Wie sich orale Infektionen auf das Herz auswirken können

Im Mund gibt es eine Vielzahl nützlicher Mikroorganismen, aber wenn du keine angemessene Zahnhygiene betreibst, können orale Infektionen auftreten. Darüber hinaus können sich orale Infektionen über den oral-kardialen Weg auf das Herz auswirken. In diesem Artikel erfährst du mehr.
Wie sich orale Infektionen auf das Herz auswirken können

Letzte Aktualisierung: 07. September 2021

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als gäbe es keinen Zusammenhang zwischen dem Mund und dem Herzen, gibt es über den Blutkreislauf eine direkte Verbindung zwischen beiden. Deshalb wissen wir, dass orale Infektionen das Herz beeinträchtigen und infolgedessen auch Herz-Kreislauf-Probleme verursachen können.

Das ist eine Warnung für die allgemeine Bevölkerung, aber insbesondere für Patienten mit einer Vorgeschichte in Bezug auf  Herzerkrankungen. Denn bei diesen Menschen besteht ein erhöhtes Risiko. Ein Teil der Rückfallprävention ist eine angemessene Mundhygiene.

Mundgesundheit und Herzgesundheit gehen Hand in Hand

Der Mund beherbergt eine enorme Vielfalt an Mikroorganismen, die die orale Mikrobiota bilden, wie zum Beispiel die Viridans-Streptokokken. Diese Bakterien sind dafür verantwortlich, die Mundhöhle vor dem Eindringen anderer Mikroben zu schützen. Außerdem tragen sie dazu bei, die Gesundheit und Unversehrtheit unserer Zähne zu erhalten.

Wenn wir jedoch die Sauberkeit der Mundhöhle vernachlässigen, verändern wir diese Mikrobiota. Infolgedessen kommt es dann zu Infektionen durch Krankheitserreger. So entstehen Krankheiten wie Gingivitis oder Parodontitis.

Seit Jahren beobachten wir, dass Menschen, die orale Infektionen haben, irgendwann auch an systemischen Krankheiten oder Herzproblemen leiden. Das liegt daran, dass der Mund von einem Netz von Blutgefäßen durchzogen ist, die mit dem Herzen in Verbindung stehen. Daher ist es unbestreitbar, dass Infektionen im Mund das Herz beeinflussen.

Faktoren, die zu einer oralen Dysbiose führen

Frau mit einer Zahnbürste
Eine sorgfältige Mundhygiene ist Teil der Herzprävention.

Eine Veränderung der Anzahl und der mikrobiellen Zusammensetzung der Mundflora stört deren Gleichgewicht und führt zu einer Dysbiose. Die kommensalen Mikroorganismen der Mundflora sind nicht pathogen. Vielmehr tragen sie zur korrekten Funktion der Mundhöhle und zur Entwicklung des Immunsystems bei.

Daher führt das Ungleichgewicht dieser Mikrobiota zum Auftreten von Infektionen wie Karies oder Zahnfleischentzündungen. Wenn diese Erkrankungen dauerhaft bestehen, führen sie im schlimmsten Fall zu Parodontitis.

Obwohl einige davon unvermeidbar sind, ist es sehr wichtig, die möglichen Ursachen der oralen Dysbiose zu kennen:

  • Mangelnde Hygiene
  • Eine zuckerreiche Ernährung
  • Der Missbrauch von Antibiotika
  • Diabetes
  • Alkohol- und Tabakkonsum
  • Genetische Anfälligkeit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch orale Infektionen entstehen können

Die Parodontitis oder Zahnfleischerkrankung ist eine Krankheit, die Menschen auf der ganzen Welt betrifft. Sie wird durch Infektionen des Zahnfleisches verursacht, die nicht rechtzeitig und richtig behandelt werden und den Zahnknochen erreichen können.

Eine Studie über orale Infektionen und systemische Krankheiten, die in der Zeitschrift Clinical Microbiology and Infection veröffentlicht wurde, gibt Aufschluss über das Risiko von Menschen, die an schwerer chronischer Parodontitis leiden. Der Studie zufolge sind sie anfälliger für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Herzinfarkt.

Die infektiöse Endokarditis ist ein weiteres Beispiel für eine Erkrankung, die durch schlechte Hygiene oder einen invasiven Eingriff verursacht wird. Endokarditis wird durch eine Infektion der Auskleidung des inneren Teils des Herzens verursacht. Die Mikroorganismen, die diese Krankheit verursachen, gelangen über den Blutkreislauf aus anderen Teilen des Körpers, beispielsweise aus dem Mund, ins Herz.

Wie wir bereits gesagt haben, sind die meisten Mikroben, die die Mundhöhle besiedeln, Viridans-Streptokokken. Daher ist eine der Ursachen für infektiöse Endokarditis eine Bakteriämie, die beim Zähneputzen oder bei zahnärztlichen Eingriffen entsteht.

Orale Infektionen: Wie du ihnen vorbeugen kannst

Krankheiten, die mit Mundinfektionen einhergehen, sind laut Weltgesundheitsorganisation eines der größten Probleme der öffentlichen Gesundheit. Deshalb ist es wichtig, die oben genannten Risikofaktoren zu kontrollieren, die zum Auftreten von Infektionen und oraler Dysbiose beitragen.

Außerdem verringert der richtige Einsatz von Antibiotika die Wahrscheinlichkeit einer Bakteriämie, die eine infektiöse Endokarditis verursacht. Patienten, die zu der Risikogruppe für diese Krankheit gehören, sollten vor einem zahnärztlichen Eingriff eine Antibiotikaprophylaxe durchführen.

Unter den verschiedenen Maßnahmen, die wir zur Erhaltung der Gesundheit deines Mundes empfehlen können, ist eine gute Hygiene von grundlegender Bedeutung und zweifellos die effektivste.

Das Gleiche gilt für den regelmäßigen Gang zum Zahnarzt und die Zahnreinigung. Wenn du also zu den Menschen gehörst, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Karies oder Zahnfleischentzündungen bekommen, solltest du häufiger zum Zahnarzt gehen.

Eine Frau bei der professionellen Zahnreinigung
Regelmäßige Zahnarztbesuche sind Teil des Vorsorgeplans zum Schutz vor Infektionen der Mundhöhle.

Orale Infektionen können deinem Herzen schaden

Wie du siehst, gibt es eine enge Beziehung zwischen dem Mund und dem Herzen. In der Mundhöhle können Krankheiten auftreten, die von leichten Infektionen wie Karies bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Parodontitis reichen.

Das liegt an der großen Anzahl von Mikroorganismen, die die Oberflächen des Mundes besiedeln. Und obwohl die meisten von ihnen nützlich sind, müssen wir die Bakterienpopulation immer unter Kontrolle halten, um Probleme zu vermeiden. Auf diese Weise lassen sich Herzkrankheiten vorbeugen.

Abschließend gilt es zu bedenken, dass sich nicht jeder der hier besprochenen Beziehung zwischen Mund und Herz bewusst ist. Daher sollte die Sensibilisierung der Bevölkerung für das Ausmaß, in dem orale Infektionen das Herz beeinträchtigen können, auch Teil eines Plans sein, der gute Mundhygienepraktiken fördert.

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