Was passiert in unserem Gehirn wenn wir leiden?

Nicht immer kann die Sonne scheinen, jeder kennt traurige Tage oder schmerzliche Situationen.
Was passiert in unserem Gehirn wenn wir leiden?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2022

“Die Wurzeln der Bäume wachsen besser, wenn es stürmt.” Im Leid können wir lernen und wachsen, aus Fehlern und Niederlagen neue Erfahrungen machen, die uns weiterhelfen. In diesem Beitrag erfährst du, was dabei in unserem Gehirn passiert.

1. Leid, Bildhauer unseres Gehirns

weinen

Nicht immer kann die Sonne scheinen, jeder kennt traurige Tage sowie schmerzliche Situationen. Wenn man jedoch sein ganzes Leben lang kontinuierlich Leid erfährt, durchläuft das Gehirn tiefgreifende Veränderungen, die sich natürlich auch auf die Persönlichkeit auswirken.

Nehmen wir das Beispiel eines Kindes, das von einem frühen Alter an Missbrauch erfahren hat. Nichts ist zerstörerischer als ein schmerzhaftes Kindheitserlebnis. Ärzte sowie Psychiater vergleichen dieses Leid mit jenem eines Soldaten im Kampfeinsatz.

Sie erleben ständige Angst, befinden sich in einem kontinuierlichen Alarmzustand und empfinden tiefe Traurigkeit. Dies führt zu Störungen bei der Ausschüttung von Neurotransmittern im Gehirn.

Bereiche wie die Amygdala und die Inselrinde, die mit Schmerz und Angst verbunden sind, werden stimuliert. Dies hat langfristige Folgen für die Persönlichkeit: Misstrauen, Wut, mögliche Depressionen und sogar ein gewisses Maß an Gewalttätigkeit.

Natürlich muss das nicht in jedem Fall passieren, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch. Denke zum Beispiel an eine Ehe, in der du schlecht behandelt wirst. Großes Leid führt zu Hilflosigkeit und Depressionen, Wut und Frustration.

2. Gehirn und Leid, Meister wichtiger Lebenslehren

Das Leben ist nicht immer ein friedlicher Weg des Glücks, keine gerade Straße ohne Steine. In schönen Momente des Lebens, in denen wir uns gut fühlen, können wir genießen sowie lernen. Auch Leid ist ein guter Lehrer, vielleicht der beste – und der rücksichtsloseste.

Man sagt, wer nicht gelitten hat, hat nicht gelebt. Die Redewendung ist vielleicht übertrieben, doch hat etwas Wahres an sich. Wichtig ist, aus Fehlern und Verlusten zu lernen.

Wer dies nicht kann, kommt nicht voran, denn das Leben ist  kontinuierliches Lernen. Verluste und Leid sind als Chance zu sehen, eine Herausforderung, die es gilt zu überwinden, um stärker zu werden und einen Schritt nach vorne zu machen.

Natürlich ist Leid nicht angenehm, dieses sollte jedoch nicht zu einer Mauer werden, die dich umgibt und dir alle Türen verriegelt. Dein Selbstwertgefühl, deine innere Stärke und dein Wille sollten die Motoren sein, um das Leid zu überwinden. Vergiss das nicht.

3. Leid sucht Befreiung

liebe

Du kannst dein Leben nicht leben, ohne dem Leid ins Gesicht zu sehen. Mit diesem Schmerz weiterzuleben verursacht auch viele Probleme für das Gehirn.

Eine hohe Konzentration an Cortisol, hohe Belastung, Schwierigkeiten beim Lernen neuer Dinge, Gedächtnisverlust… unsere Gesundheit und unser seelisches Gleichgewicht werden nach und nach geschwächt.

Wenn es dir möglich ist, loszulassen, dann TU ES. Wenn dir etwas wehtut, reagiere! Und wenn dich etwas so sehr bedrückt, dass es dir den Atem nimmt, befreie dich oder kämpfe, wenn es für dich wichtig ist. Weine und schreie, wenn nötig.

Lass deine Stimme hören, reiße die Mauern ein, die dich verletzen und die du ganz sicher nicht verdienst. Niemand verdient ständiges Leiden.

Suche nach dem Schlüssel, der die Lösung für deine Probleme bietet, wenn es in deiner Macht liegt. Jede Anstrengung wird sich lohnen und deine Gesundheit hat es zweifellos verdient.

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