Manisch-depressiv: die bipolare Störung

· 22 Januar, 2019
Was ist eine „bipolare Störung“, mit welchen Symptomen kann man sie erkennen und wie sind die Behandlungsmethoden. Alles Wissenswerte über diese Krankheit!

Die bipolare Störung wurde früher auch manisch depressive Erkrankung genannt.

Wer unter einer bipolaren Störung leidet, ist psychisch erkrankt und führt eine Art „Leben in der Berg- und Talbahn“, weil sich extrem positive und extrem negative Stimmungen unkontrollierbar abwechseln.

Die bipolare Störung ist nicht nur Depression!

Der überholte Name der bipolaren Störung „manisch depressive Erkrankung“ legt den Verdacht nahe, dass es sich bei der bipolaren Störung um eine Depression handelt.

Doch Depression ist nur die halbe Wahrheit dieser psychischen Erkrankung, denn die Gefühle schwanken zwischen extrem gut und extrem schlecht.

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Jedoch hat die bipolare Störung eins gemeinsam mit der Depression: je eher diese erkannt und behandelt wird, desto schneller geht es Betroffenen besser!

Betroffene erleben ein ständiges Wechselbad zwischen extrem euphorischen, manischen Phasen und Phasen tiefer Depression. Dies macht ein geregeltes Leben sehr schwer bis unmöglich.

Frau hat bipolare StörungSymptome der bipolaren Störung

Betroffene erleben ständige Stimmungsschwankungen, die nicht den äußeren Umständen zuzuordnen sind.

Es gibt also keinen erkenn- und erklärbaren Grund, warum Betroffene in eine depressive Phase fallen oder aus ihr heraus in euphorische Zeiten wechseln.

Die Stimmungsschwankungen orientieren sich nicht an Situationen und Begebenheiten und ändern in einer Eigendynamik ihre Ausrichtung. Dazwischen liegen aber auch oft Episoden mit ausgeglichener Stimmung.

Man muss daher zwischen den Symptomen einer extrem positiven und extrem negativen Phase unterscheiden, weswegen wir die jeweiligen Symptome auch gerne getrennt voneinander aufzählen möchten:

Symptome manischer Phasen

Die Symptome einer manischen Phase des Erkrankten können vielfältig sein. Treten jedoch mindestens drei dieser Verhaltensweisen über die Dauer von etwa einer Woche auf, so kann man von einer manischen Phase sprechen:

  • Gesteigerte Aktivität
  • Ruhelosigkeit
  • Rededrang
  • Ideenflucht
  • Gedankenrasen
  • Verlust sozialer Hemmungen
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Überhöhte Selbsteinschätzung
  • Ablenkbarkeit
  • Ständiger Wechsel von Aktivitäten
  • Tollkühnes oder rücksichtsloses Verhalten
  • Gesteigerte Libido
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Leichtsinniges oder verantwortungsloses Verhalten
  • Gesteigerte Geselligkeit

Mann hat bipolare StörungSymptome depressiver Phasen

Im Gegensatz dazu fällt der Betroffene in depressive Phasen, von denen man spricht, wenn folgende Symptome über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen die Stimmung, das Verhalten und das Leben Erkrankter Personen beeinflussen:

  • Depressive Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Antriebsmangel
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Selbstvorwürfe
  • Schuldgefühle
  • Todes- und Suizidgedanken
  • Unentschlossenheit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung
  • Schlafstörungen
  • Appetitstörungen

Besonders schwierig sind Mischformen, bei der Betroffene entweder in kurzen Episoden zwischen beiden Gemütszuständen wechseln oder Anzeichen für beide gleichzeitig zeigen.

Dies zeigt sich beispielsweise in gesteigerter Aktivität bei depressiver Grundstimmung.

Kann man das behandeln?

Die bipolare Störung ist keine Krankheit, die schnell und einfach behandelt werden kann. Manchmal dauert sie ein ganzes Leben an und Betroffene müssen sich auf eine fortwährende Therapie einstellen.

Das Ziel ist es, Betroffenen ein geregeltes Leben zu ermöglichen, indem man die Stimmungslage normalisiert und erhält. Dies wird mit intensiver Psychotherapie und unter Umständen auch mit unterstützenden Psychopharmaka erreicht.

Beide Therapieformen können zum lebenslangen Begleiter betroffener Personen werden.

FrauenhandWie als Angehöriger damit umgehen?

Zunächst ist wichtig, zu erkennen, dass eine Krankheit vorliegt, die behandelt werden muss. Es gilt, den Betroffenen davon zu überzeugen, Hilfe zu suchen und diese auch konsequent anzunehmen. Angehörige sollten dabei unterstützend wirken.

Wichtig ist auch, zwischen Krankheitssymptomen und tatsächlichen Charakterzügen und –schwächen zu unterscheiden. Dies kann man einfach für sich herausfinden, indem man sich fragt, ob der/die Betroffene etwas nicht will oder aufgrund der Krankheit nicht kann.

Auch, wenn es schwer ist, so ist es wichtig, dies genau zu unterscheiden!

Befindet sich ein Angehöriger gerade in einer depressiven Phase, so nützt es nichts, gut gemeinte Ratschläge zu geben.

Dies führt nur zu Spannungen, weil der Erkrankte diesen nicht nachkommen kann. Stattdessen sollten Angehörige in solch dunklen Phasen erkennen, welche Entscheidungen für den Betroffenen gefällt werden müssen und welche Dinge man für Erkrankte Personen organisiert, weil sie selbst dazu nicht in der Lage sind.

Schütz dich selbst

Ganz wichtig: ist dein Partner oder eine andere nahestehende Person betroffen, so bedeutet das nicht, dass du verpflichtet bist, dein Leben der Erkrankung unterzuordnen!

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Auch, wenn es schwer fällt, einen Kranken sich selbst zu überlassen, solltest du diese Entscheidung fällen, wenn du Gefahr läufst, dir selbst durch die zu große Nähe und Anteilnahme am Geschehen zu schaden.

Um dich selbst zu schützen darfst du persönliche Konsequenzen ziehen und dich gegebenenfalls trennen. Lass nicht zu, dass du auf lange Sicht „co-abhängig“ wirst, nur weil dein Angehöriger psychisch erkrankt ist!

Doch zunächst versuche, Betroffenen zu helfen, aber setz dir dabei Grenzen, um dir nicht selbst zu schaden. Sei konsequent mit dir selbst!

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