Weibliche sexuelle Dysfunktion und ihre Ursachen

Weibliche sexuelle Dysfunktion ist nach wie vor ein Tabuthema. Aus diesem Grund sprechen viele Frauen nicht über ihre Probleme in der Sexualität und nur wenige suchen sich die erforderliche Hilfe, um diese zu überwinden.
Weibliche sexuelle Dysfunktion und ihre Ursachen

Letzte Aktualisierung: 13 Januar, 2021

Weibliche sexuelle Dysfunktion ist ein Konzept, das verschiedene Schwierigkeiten umfasst, die Frauen daran hindern, sexuelles Vergnügen zu erfahren. Darüber hinaus ist dieses Thema an vielen Orten nach wie vor ein Tabu.

Das bestätigt auch eine Studie, die von einem Team der University of California durchgeführt und im Jahr 2003 in der Fachzeitschrift Fertility and Sterility publiziert wurde.

Ziel der Studie war die eingehendere Untersuchung der Erfahrungen von an sexueller Dysfunktion leidender Menschen. Infolgedessen fanden die Forscher heraus, dass sich 40 % der Frauen diesbezüglich keine ärztliche Hilfe suchen. Das trifft sogar auf die Fälle zu, in denen die Betroffenen Probleme haben, sexuelles Vergnügen zu empfinden.

Das Konzept weibliche sexuelle Dysfunktion ist allerdings sehr umstritten. Streng genommen ist diese Bezeichnung nur für jene Fälle anwendbar, in denen Frauen mit ihrem Sexleben nicht zufrieden sind. Infolgedessen sind die Kriterien auch sehr subjektiv.

Einige Frauen haben eine geringe Libido oder sie haben Probleme damit, einen Orgasmus zu bekommen. Trotzdem haben viele nicht das Gefühl, sie hätten ein Problem.

In diesen Fällen kann man die Bezeichnung weibliche sexuelle Dysfunktion nicht anwenden, weil der entscheidende Faktor das Ausmaß des Wohlbefindens oder des Unwohlseins ist, das die Frauen in ihrem Sexleben erleben.

Was genau ist weibliche sexuelle Dysfunktion?

Weibliche sexuelle Dysfunktion - Frau im Bett

Weibliche sexuelle Dysfunktion kann unter zwei Gesichtspunkten definiert werden: einer ist biologisch und der andere psychosozial. Aus biologischer Sicht handelt es sich um verschiedene Schwierigkeiten beim Erleben von Lust, Erregung oder eines Orgasmus. Wissenschaftler ergänzen diese Liste noch um beim Geschlechtsverkehr auftretende Schmerzen.

Aus psychosozialer Sicht tritt eine weibliche sexuelle Dysfunktion auf, wenn sich das gewohnheitsmäßige Sexualverhalten von Frauen signifikant ändert. Und wenn diese Veränderung dazu führt, dass sie einen subjektiven Konflikt spürt.

Du solltest bedenken, dass Sexualität die Umsetzung von physiologischen Mechanismen impliziert, aber auch eine Reihe von Emotionen, Überzeugungen, Lebensstilen, Erinnerungen und Verbindungen zur Welt. Der Mensch ist biologisch, aber auch symbolisch.

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Weibliche sexuelle Dysfunktion: Arten

Aus medizinischer Sicht wurde weibliche sexuelle Dysfunktion in verschiedene Arten unterteilt, wobei jede eigene Ursachen und Merkmale aufweist. Aus Studien, wie jener, die im Jahr 2016 in der Zeitschrift SEMERGEN – Familiy Medicine publiziert wurde, lässt sich die folgende Unterscheidung entnehmen:

  • Hypoaktives sexuelles Verlangen. Dies ist eine Abnahme des sexuellen Verlangens zu bestimmten Zeiten im Leben.
  • Sexuelle Erregungsstörung. Dies ist der Fall, wenn die Frau Probleme hat, die mit Sex verbundenen physiologischen Mechanismen zu initiieren, oder diese überhaupt nicht auslösen kann.
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Dies ist als Dyspareunie bekannt und hierbei kommt es zu körperlichen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Oft sind diese Schmerzen auch mit Vaginismus verbunden, der unwillkürlichen Kontraktion der Vaginalmuskulatur, die den Geschlechtsverkehr erschwert.
  • Orgasmusstörung. In diesem Fall hat die Frau Schwierigkeiten, nach der Erregung einen Orgasmus zu bekommen.

Die wichtigsten körperlichen Ursachen

Weibliche sexuelle Dysfunktion - Frau empfindet Lust

Weibliche sexuelle Dysfunktion hängt fast immer sowohl mit physischen als auch emotionalen Problemen zusammen. In den meisten Fällen lassen sich die körperlichen Probleme in kurzer Zeit beheben. Aber die emotionalen Faktoren erfordern mehr Zeit.

Unter den physischen Ursachen sind nachfolgende besonders erwähnenswert:

  • Chronische Erkrankungen. Einige Erkrankungen beeinflussen das sexuelle Verlangen. Hauptsächlich ist dies bei Diabetes, Krebs, Arthritis, Multipler Sklerose und Herzerkrankungen der Fall.
  • Gynäkologische Probleme. Auch Probleme in der Beckenbodenmuskulatur, die häufig nach einem operativen Eingriff in diesem Bereich auftreten, können das sexuelle Verlangen beeinträchtigen. Darüber hinaus können Erkrankungen wie Endometriose oder Blasenentzündungen ähnliche Auswirkungen haben.
  • Hormonelle Störungen. Hierbei kommt es zu einer Abnahme des Östrogen- oder Testosteronspiegels. Wenn eine Frau in den Wechseljahren ist, sinkt der Östrogenspiegel. Darüber hinaus kann dieser auch aufgrund eines vorzeitigen Ovarialversagens sinken. Wenn der Testosteronspiegel sinkt, kann dies eine Folge der Entfernung der Eierstöcke sein oder auf das Altern zurückzuführen sein.
  • Medikamente. Aber auch einige Medikamente und Substanzen können die Sexualfunktion verändern. Dazu gehören beispielsweise Antihypertensiva und Antidepressiva. Darüber hinaus können Alkohol und andere psychoaktive Drogen ebenfalls einen Einfluss auf die Sexualität haben.

Die wichtigsten psychologischen und sozialen Ursachen

Emotionale Faktoren haben immer einen großen Einfluss auf das Sexualleben. Die wichtigsten Ursachen sind physischer, sexueller oder emotionaler Missbrauch während der Kindheit oder Jugend. Infolgedessen entstehen Traumata, die über lange Zeit bestehen bleiben können, wenn sie nicht professionell behandelt werden.

Darüber hinaus gibt es noch andere Faktoren, die ebenfalls zu weiblicher sexueller Dysfunktion führen könnten:

  • Stress oder Angststörungen. Wenn du extreme Sorgen oder intensive Belastungen hast, kann dies dein Interesse an Sex verringern oder dein Vergnügen dabei beeinträchtigen.
  • Depressionen. Depressive Zustände behindern die physiologischen Mechanismen des Geschlechtsverkehrs und reduzieren das sexuelle Interesse in erheblichem Maße.
  • Hemmungen. Man könnte dies als Angst vor Intimität, Angst vor Kontrollverlust, Versagensängste oder auch Scham und niedriges Selbstwertgefühl beschreiben.
  • Erschöpfung. Darüber hinaus kann auch Müdigkeit dazu führen, dass du den Sex nicht richtig genießen kannst. Wenn du einen sehr engen Zeitplan hast und permanent im Stress bist, kann dies ein weiterer Auslöser für weibliche sexuelle Dysfunktion sein.
  • Beziehungsprobleme. Wenn du ungelöste Probleme in deiner Partnerschaft hast, spiegelt sich dies sehr häufig auch in deinem Sexualleben wider.
  • Irreführende Überzeugungen. Manchmal führen auch religiöse oder ideologische Faktoren zu der irrigen Annahme, dass Lust und sexuelles Vergnügen etwas Schlechtes sei.

Normalerweise können Frauen eine weibliche sexuelle Dysfunktion mit der richtigen Behandlung überwinden. Denn in den meisten Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Störung. Dennoch ist es am besten, einen Sexologen aufzusuchen, da diese Experten dafür ausgebildet sind, alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen und entsprechend zu adressieren.

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  • Sexual Problems in Women | Dyspareunia | MedlinePlus. Retrieved 3 May 2020, from https://medlineplus.gov/sexualproblemsinwomen.html