Ungewollter Gewichtsverlust: Mögliche Ursachen

Ungewollter Gewichtsverlust ist weiter verbreitet als allgemein angenommen. Die meisten Ursachen sind natürlichen Ursprungs, aber auch psychische Störungen und andere Krankheiten gehören zu den möglichen Auslösern.
Ungewollter Gewichtsverlust: Mögliche Ursachen

Letzte Aktualisierung: 13. September 2021

Ein ungewollter Gewichtsverlust liegt vor, wenn ein Mensch unfreiwillig sein Körpervolumen reduziert. Mit anderen Worten: Die betreffende Person unterzieht sich keiner gezielten Behandlung oder Diät, um Gewicht zu verlieren. Ärzte und Ärztinnen betrachten diese Situation als Warnzeichen für viele mögliche Erkrankungen.

Wenn ein Patient oder eine Patientin einen Arzt oder eine Ärztin wegen eines unfreiwilligen Gewichtsverlusts konsultiert, sucht dieser oder diese sofort nach den Ursachen, um bösartige Prozesse und ernste, lebensbedrohliche Krankheiten auszuschließen.

An dieser Stelle möchten wir klarstellen, dass nicht jeder unfreiwillige Gewichtsverlust extrem ernst ist – solange er nicht über längere Zeit anhält. Deshalb ist in jedem Fall eine professionelle Beurteilung wichtig, um die nächsten Schritte festzulegen.

Genau genommen sollte das Gesundheitsteam in Alarmbereitschaft sein, wenn der Patient innerhalb von 6 Monaten mehr als 5 % seines vorherigen Gewichts verliert. Wenn ein ungewollter Gewichtsverlust dazu führt, dass der Patient weniger oder maximal 5 % des bisherigen Körpergewichtes verloren hat, kann man bis zu einem Jahr warten.

Ungewollter Gewichtsverlust: Wer ist am meisten gefährdet und warum?

Es gibt Bevölkerungsgruppen, die anfälliger für einen derartigen Gewichtsverlust sind als andere. Bei einem gesunden Erwachsenen ist eine unbeabsichtigte Verringerung des Körpergewichts selten. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass dies spontan auftreten kann. Anders verhält sich dies bei über 60-Jährigen. Denn in dieser Altersgruppe kann ein ungewollter Gewichtsverlust mit einer Häufigkeit von mehr als 10 % auftreten.

Während eines Krankenhausaufenthaltes verlieren im Schnitt 2 % der hospitalisierten Patienten an Gewicht. Aber wenn der Krankenhausaufenthalt länger dauert oder der Patient anschließend in einem Heim untergebracht wird, steigt die Prävalenz auf bis zu 50 %.

Ein unfreiwilliger Gewichtsverlust führt zu einem Anstieg der Morbidität und verschlechtert bei Patienten mit einer Vorerkrankung die Prognose. Bei Krebserkrankungen ist er ein Zeichen für ein Fortschreiten der Krankheit und ein schlechtes Ansprechen auf die Behandlung.

Ungewollter Gewichtsverlust - Frau mit Sauerstoffmaske
Längere Krankenhausaufenthalte führen bei fast 50 % der Patienten zu einem ungewollten Gewichtsverlust.

Ungewollter Gewichtsverlust kann verschiedene Ursachen haben

Ein Grund für unfreiwilligen Gewichtsverlust, der der Medizin entgeht, ist sozioökonomischer Natur. Geldmangel und mangelnder Zugang zu Nährstoffen aufgrund sozialer Barrieren führen zu unbeabsichtigter Mangelernährung. Darüber hinaus gibt es drei Hauptgruppen von Ursachen, die wir im Folgenden betrachten werden: Organische Ursachen, psychische Ursachen und medikamentös bedingte Ursachen.

Die organischen Ursachen für ungewollten Gewichtsverlust

Es gibt viele organische Ursachen für dieses Symptom, von systemischen Erkrankungen wie Neoplasmen bis hin zu hormonellen Veränderungen wie Diabetes. Manchmal stellen sie eine echte diagnostische Herausforderung dar.

Bei Krebserkrankungen spricht man oft von einem konstitutionellen Syndrom, das eine Kombination aus ungewolltem Gewichtsverlust, Asthenie (Kraftlosigkeit) und Anorexie (Appetitlosigkeit) ist. Obwohl es bei verschiedenen bösartigen Erkrankungen auftritt, ist es eher typisch für Magenkrebs.

Magen-Darm-Erkrankungen führen zu einer Gewichtsabnahme, weil die Patienten weniger essen, um die Symptome zu vermeiden. Das ist bei Zöliakie und Morbus Crohn der Fall.

Zu den hormonellen Schwankungen, die den Appetit und die Nährstoffaufnahme verändern, gehört die Nebenniereninsuffizienz, deren primäre Form Morbus Addison ist. Diabetiker leiden unter verschiedenen Mechanismen, die mit Veränderungen der Geschmacks- und Geruchswahrnehmung sowie mit Insulinschwankungen zusammenhängen.

Bei Patienten mit neurologischen Erkrankungen tritt eine Verhaltensänderung auf, die Essprobleme und somit auch den Gewichtsverlust erklärt. Im Fall von Parkinson-, Alzheimer- und vaskulärer Demenz verweigern die Patienten das Essen, wenn es ihnen angeboten wird.

Psychische Ursachen

Depressionen sind ebenfalls eine Ursache für unfreiwilligen Gewichtsverlust, der durch andere Pathologien verdeckt werden kann. Depressive Menschen essen weniger, verheimlichen dies aber oft und führen ihre Schlankheit auf äußere oder externe Faktoren zurück.

Magersucht (Anorexia nervosa), die durch die Verweigerung der Nahrungsaufnahme gekennzeichnet ist, manchmal aufgrund der Unmöglichkeit zu schlucken, ohne dass eine spezifische Obstruktion des Verdauungstrakts vorliegt, führt zu Abmagerung mit ernsthaften Gesundheitsrisiken. Es handelt sich um eine Störung, die bei jungen Frauen häufiger auftritt als in der übrigen Bevölkerung.

Und schließlich verändert auch die Abhängigkeit von Alkohol und anderen stärkeren Drogen wie Kokain das normale Essverhalten. Süchtige essen nur selten regelmäßig und nehmen nicht die Nährstoffe zu sich, die der Körper zur Erhaltung der Körpermasse benötigt.

Ungewollter Gewichtsverlust - eine Frau schiebt eine Pasta von sich weg.
Appetitlosigkeit kann auch durch eine psychische Störung verursacht werden.

Bestimmte Medikamente

Ein unfreiwilliger Gewichtsverlust ist eine der Nebenwirkungen verschiedener Medikamente. Wenn bestimmte Medikamente aufgrund eines anderen Symptoms oder einer anderen Krankheit verschrieben werden, führen sie im Verborgenen zu einer Gewichtsabnahme.

Levothyroxin, das bei Schilddrüsenunterfunktion verschrieben wird, beschleunigt den Stoffwechsel, was zu einem stark erhöhten Kalorienverbrauch führt. Auch Levodopa zur Behandlung der Parkinson-Krankheit führt zu einem ungewollten Gewichtsverlust, ebenso wie Digoxin und Liraglutid.

Ungewollter Gewichtsverlust: Du solltest keine Zeit verlieren!

Sowohl Menschen, die eine unfreiwillige Gewichtsabnahme feststellen, als auch Ärzte, die wegen dieses Symptoms konsultiert werden, müssen wachsam sein. Es müssen die entsprechenden ergänzenden Tests durchgeführt werden, um eine Diagnose zu stellen. Darüber hinaus muss die Ursache des Problems behandelt werden, damit sich der Zustand nicht weiter verschlechtert.

Es könnte dich interessieren ...
Die beste Tageszeit zum Essen – aus wissenschaftlicher Sicht
Besser Gesund LebenLies auch diesen Artikel bei Besser Gesund Leben
Die beste Tageszeit zum Essen – aus wissenschaftlicher Sicht

In diesem Artikel verraten wir dir, wann die beste Tageszeit zum Essen ist. So kannst du einen gesunden Lebensstil aufrechterhalten.



  • Suárez-Ortega, Saturnino, et al. “Síndrome constitucional: entidad clínica o cajón de sastre.” Revista Médica del Instituto Mexicano del Seguro Social 51.5 (2013): 532-535.
  • Vanderschueren S, Geens E, Knockaert D, Bobbaers H. The diagnostic spectrum of unintentional weight loss. Eur J Intern Med. 2005;16:160-4.
  • Ramírez, Francisco Buitrago, Javier Alejandre Carmona, and José Antonio Morales Gabardino. “Estudio inicial del paciente con síndrome constitucional en atención primaria.” FMC: Formación Médica Continuada en Atención Primaria 19.5 (2012): 268-277.