute als Hilfsmittel zur Erhöhung der Urinmenge und zur Verringerung der Beschwerden bei leichten Harnwegserkrankungen hervor.

Dies wird größtenteils durch den Gehalt an Saponinen erklärt, Substanzen, die die Durchblutung der Nieren erhöhen, was die glomeruläre Filtration und damit die Ausscheidung von Flüssigkeiten steigert.

Allerdings sind umfangreichere und aussagekräftigere Studien erforderlich, um diese Wirkung beim Menschen zu bewerten, da die meisten Tests an Tieren durchgeführt wurden.

Erkrankungen der Harnwege

In der Volksheilkunde kommt die Goldrute als Hilfsmittel zur Linderung von Erkrankungen der Harnwege zum Einsatz. Wie in einer Veröffentlichung der Western New York Urology Associates zusammengestellt, wird sie häufig bei Blasenentzündungen, Harnwegsreizungen und Nierensteinen eingesetzt.

Aufgrund ihrer harntreibenden Eigenschaften wird die Pflanze mit einem erhöhten Harnfluss, einer Verringerung von Gewebeentzündungen und der Kontrolle von Krämpfen in den Harnwegen in Verbindung gebracht. Allerdings gibt es dafür keine schlüssigen Beweise.

Wie im vorherigen Fall wurden die Studien hauptsächlich an Tieren durchgeführt. Daher gelten die Beweise als unzureichend, um die Anwendung bei diesen Erkrankungen zu unterstützen. In der Tat empfehlen Expert/innen sogar, die Goldrute nicht als Mittel der ersten Wahl einzusetzen.

Harnwegserkrankungen können ohne medizinische Behandlung häufig Komplikationen hervorrufen. Daher ist es wichtig, einen Arzt/eine Ärztin aufzusuchen und seinen/ihren Empfehlungen zu folgen.

Entzündungshemmende und krampflösende Wirkung der Goldrute

Die entzündungshemmenden und krampflösenden Eigenschaften der Goldrute werden oft als Hilfsmittel bei Muskelschmerzen, Arthritis und Asthma genutzt. Allerdings sind die vorliegenden Beweise unzureichend.

Tierversuche deuten darauf hin, dass Stoffe wie Triterpensaponine, Polyphenole und Tannine hinter diesen Wirkungen stecken. Dennoch ist bisher nicht erwiesen, dass es sich um eine wirksame und sichere Behandlung handelt.

Andere mögliche Anwendungen der Goldrute

Die meisten medizinischen Anwendungen der Goldrute basieren lediglich auf anekdotischen Beweisen. Daher empfiehlt sich eine vorsichtige Anwendung, vor allem, wenn bereits diagnostizierte Krankheiten oder besondere Bedingungen vorliegen.

Laut einer Veröffentlichung der US-amerikanischen Gesellschaft WebMD gibt es noch weitere Verwendungszwecke, für die es ebenfalls keine Belege gibt:

  • Diabetes
  • Hämorrhoiden
  • Arthritis und Gicht
  • Mundentzündungen
  • Ekzem (topische Anwendung)
  • Vergrößerung der Leber
  • Kleine Wunden (topische Anwendung)
  • Infektionen der Atemwege (z. B. Grippe und Erkältungen)
Goldrute - Person mit Arthritis.
Die Goldrute wird gerne als entzündungshemmendes Mittel gegen Arthritis eingesetzt. Allerdings sind die Beweise für diese Wirkung eher dürftig.

Risiken und Kontraindikationen der Goldrute

Derzeit gibt es nicht genügend zuverlässige Informationen, um sagen zu können, dass Goldrute und daraus gewonnene Ergänzungsmittel sicher sind. Dennoch treten in der Regel nur leichte Nebenwirkungen auf, wie Bauchschmerzen, Sodbrennen, Krämpfe und Übelkeit.

Bei manchen Menschen kann es zu allergischen Reaktionen auf den Verzehr oder die topische Anwendung dieser Pflanze kommen. In diesem Fall treten Schwellungen der Zunge und des Mundes, Hautreizungen und Atembeschwerden auf.

In diesen Fällen muss umgehend ein/e Arzt/Ärztin aufgesucht werden.

Aus Sicherheitsgründen ist die Pflanze in den folgenden Fällen kontraindiziert:

  • Herz- und Nierenkrankheiten
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kleine Kinder
  • Osteoporose
  • Diabetes

Darüber hinaus sollte keine gleichzeitige Einnahme von harntreibenden Mitteln, Medikamenten gegen Bluthochdruck oder Diabetes erfolgen. Das liegt daran, dass sie deren Wirkung übermäßig verstärken kann, was die Gesundheit gefährden würde.

Dosierung und Darreichungsformen der Goldrute

Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Goldrute – oder anderen Kräutern – ist es ratsam, einen Arzt/eine Ärztin zu konsultieren, um festzustellen, ob mit dem Verzehr irgendwelche Risiken verbunden sind. Die Pflanze ist in getrockneter Form, in Teebeuteln, Extrakten, Tinkturen und Kapseln erhältlich.

  • Aufguss: 3 bis 5 Gramm der Pflanze in kochendem Wasser, 2 bis 3 Mal am Tag.
  • Flüssigextrakt oder Tinktur: 0,5 bis 2 Milliliter, 2 oder 3 Mal am Tag.
  • Trockenextrakt: 350 bis 450 Milligramm, 3 Mal am Tag.
  • Mazeriert: 40 Gramm der trockenen Pflanze werden in 1 Liter kaltem Wasser eingeweicht. Nach 12 Stunden trägt man die Flüssigkeit topisch mit Kompressen auf.

Was sollte man über diese Pflanze wissen?

Die Goldrute ist ein pflanzliches Ergänzungsmittel, das in der traditionellen Medizin wegen seiner harntreibenden, entzündungshemmenden, antibakteriellen und antioxidativen Eigenschaften geschätzt wird. Sie hat eine lange Geschichte als Heilmittel für einige Erkrankungen der Harnwege. Ihre Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht bewiesen.

Bislang gibt es nur wenige Tier- und Laborstudien, die das Potenzial dieser Pflanze als Heilmittel bewerten. Daher sollte sie nicht als Ersatz für eine medizinische Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Für eine sichere Anwendung ist es ratsam, die Empfehlungen des Arztes/der Ärztin und des Herstellers des Nahrungsergänzungsmittels zu befolgen.

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