Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) - eine gesundheitliche Herausforderung

Multiple Chemikalien-Sensitivität ist eine seltene Erkrankung, die schwer zu diagnostizieren ist. Manche Fachleute halten sie noch nicht einmal für eine Krankheit. In diesem Artikel erfährst du mehr.
Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) - eine gesundheitliche Herausforderung

Letzte Aktualisierung: 18. Oktober 2021

Für die multiple Chemikalien-Sensitivität gibt es noch verschiedene weitere Bezeichnungen, die sich auf die extremen allergischen Symptome beziehen, die bei dieser Erkrankung auftreten. Die wissenschaftlich am meisten genutzte Bezeichnung ist Multiple Chemikalien-Sensitivität oder vielfache Chemikalienunverträglichkeit oder kurz abgekürzt MCS.

Es handelt sich hierbei um eine chronische Multisystem-Erkrankung, die mit teilweise sehr starken allergischen Reaktionen einhergeht. Der Patient reagiert in übermäßiger Weise auf geringe Konzentrationen von Substanzen, die normalerweise in der Umwelt vorkommen.

Da es sich um chemische Stoffe handelt, ist MCS ein arbeitsmedizinisches Thema. In einigen Gesetzen wird sie als Berufskrankheit anerkannt, in anderen wiederum nicht.

Eine Zeit lang wurde die multiple Chemikalien-Sensitivität von der Wissenschaft als eine psychosomatische Erfindung eingestuft. Auch heute noch erkennen einige Ärzte sie nicht als Krankheit an und führen sie auf eine übermäßige Ausprägung der Psyche des Menschen zurück.

Schätzungen zufolge machen Menschen mit MCS weniger als 1 % der Allgemeinbevölkerung aus. Allerdings leiden etwa 10 % der Menschen an einer Art von Allergie.

Die Diagnose ist sehr schwierig. Es gibt keinen Labortest, mit dem eine multiple Chemikalien-Sensitivität nachgewiesen werden kann. Wenn dein Arzt einen Verdacht hat, kann er ergänzend einen Allergietest durchführen lassen und auf der Grundlage dieser Ergebnisse die Diagnose stellen.

Pathophysiologie der multiplen Chemikalien-Sensitivität (MCS)

Der Ursprung dieser Krankheit ist unbekannt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben noch keine Studien veröffentlicht, die die Mechanismen entschlüsseln, die zu übertriebenen allergischen Reaktionen bei so geringen Konzentrationen der Substanz führen.

Die fundierteste Hypothese besagt, dass die Person zum ersten Mal mit einem chemischen Stoff in Kontakt kommt und ihr Immunsystem schlecht reagiert. Dann bleibt die Erinnerung an die Reaktion im Körper und es genügt eine kleine Dosis, um die Symptome auszulösen.

Eine andere Hypothese ist ähnlich, misst aber dem Toleranzverlust der Person mehr Bedeutung bei. Mit anderen Worten: Nach der ersten Begegnung mit der Chemikalie gewöhnt sich der Körper nicht an sie. Stattdessen entwickelt der Körper eine Überempfindlichkeit gegenüber der Chemikalie.

Die multiple Chemikalien-Sensitivität findet ihre Stimulation im limbischen System des Nervensystems. Der Reiz der Substanz verschwindet zwar, aber der Körper sendet Signale der Immunantwort aus, ohne dass es etwas Konkretes zu bekämpfen gäbe.

Der beschriebene Mechanismus ähnelt also dem von Krankheiten wie Fibromyalgie oder Reizdarm. Daher vermuten Wissenschaftler auch, dass es einen pathophysiologischen Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen gibt.

Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) - Frau putzt sich die Nase

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Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS): Symptome

Die Anzeichen und Symptome dieser Krankheit sind sehr vielfältig. Bei einer akuten Reaktion können fast alle Organe betroffen sein, was die Identifizierung der Krankheit noch schwieriger macht.

Die häufigsten Symptome betreffen die Atemwege. Du könntest zum Beispiel einen juckenden Hals, trockenen Husten oder eine laufende Nase haben. Außerdem kann es zu Verdauungsproblemen kommen, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Außerdem können Symptome einer allergischen Bindehautentzündung auftreten, wie Tränenfluss und rote Augen. Des Weiteren kann sich der Herzschlag beschleunigen und Herzklopfen verursachen.

Bei Menschen mit MCS wird häufig auch Asthma oder Reizdarm diagnostiziert. Ärzte übersehen jedoch oft diese seltene und wirklich verwirrende Erkrankung.

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Diagnostische Kriterien

Multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS) - extrem rotes Auge

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Ärztinnen und Ärzte eine multiple Chemikalien-Sensitivität diagnostizieren können:

Eine davon ist die Anwendung weithin anerkannter, aber allgemeiner Kriterien. Diese besagen, dass der Patient die folgenden Bedingungen erfüllen muss:

  • Du hast jedes Mal Symptome, wenn du der betreffenden Substanz ausgesetzt bist.
  • Chronischer Verlauf.
  • Das Verschwinden der Symptome von Zeit zu Zeit, mit Intervallen ohne allergische Anzeichen.
  • Mehrfache Beteiligung von Geweben und Organen zur gleichen Zeit.

Die andere ist die Verwendung des QEESI-Fragebogens: Das ist ein Instrument, das den Grad der Schwierigkeiten misst, die der Patient mit seiner Krankheit hat. Er misst dies anhand von Fragen, die der Patient beantworten muss. Anhand der Punktzahl, die sich aus den Antworten ergeben, kann der Arzt den Schweregrad einstufen.

Ärzte, die Fibromyalgie behandeln, verwenden ebenfalls den QEESI-Fragebogen als Bewertungsinstrument. Das unterstreicht den Gedanken, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Krankheiten gibt.

Abschließende Gedanken über multiple Chemikalien-Sensitivität (MCS)

Zu Beginn dieses Artikels haben wir gesagt, dass die multiple Chemikalien-Sensitivität ein Problem in der Arbeitswelt ist. Aus diesem Grund ist es für Unternehmen und Versicherer schwierig, sie als Berufskrankheit anzuerkennen.

Es lohnt sich jedoch zu fragen, was Ärzte für die Betroffenen tun können, die bei ihrer Arbeit starken Chemikalien ausgesetzt sind. Für diese Situation gibt es keine einfache Lösung, vor allem, wenn es sich um eine Krankheit handelt, die nicht immer präzise diagnostiziert wird.

In der Zwischenzeit werden die Wissenschaftler die Krankheit weiter erforschen und versuchen, alle Zweifel auszuräumen. Möglicherweise werden sie in naher Zukunft einen Test entwickeln, um diese Krankheit genau zu diagnostizieren.

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