Was ist diabetische Gastroparese und wie wird sie behandelt?

Die diabetische Gastroparese ist, wie andere Neuropathien auch, eine chronische Komplikation des Diabetes. Sie wird mit einer schlechten Blutzuckereinstellung in Verbindung gebracht.
Was ist diabetische Gastroparese und wie wird sie behandelt?
Mariel Mendoza

Geschrieben und geprüft von der Ärztin Mariel Mendoza.

Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2022

Die diabetische Gastroparese ist ein Syndrom, das durch eine verzögerte Magenentleerung gekennzeichnet ist, ohne dass eine mechanische Obstruktion des Magens vorliegt. Es kann in bis zu 50 % der Fälle asymptomatisch verlaufen. Die häufigsten Symptome sind jedoch frühzeitige Sättigung (postprandiales Völlegefühl), Übelkeit und Erbrechen.

Die Hauptursache der Gastroparese ist Diabetes mellitus. Da die Symptome unspezifisch sein können, handelt es sich dabei in der Regel um eine Ausschlussdiagnose.

Diabetes und Nervenbeteiligung

Bei Diabetes mellitus kommt es bei bis zu 50 % der Patienten zu einer Beteiligung der Nerven. Dies bezeichnet man als “diabetische Neuropathie”.

Obwohl die häufigste diabetische Neuropathie die distale symmetrische Polyneuropathie ist, die die motorischen und sensorischen Nerven in Händen und Füßen betrifft, gibt es auch Dysautonomien. Letztere entstehen durch die Beteiligung des autonomen Nervensystems. Die Symptome sind dann kardial, gastrointestinal und urogenital.

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Diabetische Gastroparese als Neuropathie

Obwohl die Gastroparese, die als Lähmung der Magenmuskulatur definiert wird, nicht ausschließlich auf Diabetes mellitus zurückzuführen ist, ist dies ihre häufigste Ursache. Der erste, der sie beschrieb, war Kassander im Jahr 1958. Er benutzte den Begriff Gastroparese diabeticorum um den Prozess der Atonie und den Verlust der Magenentleerung bei einigen Diabetikern zu beschreiben.

Die Prävalenz bei Menschen mit Diabetes ist nicht genau definiert und wird auf 10 % bis 76 % der Patienten geschätzt. Obwohl diabetische Gastroparese in der Regel erst nach längerer Krankheitsdauer auftritt, wird sie eher mit einer schlechten Blutzuckereinstellung in Verbindung gebracht.

Diabetische Gastroparese - Blutzuckermessung
Eine gute Blutzuckereinstellung ist wichtig, um diabetische Komplikationen zu verhindern. Dazu gehört auch die Gastroparese.

Ursachen

Bei der diabetischen Gastroparese sind die Ursachen, wie bei anderen Neuropathien auch, multifaktoriell. Sie beruhen auf den nervösen und vaskulären Veränderungen, die durch eine anhaltende Hyperglykämie in Verbindung mit der Abnahme der Insulinkonzentration hervorgerufen werden.

Diese Veränderungen führen zu Störungen in der motorischen Aktivität des Magens, die sich wie folgt äußern:

  • Probleme bei der adaptiven Entspannung des Magens zur Aufnahme des Nahrungsbolus
  • Verminderte oder erhöhte Frequenz der intrinsischen elektrischen Aktivität des Magens
  • Verminderte Kontraktion des Antrums des Magens mit Schwierigkeiten bei der Zerkleinerung großer Nahrungspartikel
  • Erhöhter Tonus des Pylorus-Schließmuskels, der die Entleerung des Mageninhalts in den Zwölffingerdarm verlangsamt
  • Atrophie oder Fibrose der glatten Muskulatur des Organs

Die Veränderung bezeichnet man als autonome Neuropathie, weil sie zur Beteiligung des Vagusnervs (dem Haupteffektor des parasympathischen Nervensystems) und zu einer erhöhten Aktivität des Sympathikus führt. Die Folge sind Magenrhythmusstörungen.

Symptome der diabetischen Gastroparese

Aufgrund der Lähmung der Magenmuskulatur kommt es bei der diabetischen Gastroparese zu einer verzögerten Magenentleerung. Sie äußert sich durch die folgenden Symptome:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Postprandiales Völlegefühl
  • Aufblähung des Abdomens
  • Bauchschmerzen im Epigastrium

Diese Symptome sind unspezifisch und treten auch bei anderen Darmerkrankungen auf, z. B. bei Magengeschwüren, Magenverschlüssen, Magenkrebs und funktioneller Dyspepsie.

Darüber hinaus führt eine verzögerte Magenentleerung zu Veränderungen des Blutzuckerspiegels nach einer Mahlzeit. Infolgedessen verschlimmert sich eine unzureichende Blutzuckerkontrolle noch weiter.

Daraus ergeben sich folgende Komplikationen:

  • Gewichtsverlust
  • Schlechte Kontrolle des Blutzuckerspiegels
  • Hydroelektrolyt-Störungen
  • Verminderte Absorption einiger Medikamente
  • Erhöhtes Risiko einer Bronchialaspiration bei Eingriffen, die eine Anästhesie erfordern

Wie wird eine diabetische Gastroparese diagnostiziert?

Die American Gastroenterological Association empfiehlt bei Verdacht auf eine diabetische Gastroparese eine Erstuntersuchung mit Befragung und körperlicher Untersuchung. Anschließend sollten ein komplettes Blutbild, ein glykosyliertes Hämoglobin und ein metabolisches Profil angefordert werden, um die glykämische Kontrolle zu beurteilen.

Außerdem ist die Überprüfung erforderlich, ob eine Amylasämie vorliegt.

Um weiterhin eine mechanische Obstruktion oder andere Magen-Darm-Erkrankungen auszuschließen, erfolgt bei Gallensymptomen oder begleitenden Bauchschmerzen eine serielle obere gastrointestinale Röntgenuntersuchung mit Barium und Ultraschall. Die Endoskopie des oberen Gastrointestinaltrakts dient zum Ausschluss von Schleimhautläsionen.

Der ideale Diagnosestandard ist die Szintigrafie, bei der mit Radioisotopen markierte Nahrung eingenommen wird, um die Magenentleerung 4 Stunden lang in 15-minütigen Abständen zu bestimmen. Wenn nach 4 Stunden mehr als 10 % der Nahrung zurückbleiben, gilt dies als Hinweis auf eine Gastroparese.

Behandlung

Nach dem Ausschluss anderer Ursachen wird die Gastroparese behandelt, indem der Schweregrad bestimmt und Komplikationen behoben werden. Ziel ist es, die Blutzuckerkontrolle zu optimieren und einen angemessenen Ernährungszustand aufrechtzuerhalten.

Bei schwerer Gastroparese ist in der Regel die Einnahme von homogenisierter Nahrung und Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich. Bei Patienten mit leichten und mittelschweren Manifestationen sind Prokinetika und Antiemetika angezeigt. Dazu gehören Cisaprid, Domperidon, Ondansetron und Metoclopramid.

Darüber hinaus sollte die Einnahme von Medikamenten unterbleiben, die die Magenmotilitätsstörung verschlimmern. Das sind unter anderem Antazida, Kalziumkanalblocker, Histaminrezeptorantagonisten, Protonenpumpenhemmer, Opioid-Analgetika, beta-adrenerge Rezeptoragonisten, Diphenhydramin, Sucralfat und trizyklische Antidepressiva.

Wenn eine schwere, medikamentenresistente Gastroparese vorliegt, kann versucht werden, den Magen elektrisch zu stimulieren (Elektroden werden per Laparotomie oder Laparoskopie in die Magenmuskelschicht implantiert). Alternativ erfolgt ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Teil des Magens entfernt wird.

Diabetische Gastroparese - Patient im OP
Der chirurgische Ansatz ist den Patienten vorbehalten, die nicht gut auf orale Medikamente ansprechen.

Diabetische Gastroparese: Ein Problem ohne spezifische Behandlung

Bei leichten Fällen von diabetischer Gastroparese werden eine Ernährungsumstellung und niedrig dosierte Antiemetika oder Prokinetika empfohlen. Da sich die Bewegung der Nahrung verlangsamt, ist es ideal, 6 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, anstatt 3 große Mahlzeiten.

Lebensmittel mit hohem Fettgehalt sollten nicht verzehrt werden, da dieser Nährstoff die Magenentleerung weiter verzögert. Das Gleiche gilt für Lebensmittel mit einem hohen Anteil an unlöslichen Ballaststoffen, weil sie die Verdauung behindern.

Unverdaute Nahrung fermentiert im Magen und führt zur Vermehrung von Bakterien. Darüber hinaus kann sie auch verhärten und eine als Bezoar bezeichnete Masse bilden, was zu einer Magenverstopfung führen kann. Daher ist eine ausgewogene und angemessene Ernährung bei der Behandlung von Diabetes und seinen Komplikationen unerlässlich.

Obwohl die diabetische Gastroparese eine seltene Diagnose ist, beeinträchtigt sie das Leben der Betroffenen. Deshalb sollte bei Verdacht rechtzeitig eine Diagnose und Therapie eingeleitet werden.

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