Mein Partner hat Depressionen: Was tun?

19 Juni, 2020
Menschen mit Depressionen erfahren tiefe Traurigkeit und Apathie. Die Unterstützung durch nahestehende Personen ist deshalb wesentlich, um diesem Zustand zu entkommen. In diesem Rahmen ist es wichtig zu wissen, was man tun kann, oder was man nicht sagen sollte, um der betroffenen Person die richtige Hilfe geben zu können. 

Oft möchten wir anderen helfen, wissen jedoch nicht genau wie, oder begehen dabei Fehler. Die guten Absichten helfen nicht immer, deshalb ist es wichtig, sich zuerst gründlich zu informieren. Denn in manchen Fällen erreicht man genau das Gegenteil, wenn man nicht richtig vorgeht. Wenn deine Partnerin oder dein Partner an Depressionen leidet, haben wir heute verschiedene Empfehlungen für dich, die dir helfen werden, richtig zu handeln, um sie oder ihn tatsächlich zu unterstützen. 

Depressionen

Frau mit Depressionen
Es ist sehr wichtig, die Person mit Depressionen nicht für ihren Zustand zu beschuldigen.

Wir sprechen von einer psychischen Störung, die sich durch Traurigkeit, Apathie, Grübeln und Lustlosigkeit äußert. Betroffene verlieren oft das Interesse an allen Aktivitäten und benötigen deshalb Hilfe und Unterstützung, doch auch viel Geduld und Verständnis von ihrer Familie und Freunden. 

Depressionen können vorübergehend auftreten, jedoch auch chronisch werden. Außerdem kann es sich um eine leicht depressive Phase, oder um einen ernsten Zustand handeln. Dabei treten folgende Symptome auf:

  • Traurigkeit und das Gefühl der Leere
  • Lust zu weinen
  • Verlust des Interesses an den meisten Dingen
  • Müdigkeit und Mangel an Energie
  • Appetitlosigkeit oder genau das Gegenteil
  • Angst und Nervosität
  • Reizbarkeit, Zorn usw.

Fachärztliche Unterstützung ist in diesem Fall sehr wichtig, um Komplikationen zu vermeiden. Ernste Depressionen können eine pharmakologische Behandlung erforderlich machen.

Die Hilfe der Familie und nahestehender Menschen ist auf jeden Fall grundlegend, auch wenn es sich um leichte Depressionen handelt. Wenn jedoch die Partnerin oder der Partner an einer Depression leidet, wissen viele nicht, wie sie damit umgehen können, wie sie sich verhalten sollen oder worüber sie sprechen dürfen oder nicht.

Vorsicht und ausreichend Information sind in diesem Fall sehr wichtig, um der betroffenen Person bestmöglich helfen zu können.

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Meine Partnerin oder mein Partner hat Depressionen: Was sagen und was besser nicht?

Mein Partner hat Depressionen: Was sagen und was besser nicht?
Verständnis und Geduld sind bei Menschen mit Depressionen besonders wichtig.

Du hast sicher bereits einmal mit guten Absichten zu deiner Partnerin oder zu deinem Partner Sätze wie folgende gesagt oder sagen wollen:

  • «Mit Willenskraft wirst du das schaffen.»
  • «Du musst etwas tun und das Beste von dir geben.»
  • «Geh mehr aus dem Haus, damit du einen klaren Kopf bekommst.»
  • «Dank an alles, was du hast. Du hast keinen Grund dafür, dich so zu fühlen.»

Diese Sätze sollte man jedoch zu einer Person mit Depressionen nie sagen. Sie vereinfachen und trivialisieren die Situation, die meist sehr kompliziert und schwierig ist. Man verlangt damit von der betroffenen Person eine Anstrengung, die sie nicht erbringen kann, oder dass sie etwas als unwichtig betrachtet, das ihr jeden Tag großes Leid zufügt.

Menschen mit Depression quälen sich und beschuldigen sich selbst, wegen all der Dinge, die sie nicht tun können. Außerdem können sie meist nicht verstehen, warum sie sich so fühlen. Es ist also nicht nötig, sie daran zu erinnern.

Was du jedoch deiner depressiven Partnerin oder deinem Partner sagen kannst, sind positive und konstruktive Sätze wie:

  • «Was kann ich für dich tun?»
  • «Ich bin bei dir.»
  • «Du bist nicht allein.»
  • «Es ist nicht deine Schuld
  • «Es wird wieder vorbeigehen. Ich bin an deiner Seite.»
  • «Ich liebe dich.»

Deine Unterstützung ist auf diese Weise bedingungslos, ohne unfreiwillige Vorwürfe über die Situation und ohne Schuldgefühle.

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Was tun, wenn meine Partnerin oder mein Partner an einer Depression leidet?

Hilfe bei Depressionen
Biete deiner Partnerin oder deinem Partner Hilfe und Unterstützung an. In ernsten Fällen ist eine Therapie erforderlich.

Du kannst sehr viel für deine Partnerin oder deinen Partner tun, um sie oder ihn in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Anschließend findest du verschiedene Empfehlungen, die dir weiterhelfen können:

Verständnis

Du musst verstehen, dass es sich nicht um einen emotionalen Zustand handelt, den man sich aussuchen kann. Die Ursachen sind vielleicht auch der betroffenen Person selbst nicht bekannt. Es ist nicht ihre Schuld.

Geduld

Depressionen können sehr langfristig auftreten. Du benötigst deshalb viel Kraft und darfst dich selbst nicht vernachlässigen. Übe dich in Geduld und Verständnis und biete deine Hilfe und Liebe immer wieder an, solange der Genesungsprozess dauert. 

Kein Zwang

Wie bereits erwähnt, fühlt sich die depressive Person meist schuldig, da sie nicht fähig ist, die Dinge zu verändern. In diesem Sinne solltest du sie nicht dazu zwingen, außer Haus zu gehen oder neue Aktivitäten zu beginnen, denn dies könnte kontraproduktiv sein. 

Beobachte Selbstmordgedanken

Auch wenn es dazu nur in extremen Fällen kommt, musst du aufmerksam sein: Manche Menschen mit Depressionen haben Selbstmordgedanken. Deshalb ist es sehr wichtig, auf folgende Anzeichen aufzupassen:

  • Bemerkungen zum Thema Selbstmord (“Ich will nicht leben”, “Wenn ich tot wäre, ginge es mir besser”, “Ich möchte mich umbringen”…)
  • Möglicher Erwerb von Mitteln, die den Selbstmord ermöglichen
  • Die betroffene Person macht ein Testament, organisiert ihre Besitztümer usw.
  • Sie verabschiedet sich von geliebten Personen.

Es können jedoch auch ganz andere Anzeichen vorhanden sein, die oft alles andere als offensichtlich sind. Diese Art von Gedanken benötigen unbedingt sofortige professionelle Unterstützung durch einen erfahrenen Experten.

Biete deine Hilfe an

Wie bereits erwähnt, benötigt die betroffene Person in diesem Fall deine bedingungslose Hilfe, ohne sie zu zwingen oder ihr das Gefühl zu geben, dass sie unfähig ist, mit der Situation umzugehen oder dass es sich nur um Nebensächlichkeiten handelt. In vielen Fällen ist es nicht notwendig, etwas zu sagen. Es reicht oft schon, einfach an der Seite der depressiven Person zu sein. Sie muss wissen, dass sie nicht allein ist.

Andererseits ist es auch wichtig, ihr nahezulegen, wie wichtig eine Behandlung ist. Du könntest deiner Partnerin oder deinem Partner eine Therapie empfehlen, um die Situation zu verbessern. Allerdings musst du dabei beachten, dass die betroffene Person die endgültige Entscheidung selbst treffen muss.

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