In Spanien werden zwei Kinder ohne Brustkrebs Gen geboren

· 17 März, 2016
5 bis 10% aller Brustkrebserkrankungen sind genetisch bedingt

Gentechnik muss nicht immer gesundheitsschädlich oder bedenklich sein. Mit Hilfe gentechnischer Untersuchungen können Erbkrankheiten diagnostiziert und auch ausgeschlossen werden. Das Brustkrebs Gen wird normalerweise vererbt.

In Spanien kamen nun zwei Mädchen zur Welt, die dank Präimplantationsdiagnostik und daraus resultierender Selektion von gesunden Embryonen frei von Brustkrebs verursachendem Erbgut sind.

Brustkrebs ist tödlich

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung von Frauen. Er existiert auch bei Männern, ist aber wesentlich seltener. Mindestens 60.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs.

Unter allen Krebserkrankungen der Frauen gehen 28% auf Brustkrebs zurück. Es macht also Sinn, sich eingehend mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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Wenn man sich die Statistiken ansieht, ist eins klar: Ein gesunder Lebensstil verhindert Krebs am effektivsten. Dabei ist es unerheblich, um welchen Krebs es sich handelt.

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein um 30% erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Übergewichtige Frauen ein um 2,5-fach erhöhtes Risiko.

Bewegungsmangel steigert das Risiko um satte 25%, Rauchen gar um 30%. Wer viel rotes Fleisch ist und zu wenig Vitamin D3 durch Sonneneinstrahlung aufnimmt, erkrankt auch häufiger.

In 5 bis 10% aller Brustkrebsfällen ist die Erkrankung aber genetisch bedingt und wird somit von Generation zu Generation weitervererbt.

Vorbeugung-gegen-BrustkrebsDas Brustkrebs-Gen

Die beiden Gene BRCA1 und BRCA2 sind dafür verantwortlich, dass eine Veranlagung zur Erkrankung an Brustkrebs weiter vererbt wird.

Leider werden diese Gene dominant vererbt, sodass sie von Betroffenen mit großer Wahrscheinlichkeit an die nächste Generation weitergegeben werden.

Die Wahrscheinlichkeit dessen liegt bei mindestens 50%. Wer dieses Gen in sich trägt, erkrankt nicht zwangsläufig an Brustkrebs und selbst wenn, stirbt man nicht immer daran.

Wird der Krebs rechtzeitig entdeckt, ist die Chance sehr groß, dass die Therapie anschlägt und der Körper den Krebs besiegt.

Vererbung vermeiden

In Spanien hat nun eine junge Frau in Zusammenarbeit mit dem Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI) in Galizien eine Entscheidung getroffen, die überdies zu kontroversen Diskussionen geführt hat.

Weil in ihrer Familie mütterlicherseits in jeder Generation Brustkrebs auftrat und daran ihre Ur-Uroma, Uroma und Oma verstorben sind, wollte die Frau deren Namen nicht genannt werden soll, ausschließen, dass ihre Kinder dieses Gen von ihr vererbt bekommen.

So ließ sie zunächst sich selbst testen, wobei das BRCA1 und BRCA2 Gen jeweils festgestellt wurde. Dies würde bedeuten: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit würde sie das Risiko dieser tödlichen Krankheit dann an ihre Kinder vererben.

Gemeinsam mit ihrem Mann entschied sie sich für eine künstliche Befruchtung und vorheriger Selektion der Embryonen nach erfolgter Präimplantationsdiagnostik.

LaborPräimplantale Selektion

In der Petrischale wurden nun mit staatlicher Genehmigung von der „Comisión Nacional de Reproducción Asistida del Ministerio de Sanidad“ (Nationale Kommission des Gesundheitsministeriums für Reproduktion) insgesamt 11 Embryonen gezeugt.

Von denen nur drei frei von den BRCA Genen waren.

Von diesen drei Embryonen wurden der Frau zwei eingepflanzt, das dritte Embryo wurde eingefroren und dann für eine mögliche spätere künstliche Befruchtung aufbewahrt.

Das Ehepaar hatte Glück: Beide Embryonen entwickelten sich zu zwei gesunden Mädchen, die letzten Sommer geboren wurden.

Nicht das erste Mal

Der betreuende Arzt, Elkin Muñoz, versichert, dass dies nicht der erste Fall in Spanien war, bei dem es zur präimplantalen Selektion durch Präimplantationsdiagnostik von Enbryos ohne Brustkrebs-Gen gekommen ist.

Im Vorfeld waren bereits in Zaragoza und Madrid zwei Jungen ohne diese Gene durch künstliche Befruchtung auf die Welt gekommen.

Gentechnik Ethisch strittig

In Deutschland ist die Präimplantationsdiagnostik und anschließende Selektion von Embryonen sehr umstritten, wie auch eine Abtreibung, wenn ein Embryo im Bauch der Mutter mit einer Erbkrankheit belastet ist.

Es ist zwar erlaubt, ein behindertes Kind nach einer Fruchtwasseruntersuchung bis zu einem bestimmten Grad der Entwicklung abzutreiben, nicht aber, dies durch Präimplantationsdiagnostik  in der Petrischale von vornherein auszuschließen.

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Erst kürzlich wurde vor dem Bundesgerichtshof (BGH) ein Arzt aus Berlin freigesprochen, der bei Eltern eines behinderten Kindes mittels Präimplantationsdiagnostik eine Selektion von gesunden Embryonen vorgenommen hatte.

Somit ist nun die deutsche Politik in der Pflicht, dieses Versäumnis nachzuholen und für eine klare gesetzliche Regelung zu sorgen.

  • Breast Cancer Linkage Consortium, T. (1999). Cancer Risks in BRCA2 Mutation Carriers. JNCI Journal of the National Cancer Institute. https://doi.org/10.1093/jnci/91.15.1310
  • Van’t Veer, L. J., Dai, H., Van de Vijver, M. J., He, Y. D., Hart, A. A. M., Mao, M., … Friend, S. H. (2002). Gene expression profiling predicts clinical outcome of breast cancer. Nature. https://doi.org/10.1038/415530a