Die richtige Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen

16 Februar, 2021
Der Schlüssel zur richtigen Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen ist die Anpassung an die Symptome und Stadien des jeweiligen Patienten.

Unterernährung kommt häufig bei Menschen vor, die an Verdauungsproblemen leiden. Allerdings ist die richtige Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen der Schlüssel zur Reduzierung und Linderung der Symptome. Wir erzählen dir darüber alles, was du wissen musst.

Was sind entzündliche Darmerkrankungen?

Der Verdauungstrakt kann unter verschiedenen Beschwerden leiden, die den Gesundheitszustand beeinflussen. Eine davon ist beispielsweise die entzündliche Darmerkrankung (IBD). Dies ist ein Begriff für chronische Erkrankungen des Verdauungstraktes unbekannter Ursache, bei denen dann Entzündungen entstehen.

Die beiden häufigsten IBDs sind die chronische Colitis ulcerosa (CUC) und Morbus Crohn (CD). Es gibt auch noch eine dritte Erkrankung, die als indeterminierte Kolitis bekannt ist. Diese teilt Merkmale der beiden vorhergehenden und kann im weiteren Verlauf gelegentlich als die eine oder andere der beiden identifiziert werden.

Erkrankungen Darm

Was sind typische Eigenschaften von entzündlichen Darmerkrankungen?

Morbus Crohn

In diesem Fall kann jeder Teil des Gastrointestinaltrakts betroffen sein, die häufigsten Bereiche sind jedoch der distale Dünndarm und der aufsteigende Dickdarm. Verletzungen kommen dabei in bestimmten Bereichen vor und können alle Schichten der Darmwand schädigen.

Lies auch: Was ist Morbus Crohn?

Colitis ulcerosa

Diese Krankheit betrifft ausschließlich den Dick- und Mastdarm. Die Verletzungen treten fortlaufend auf und betreffen die Schleimhaut und die Bindegewebsschicht. Dabei wird die Funktion des Immunsystems des Verdauungstrakts verändert und somit eine anhaltende Entzündungsreaktion verursacht.

Welche Symptome können auftreten?

Die häufigsten Symptome bei beiden Krankheiten sind starke Koliken und chronisch blutiger Durchfall. Dabei kommt es dann zu Gewichtsverlust, Unterernährung, Fieber sowie Haut- und Gelenkverletzungen.

Richtige Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen

Verletzungen in der Darmschleimhaut verursachen mehrere damit verbundene Ernährungsprobleme, wie beispielsweise:

  • Anorexie
  • Ödeme
  • Anämie
  • Dehydrierung
  • Verlust von Proteinen und Vitaminen
  • Veränderung sowie Ungleichgewicht des Mineralienhaushalts (Zink, Eisen, Magnesium, Kalzium und Selen)

Ursachen der Unterernährung

Unterernährung wird durch mehrere Faktoren verursacht, wie beispielsweise:

  • Verminderte Nahrungsaufnahme
  • Durch die Krankheit selbst, die Schmerzen, Durchfall und Erbrechen erzeugt
  • Ausschluss von bestimmten Lebensmitteln
  • Erhöhter Bedarf durch Fieber, Stress und Eiweißverlust
  • Malabsorption von Nährstoffen
  • Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Nährstoffen. Nach Angaben der Spanischen Stiftung für das Verdauungssystem werden zur Behandlung dieser Erkrankungen entzündungshemmende Medikamente, Kortikosteroide, Immunsuppressiva und Antibiotika eingesetzt.

Wie sollte die richtige Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen aussehen?

Man muss bedenken, dass IBD Phasen hat, in denen die Symptome schwächer sind und Phasen, in denen akute Symptome häufiger auftreten. Daher sollte die Ernährung immer auf die Phase des Lebens abgestimmt sein, in der wir uns aktuell befinden. Sofern keine Symptome vorhanden sind, muss der gesunde Ernährungsplan keine unnötigen Einschränkungen beinhalten.

In akuten Phasen sollte die Ernährung an den Nährstoffbedarf angepasst werden. Dabei ist es wichtig, mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen, ausreichend Wasser zu trinken und extreme Kälte zu vermeiden.

Eine Ernährung, die wenig kurzkettige Kohlenhydrate oder FODMAP enthält, ist bei der Behandlung von Vorteil. Die Ernährung sollte dann folgende Anteile enthalten:

  • 50 % bis 60 % Kalorien in Kohlenhydraten
  • 15 bis 20 % Eiweiß
  • 25 bis 30 % Fette (bei Durchfall einschränken)

Wir dürfen nicht vergessen, dass sich in einigen Fällen eine schwere Unterernährung mit Darmkompromiss entwickeln kann. Dann besteht die Möglichkeit der parenteralen oder zentralen Ernährung.

Richtige Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen

Lebensmittel, die wir bei akuten Symptomen vermeiden sollten

Wenn wir uns in einer Phase mit akuten Symptomen befinden, sollten alle Lebensmittel vermieden werden, die Blähungen erzeugen und Beschwerden verursachen könnten. Diese sind beispielsweise:

  • Hülsenfrüchte und Getreide
  • Milchprodukte, hauptsächlich Milch
  • Kartoffeln, Süßkartoffeln, Mais, Maniok, Knoblauch, Zwiebeln, Kohl
  • Harte und würzige Käsesorten
  • Frische und getrocknete Früchte
  • Honig, Zucker, Bonbons, Sirup und Marmeladen, die mit bestimmten Süßungsmitteln wie Xylit oder Sorbit gesüßt sind
  • Verarbeitete Fleisch- und Wurstwaren sowie Derivate
  • Alkoholische Getränke, Limonaden, fermentierte Getränke und Kaffee
  • pikante oder stark gewürzte Speisen

Außerdem sollte geprüft werden, ob ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel besteht. In diesen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel von Vorteil sein.

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Die richtige Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen, wenn keine akuten Symptome vorhanden sind

Für alle oben genannten Fälle gilt: Wenn die Symptome verschwinden, ist es wichtig, die eingeschränkten Lebensmittel schrittweise wieder einzuführen. Beginne dann im Allgemeinen mit folgenden:

  • Gekochtes Gemüse, das lösliche Ballaststoffe enthält, wie beispielsweise: Kürbis, Karotten, Rote Bete, Zucchini
  • Gedämpfte oder gebackene Früchte, wie zum Beispiel: Apfel, reife Banane, Aprikose, Pfirsich, Birne
  • Raffiniertes Getreide und Derivate
  • Fettarme Fleischsorten, wie beispielsweise Fisch und Huhn

Man muss bedenken, dass der Fortschritt durch die Ernährungsumstellung mehrere Wochen dauern kann und individuell vom jeweiligen Patienten abhängt. Die Dauer zwischen der einen und der anderen Phase hängt von den Symptomen des Patienten ab. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Schlüssel zur richtigen Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen darin liegt, sie an die Symptome und Phasen des jeweiligen Patienten anzupassen.

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