Low-Carb-Diät: intellektuelle Leistung und Emotionen

11 Februar, 2020
Low-Carb-Diäten sind sehr beliebt, doch man sollte sich genau informieren, bevor man damit beginnt. Wichtig ist unter anderem, die Auswirkungen dieser Ernährungsform auf die intellektuelle Leistung und die Emotionen zu kennen. Erfahre mehr zu diesem Thema in unserem heutigen Artikel. 

Die Vorteile der Low-Carb-Diät (Ernährung mit wenigen Kohlenhydraten) werden insbesondere von Menschen genutzt, die abnehmen möchten. Dabei sollten jedoch auch die Auswirkungen auf die kognitive Leistung und die Emotionen berücksichtigt werden. Ist diese Ernährungsform langfristig tatsächlich zu empfehlen?

Es ist richtig, dass der Organismus Glucose aus allen Makronährstoffen erhalten kann: aus Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen. Doch wenn ihm keine Kohlenhydrate als Energiequelle zur Verfügung stehen, ist er bei Weitem nicht so effektiv und dies könnte negative Folgen auf die Gehirnleistung haben. 

Low-Carb-Diät

Als Low-Carb-Diät bezeichnet man Ernährungsformen, in denen der Kohlenhydratanteil weniger als 30 Porzent des gesamten Energiekonsums beträgt. In den letzten Jahren haben sich diese Diäten zu den beliebtesten Strategien entwickelt, um an Gewicht zu verlieren. 

Der Grund dafür ist, dass Kohlenhydrate eine wichtige Rolle bei der Einlagerung von Körperfett spielen. Doch es gibt auch andere Lösungen, die Kohlenhydrate nicht verbieten, sondern nur etwas reduzieren, und den glykämischen Index anpassen.

Noch ein interessanter Artikel: Glykämischer Index (GI): Was ist das?

Low-Carb-Diät und intellektuelle Leistung

Das menschliche Gehirn umfasst nur 2 Prozent des gesamten Körpergewichtes, verbraucht jedoch 20 bis 30 Prozent der täglich konsumierten Energie. Wir sprechen also von einem sehr anspruchsvollen Organ, das für eine effiziente Energieversorgung vorwiegend Kohlenhydrate als Brennstoff verwendet. 

Das Gehirn benötigt große Mengen an Brennstoff, um fähig zu sein, komplexe Funktionen zu realisieren.

Low-Carb-Diät und Gehirn

Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass Ernährungsformen mit sehr wenigen Kohlenhydraten eine negative Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben. Sie beeinflussen also beispielsweise die Lernfähigkeit, die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis.

Doch dies scheint nur kurzfristig der Fall zu sein, wobei auch berücksichtigt werden muss, dass nur wenige Menschen eine Low-Carb-Diät über einen längeren Zeitraum durchführen. 

Wenn langfristig keine Kohlenhydrate verzehrt werden und die Low-Carb-Ernährung zu einem Lebensstil wird, scheint der Organismus sich anzupassen und effizienter Energie aus Aminosäuren (Grundbausteine der Eiweiße) und Fettsäuren herzustellen. Die meisten langfristig durchgeführten Studien konnten keine Verschlechterung der kognitiven Funktionen feststellen. 

Wenn wir von Menschen mit kognitivem Verfall sprechen, könnte die Low-Carb-Diät sogar Vorteile haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Gehirn von Alzheimer-Patienten die Fähigkeit verliert, Glucose als Energiequelle zu nutzen. In der Folge schreitet der kognitive Verfall weiter fort.

Doch zumindest während der ersten Phasen der Krankheit ist der Organismus von Alzheimer-Patienten fähig, Ketonkörper (organische Verbindungen, die in der Leber bei der Oxidation von Fettsäuren gebildet werden) als Energiequelle zu nutzen. 

Die Schlussfolgerung ist also, dass Low-Carb-Diäten die intellektuelle Leistung bei Patienten mit leichtem kognitiven Verfall verbessern könnten. Dies geht aus den Ergebnissen einer Vorstudie hervor, die in der Zeitschrift Journal of Alzheimers Desease im April 2019 veröffentlicht wurde. Es ist also schade, dass es so schwierig ist, diese Ernährungsform langfristig tatsächlich durchzuhalten.

Hast du diesen Beitrag schon gelesen? Senile Demenz und Alzheimer: Wo liegt der Unterschied?

Und wie schaut es auf emotionaler Ebene aus?

In diesem Fall sieht die Situation anders aus: Im Unterschied zu den kognitiven Auswirkungen, die eine Low-Carb-Diät erzielen kann, scheint diese Ernährungsform zwar nicht kurzfristig, jedoch langfristig negative Folgen für den emotionalen Zustand zu haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei kohlenhydratarmen Diäten der Serotoninspiegel im Gehirn sinkt.

Kohlenhydrate verbessern den Serotoninspiegel während dieser von Proteinen und Fetten reduziert wird.

Low-Carb-Diät und Auswirkungen auf das Gehirn

Die Adhärenz bei einer Low-Carb-Diät

Low-Carb-Diäten erzielen meist nur eine sehr geringe Adhärenz. Das bedeutet, dass nur wenige Menschen dazu fähig sind, diese Ernährungsform langfristig umzusetzen. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  1. Der Verzicht auf Kohlenhydrate entspricht nicht dem gesellschaftlich etablierten Muster. In der westlichen Kultur bilden Getreide, Knollen, Obst und Hülsenfrüchte die Ernährungsgrundlage. Darauf zu verzichten bedeutet eine sehr große Umstellung und strikte Opfer, die das Durchhalten der Diät sehr schwierig machen. Die Ernährung hat auch eine gesellschaftliche Funktion, die mit Low-Carb-Diäten nicht erfüllt werden kann.
  2. Die Einschränkung von Nahrungsmitteln mit Kohlenhydraten reduziert die Möglichkeiten stark. In der Folge ist die Ernährung oft monoton und unhaltbar.
  3. Wie bereits erwähnt, wirkt sich eine kohlenhydratarme Ernährung negativ auf den Gemütszustand aus. Wir verwenden unsere Ernährung häufig, um unsere Stimmung zu verbessern und dies ist bei einer Low-Carb-Diät nicht möglich.

Ausgenommen von wenigen Ausnahmefällen und unabhängig von den theoretischen Vorteilen für den Körper scheint die Low-Carb-Diät also keine gute Ernährungsalternative zu sein: Sie kann kurzfristig die kognitive Leistungsfähigkeit reduzieren und wirkt sich außerdem negativ auf den Gemütszustand aus. Darüber hinaus wird damit selten eine Adhärenz erreicht.

Am besten verzichtest du auf strikte Diäten und entscheidest dich für eine langfristig gesunde Ernährungsform. Konzentriere dich nicht auf theoretische Vorteile einer Diät, denn die beste Diät ist immer die, die tatsächlich durchgeführt wird.