Angststörungen und Schmerzen: Wie hängen sie zusammen?

3 Dezember, 2019
Mehrere Studien zeigen, dass körperliche Schmerzen und Angststörungen oft zusammen auftreten. Daran lässt sich erkennen, dass Körper und Geist nicht zwei voneinander getrennte Dinge sind. Sondern dass sie sich gegenseitig beeinflussen. Auch wenn dieser Umstand manchmal unbemerkt bleibt.

Körperliche Schmerzen und Angststörungen sind Symptome, die oft Hand in Hand gehen. Laut einem Bericht, den die US-amerikanische psychiatrische Gesellschaft American Psychiatric Association auf ihrem 161. Kongress vorgelegt hat, leiden 60 % der Patienten mit Angststörungen auch an körperlichen Schmerzen. Darüber hinaus haben 80 % dieser Fälle auch eine Depression.

In einer weiteren Studie, die von spanischen Ärzten durchgeführt und in der Fachzeitschrift Journal of Affective Disorders veröffentlicht wurde, heißt es: 78 % der an psychischen Problemen leidenden Menschen entwickeln auch organische Symptome. Und das schließt körperliche Schmerzen mit ein.

Diese Zahlen sind sehr offensichtlich. Und trotzdem schätzt man, dass in 60 % der Konsultationen die Ärzte keinen Zusammenhang zwischen körperlichen Schmerzen und Angststörungen herstellen. Denn immer noch herrscht ein Ansatz vor, bei dem körperliche und geistige Symptome getrennt betrachtet und behandelt werden.

Angststörungen: Ein weit verbreitetes Problem

Frau mit Angststörungen

Angststörungen sind zu einem sehr häufigen Problem in der Bevölkerung geworden. Obwohl es sich um eine emotionale Störung handelt, hängt sie auch mit körperlichen Symptomen zusammen.

Angst ist ein recht unangenehmer Zustand und praktisch alle Menschen erleben ihn zumindest vorübergehend irgendwann in ihrem Leben. Dabei handelt es sich um eine Reaktion auf bestimmte Reize. Diese werden als bedrohlich empfunden. Manchmal sind diese Reize ganz reale Gefahren. Aber manchmal sind es auch nur als solche wahrgenommene oder eingebildete Bedrohungen.

Auch zu viele gleichzeitige Reize führen zu Angstzuständen. Deshalb nimmt man an, dass das Leben in Großstädten ein hohes Potenzial hat, Angststörungen in ihren Bewohnern zu erzeugen. Denn diese Umgebung bringt es mit sich, dass man sich quasi ständig in Alarmbereitschaft befindet. Das erzeugt auf Dauer Stress und führt letztlich zu Angststörungen.

Bei Angststörungen liegt eine diffuse und unspezifische Furcht vor. Und diese führt dazu, dass die betreffenden Personen ein defensives Verhalten entwickeln. Dabei treten auch organische Veränderungen auf. So kommt es z.B. zu erhöhter Herzfrequenz, verstärktem Schwitzen und schnellerer Atmung. Ganz offensichtlich tragen diese körperlichen Veränderungen mit der Zeit dazu bei, die Funktionen des Organismus zu beeinträchtigen.

Ein Lesetipp: Möglichkeiten, Angstzustände zu kontrollieren

Eine Untersuchung zu körperlichen Schmerzen und Angststörungen

In Spanien führte man eine Studie durch, die 1.317 Patienten in 80 Gesundheitszentren umfasste. Ein Teil der Ergebnisse wurde vom Allgemeinen Rat für Psychologie Spaniens Consejo General de Psicología de España veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass bei 981 der Patienten und Patientinnen ein gewisses Maß an Angst vorlag.

Man stellte fest, dass 59 % der Patienten mit Angstzuständen zugleich auch körperliche Schmerzen hatten. Klar zeigt sich hier, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Angst und körperlichen Schmerzen gibt. Aber darüber hinaus stieg der Prozentsatz noch um 19 %, wenn auch Depressionen vorlagen. Dabei ist besorgniserregend, dass von allen Betroffenen nur 17 % wegen ihrer psychischen Probleme eine Behandlung erhalten haben.

Viele Patienten leiden an körperlichen Schmerzen. Doch kann man für diese keine organische Erklärung finden. Schließlich wird dieser Schmerz bei einigen Menschen zur Ausdrucksweise für ihr emotionales Leiden. Jedoch geben nicht alle Ärzte diesen Zusammenhang zu oder erkennen ihn an.

Körperliche Schmerzen und Angstzustände

Frau mit Nackenschmerzen sitzt auf dem Bett

Angst kann zu Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und anderen körperlichen Problemen führen. Jedoch sollte diese stets ein Arzt oder eine Ärztin untersuchen und einschätzen.

Häufig leiden Menschen mit Angstzuständen vor allem an Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Magenbeschwerden oder auch Brustschmerzen. Im Folgenden findest du die verschiedenen Gründe dafür:

  • Muskelschmerzen. Angst führt zu einer Anspannung der Muskeln. Bleibt diese mehr oder weniger konstant, kommt es zu Muskelschmerzen, Überlastung und Verkrampfung. Dabei konzentrieren sich die Schmerzen meist auf den Bereich des Rückens und des Nackens.
  • Kopfschmerzen. Hier wird der Schmerz als eine Art Helm wahrgenommen, der den ganzen Kopf bedeckt und Druck auf ihn ausübt. Auch ist es üblich, ein Kribbeln oder ein stechendes Gefühl im Schädel zu verspüren. Diese Art Kopfschmerzen nennt man Spannungskopfschmerz. Er wird durch die Kontraktion der Muskeln der Kopfhaut sowie des Halses verursacht.
  • Magenbeschwerden und Bauchschmerzen. Unruhige Atmung kann Blähungen hervorrufen. Auch nervöse Zustände haben Einfluss auf die Verdauung. Bei vielen Menschen mit Angststörungen kommt es zu stechenden Schmerzen im Magen.
  • Brustschmerzen. Außerdem spüren die Betroffenen häufig stechende Schmerzen im Brustkorb. Und dieses Gefühl führt zu großer Verunsicherung. Daher kann dieser Umstand die Angstgefühle noch steigern. Doch handelt es sich um ein Problem im Zusammenhang mit den Muskeln und hat nichts mit dem Herzen zu tun.

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Was kannst du tun?

Das Wichtigste ist, eine Sache zuzugeben: Nämlich, dass alle Menschen auf die eine oder andere Weise Angstgefühlen ausgesetzt sind. Daher solltest du versuchen, einen Lebensstil zu führen, der es dir ermöglicht, Raum für Entspannung und Erholung zu finden. Dies gilt umso mehr, wenn du sowohl unter körperlichen Schmerzen als auch Ängsten leidest.

Was kannst du also tun? Eines der wirksamsten Mittel ist körperliche Betätigung. Denn sie hilft dir, das Gleichgewicht der Emotionen wiederherzustellen. Dabei reicht eine kleine Übungsroutine mit 15 Minuten pro Tag normalerweise schon aus, damit du dich besser fühlst. Wenn du diese mit einer Entspannungsübung kombinierst, umso besser.

In Fällen, in denen die Angst übermäßig groß ist, ist es am besten, einen Spezialisten für psychische Gesundheit aufzusuchen. Denn es gibt viele Therapien und Techniken, die dir helfen können, einen richtigen Umgang mit deinen Emotionen zu finden.

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