Neuromuskuläre Erkrankungen: Wissenswertes

7 April, 2021
Neuromuskuläre Erkrankungen sind chronisch und können in jedem Lebensabschnitt auftreten. Sie betreffen die Muskeln und das Nervensystem.

Neuromuskuläre Erkrankungen gehören zu den Krankheiten, die durch den Verlust der Muskelkraft gekennzeichnet sind. Weiters haben sie gemeinsam, dass sie meist chronisch sind. Ein Mensch, der an einer solchen Krankheit leidet, kann in den meisten Fällen nicht für sich selbst sorgen, was sehr belastend für ihn und seine Angehörigen ist.

Neuromuskuläre Erkrankungen können in jedem Alter auftreten. Zu etwa 50 % treten sie jedoch schon im Kindesalter auf. Die Erkrankungen betreffen sowohl die Muskeln als auch das Nervensystem, genauer gesagt:

  • die neuromuskuläre Kreuzung, wo der Nerv auf den Muskel trifft,
  • die spinalen Motoneuronen, dies sind die Nervenzellen, die die Bewegungen der Muskeln steuern, und
  • die peripheren Nerven, also die Nerven in den Hände, Armen, Beinen, dem Hals und dem Gesicht.

Ursachen und Arten von neuromuskulären Erkrankungen

Eine Grafik mit einer Nahaufnahme der Auswirkungen auf die Muskeln bei neuromuskulären Erkrankungen

Im Allgemeinen treten neuromuskuläre Erkrankungen erstmals im Kindesalter auf und sind meist genetisch bedingt.

Die Ursachen dieser Erkrankungen sind sehr unterschiedlich. Tatsächlich kennen Wissenschaftler sie noch nicht genau. Die Erkrankungen können genetisch oder erworben sein.

Oft ändert sich eine solche Einteilung jedoch, wenn neue Forschungsergebnisse gewonnen werden. Derzeit sind nach aktuellem Wissensstand die wichtigsten Arten von neuromuskulären Erkrankungen folgende:

  • Muskeldystrophien
  • Distale Myopathien
  • Kongenitale Myopathien
  • Myotone Dystrophie
  • Myotonie congenita
  • Primäre periodische Lähmung
  • Entzündliche Muskelkrankheiten
  • Progressive Myositis ossificans
  • Metabolische Myopathien
  • Krankheiten der neuromuskulären Verbindung
  • Spinale Muskelatrophie
  • Hereditäre Neuropathien
  • Symptome von neuromuskulären Erkrankungen

Zu den Symptomen, die viele der neuromuskulären Erkrankungen gemeinsam haben, gehören:

Störung des Gangs

Die meisten neuromuskulären Erkrankungen können sich durch Störungen beim Gehen zeigen. Dazu zählen beispielsweise der Wackelgang, eine rasche Ermüdung, aber auch Asymmetrie, Hinken und Gehen auf Zehenspitzen. Der Wackelgang weist meist aufgrund des Abbaus der Gesäßmuskulatur auf eine Beckengürtelschwäche hin.

Lies auch: Wie du Muskelkrämpfe lindern kannst

Häufige Stürze bei neuromuskulären Erkrankungen

Dieses Symptom tritt bei neuromuskulären Erkrankungen aufgrund der Muskelschwäche in den unteren Extremitäten auf. Die Patienten verlieren die Fähigkeit das Gleichgewicht zu halten, entweder wegen Ermüdung oder wegen einer krankheitsbedingten Muskelschwäche.

Schwierigkeiten beim Treppensteigen

Die Benutzung von Treppen erfordert viel Muskelkraft im Gesäß und dem Quadrizeps. Häufig bemerkt der Patient jedoch eine Erschöpfung dieses Muskels und schließlich dessen Abbau. In solchen Fällen müssen dann die oberen Gliedmaßen zu Hilfe genommen werden.

Muskelschmerzen durch neuromuskuläre Erkrankungen

Muskelschmerzen können auch unabhängig von der Belastung auftreten. Wenn die Schmerzen zu groß werden, solltest du dies mit deinem Arzt besprechen.

Schwierigkeiten, vom Boden aufzustehen

Dieses Merkmal geht meist mit einer Muskelschwäche des Beckengürtels einher. Es ist auch als Gowers-Symptom bekannt. Dabei können die Patienten nicht vom Boden aufstehen, ohne ihre Hände zuerst auf dem Boden und dann auf den Beinen abzustützen. Auf diese Weise klettern sie dann mithilfe ihrer Arme am eigenen Körper hoch.

Krämpfe

Muskelkrämpfe als Merkmal für neuromuskuläre Erkrankungen
Muskelkrämpfe werden in der Regel durch Ermüdungen im Inneren der Muskeln verursacht.

Neuromuskuläre Erkrankungen äußern sich auch durch schmerzhafte Muskelkrämpfe oder Muskelzucken.

Atembeschwerden durch neuromuskuläre Erkrankungen

Aufgrund einer Schwäche der Atemswegsmuskulatur hat der Patient Probleme beim Husten und Freihalten der Atemwege. Sogar die Fähigkeit zum selbständigen Atmen nimmt ab. Es kann im schlimmsten Fall zu einem Atemstillstand kommen.

Schlafstörungen

Infolge der eingeschränkten Atmung wachen die Patienten häufig in der Nacht auf. Einerseits kann dies zu einem Gefühl des Erstickens führen, andererseits zu Müdigkeit während des Tages.

Das könnte dich auch interessieren: Atemübungen für einen erholsameren Schlaf

Neuromuskuläre Erkrankungen: Anzeichen

Bei einer körperlichen Untersuchung erkrankter Patienten kann ein Arzt folgende Anzeichen finden:

  • Amyotrophie: Dies ist auf die schlechte Zustand der Muskelmasse oder deren Abbau zurückzuführen.
  • Muskelschwäche: Mangelnde Kraft ist ein häufiges Zeichen von Krankheiten, die die Bewegung beeinträchtigen.
  • Geringe Körpergröße oder geringes Gewicht: Einige neuromuskuläre Erkrankungen sind durch Wachstumsschwierigkeiten gekennzeichnet.
  • Veränderungen der Haut: Beispielsweise kommt es zu violetten Veränderungen an den Augenlidern. Ein anderen Beispiel ist Kalzinose, die durch Kalziumablagerungen verursacht wird. Genauer gesagt zeigt sich Kalzinose durch Knötchen unter der Haut an dem Fingerknöcheln. In wieder anderen Fällen treten Wulstnarben auf, manchmal sogar spontan.
  • Fortschreitende Einschränkungen der Beweglichkeit der Gelenke: Diese tritt immer bei den Gelenken auf, die von der Muskelschwäche betroffen sind.
  • Febrer, A. (2014). Enfermedades neuromusculares. In Rehabilitación domiciliaria. https://doi.org/10.1016/b978-84-458-2583-9.00016-4
  • Masdeu, M. J., & Ferrer, A. (2003). Función de los músculos respiratorios en las enfermedades neuromusculares. Archivos de Bronconeumologia. https://doi.org/10.1157/13045953
  • Motoneurona, E. D. E. L. A. (2004). Grupo de Estudio de Enfermedades Neuromusculares Sociedad Española de Neurología. Historia.