Klaustrophobie: Alles, was du wissen musst

Klaustrophobie ist die starke Angst, an einem Ort eingesperrt zu sein. Sie verursacht Unbehagen und Ängste bei denjenigen, die darunter leiden. In diesem Artikel erklären wir dir alles, was du darüber wissen musst.
Klaustrophobie: Alles, was du wissen musst

Letzte Aktualisierung: 09. Februar 2022

Lieber sechs Stockwerke hochgehen, als einen Aufzug zu nehmen. Den Bus oder die U-Bahn meiden. Dies sind einige der Verhaltensweisen, die Menschen mit Klaustrophobie aufgrund ihrer Angst vor geschlossenen Räumen zeigen.

Auf den ersten Blick scheint diese Angst das Leben nicht wirklich stark zu beeinträchtigen. Schließlich kann man den Bus durch ein Fahrrad und den Aufzug durch die Nutzung von Treppen ersetzen. Könnte man meinen…

Allerdings solltest du wissen, dass sich diese Phobie nicht nur weiter verstärken und sich auf andere ähnliche Situationen ausweiten kann. Darüber hinaus kann sie tatsächlich auch zu erheblichen Einschränkungen in deinem Leben führen und dir die Freiheit nehmen, so zu leben, wie du möchtest. Klaustrophobie ist eine Angst, die dich auf eine passive, den Umständen unterworfene Position in deinem eigenen Leben zu beschränken droht.

In diesem Artikel wollen wir uns genauer ansehen, was Klaustrophobie ist und was man dagegen unternehmen kann.

Was ist Klaustrophobie?

Wie alle Phobien ist Klaustrophobie eine übermäßige und irrationale Angst, die durch die Präsenz oder Erwartung des phobischen Objekts oder Reizes ausgelöst wird. In diesem speziellen Fall handelt es sich um eine situationsbedingte Phobie. Die Betroffenen haben Angst, sich an einem geschlossenen Ort aufzuhalten, aus dem man nur schwer wieder herauskommt.

Obwohl man sich gemeinhin vorstellt, dass Klaustrophobie auf geschlossene, kompakte Räume wie einen Aufzug oder eine Sonnenbank beschränkt ist, kann sie tatsächlich verschiedene Formen annehmen und sich in einer Vielzahl von Situationen äußern. Das liegt daran, dass die Person mit der Phobie jede Situation mit dem gefürchteten Reiz in Verbindung bringen kann. Klaustrophobie kann zum Beispiel in einem Tunnel, in einem Flugzeug oder sogar in einer Umkleidekabine oder in öffentlichen Verkehrsmitteln auftreten.

Eine der größten Schwierigkeiten für Menschen, die unter einer Phobie leiden, ist die Vermeidung. Die Betroffenen beginnen, bestimmte Situationen zu vermeiden, die direkt oder indirekt mit dem zu tun haben, wovor sie Angst haben. Dadurch wird ihr tägliches Leben oft stark beeinträchtigt.

Eine Phobie kann auch durch positive Verstärkung aufrechterhalten werden. Die Betroffenen versuchen dann zum Beispiel sehr stark, ihre eigenen “Bedürfnisse” zu befriedigen und werden dadurch “abhängig” von bestimmten Bewältigungs- bzw. Vermeidungsstrategien. Dies vermittelt ihnen das Gefühl, sie hätten die Situation einigermaßen unter Kontrolle. Allerdings ist der Preis hierfür sehr hoch: Sie berauben sich nämlich bestimmter Erfahrungen.

Darüber hinaus können die Ängste auch darin bestehen, körperlichen Schaden zu erleiden oder sich vor anderen Menschen lächerlich zu machen. Tatsächlich kann Klaustrophobie auch als Teil des Krankheitsbildes der Agoraphobie auftreten.

Klaustrophobie - Mann hinter einem Vorhang
Patienten mit Klaustrophobie ändern ihre Routinen, um Situationen zu vermeiden, die sie für gefährlich halten.

Die Symptome der Klaustrophobie

Einige der Symptome von Klaustrophobie sind die folgenden:

  • Schwitzen
  • Nervosität und Angstzustände
  • Schwierigkeiten beim Atmen
  • Tachykardie oder Herzrasen
  • Erhöhter Blutdruck
  • Schwindel und Kopfschmerzen

Außerdem ist es wichtig zu bedenken, dass Phobien oft zusammen mit anderen Störungen wie Angstzuständen, Depressionen und Panikattacken auftreten. Daher ist es nicht ratsam, sie zu ignorieren oder sie als unwichtig abzutun.

Klaustrophobie: Verschiedene Bewältigungsoptionen

Es gibt verschiedene Techniken und Übungen, die zur Bewältigung von Phobien eingesetzt werden können. Zum Beispiel ist die kognitive Verhaltenstherapie bei Menschen mit Klaustrophobie sehr erfolgreich.

Einige andere empfohlene Techniken sind die folgenden:

  • Entspannung: Die Person muss lernen, zu atmen und sich zu beruhigen, um die Angst zu stoppen, wenn sie sie erlebt. Auch Übungen wie das Rückwärtszählen von 100 auf 0 können hilfreich sein, denn hierdurch wird eine Ablenkung von der unangenehmen Situation erreicht. Außerdem schreiben manche Menschen beruhigende Sätze auf, um sich zu entspannen, und halten sie griffbereit, wenn sie sie brauchen.
  • Psychoedukation: Sie ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Behandlung, da sie dem Patienten/der Patientin erklärt, woran er/sie leidet, und versucht, ihn/sie zu stärken und Bewältigungsressourcen bereitzustellen. Hier geht es darum, zu lernen, zu antizipieren und zu erkennen, wann Angstzustände auftreten, damit ein rechtzeitiges Eingreifen erfolgen kann.
  • Teilnehmende Modellierung ist eine weitere Technik, die Experten anwenden, indem sie der Person anhand einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen, welches Verhalten oder welche Verhaltensweisen sie ausführen soll.

Weitere Techniken

  • Live-Exposition: Dies ist eine der letzten Phasen im schrittweisen Ansatz zur Behandlung von Klaustrophobie. Sie gilt als eine der effektivsten Techniken. Dazu arbeitet man in der Regel mit einem/r Therapeuten/in zusammen, um eine Hierarchie der Ängste anzusprechen, damit der Patient/die Patientin die Exposition allmählich akzeptiert und er/sie nicht gleich zu Beginn einer nur schwer erträglichen Situation ausgesetzt wird. Dies geschieht am besten in Begleitung eines/r Therapeuten/in, der/die die Betroffenen anleitet. Das Ziel ist jedoch, dass die Person diese Erfahrungen allmählich verinnerlicht und sie in ihrem eigenen Leben anwendet. Die erste Reaktion besteht meist darin, vor etwas zu fliehen, vor dem man Angst hat. Es ist jedoch wichtig, an Ort und Stelle zu bleiben, die Übungen anzuwenden und zu erfahren, wie die Angst nach und nach abnimmt.
Klaustrophobie - Frau greift sich an den Oberkörper
Die Vermittlung von Entspannungstechniken zur Verringerung der Klaustrophobie-Symptome ist ein Teil des therapeutischen Ansatzes.

Die Bewältigung von Ängsten ist ein Prozess

Phobien können unterschiedlich weit fortgeschritten und komplex sein. Wer zum Beispiel eine Schlangenphobie hat, wird in seinem Alltag keine größeren Schwierigkeiten oder Einschränkungen erleben, es sei denn, er/sie lebt auf dem Land oder in einer Region, in der es viele Schlangen gibt.

Für Menschen mit einer Blutphobie kann der Alltag jedoch etwas komplizierter sein. Deshalb ist es wichtig, Phobien die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen. Je früher du aktiv wirst und etwas unternimmst, desto besser ist die Prognose und desto leichter ist es, wieder eine gute Lebensqualität zu erreichen.

Es geht darum, zu lernen, mit der Angst umzugehen und sie zu bewältigen, anstatt sie zu beseitigen. Zu lernen, die Angst als Verbündeten zu nutzen und sie nicht als Feind zu betrachten, ist der Schlüssel zur Überwindung von Phobien wie Klaustrophobie.

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