Herzgeräusche deuten

28 Mai, 2020
Wie Herzgeräusche zu deuten sind, hängt von einer Reihe von Eigenschaften ab, welche diese haben können. Diese Eigenschaften findet man beim Abhorchen des Patienten.

Herzgeräusche sind der häufigste Grund einer Anfrage in der pädiatrischen Kardiologie. Die meisten Fälle werden von der pädiatrischen Praxis in der Primärversorgung überwiesen. Dort kommen auch die ersten Fragen über die Art der Geräusche auf: Sind sie funktional oder organisch? Wie kann man Herzgeräusche deuten?

Die Herzgeräusche sind eine Folge von Turbulenzen im Blutfluss. Diese Turbulenzen produzieren Schallwellen, die man mit einem Stethoskop genannten Instrument hören kann. Manche Geräusche kann man sogar mit bloßem Ohr hören.

Bei einem Kind ohne medizinische Vorgeschichte und das keine Symptome irgendeiner Krankheit aufweist, lassen sich die Herzgeräusche durch Abhören diagnostizieren. Die Genauigkeit der Diagnose hängt großteils von der Hörschärfe des Arztes ab, der die Abhörung durchführt.

Herzgeräusche deuten

Herzgeräusche deuten
Die Herzgeräusche sind auf Turbulenzen im Blutfluss zurückzuführen, welche zahlreiche Gründe haben können.

Um die Herzgeräusche richtig zu deuten, ist es wichtig, systematische Aufmerksamkeit auf die einzelnen Phasen des Herzzyklus zu richten. Auch ist abzuwägen, dass sowohl die Atembewegungen als auch Änderungen der Haltung und bestimmte Manöver wichtige Informationen beisteuern können.

Wenn bei einer Herzuntersuchung Herzgeräusche auftreten, müssen eine Reihe von Aspekten in Betracht gezogen werden, welche diese charakterisieren:

  • Verortung im Herzzyklus: Die Geräusche müssen in Bezug zu den Herztönen gesetzt werden. So lassen sich systolische, diastolische und kontinuierliche Herzgeräusche unterscheiden.
  • Intensität: Man ordnet die Herzgeräusche je nach Intensität unterschiedlichen Graden zu. Obwohl sich eine Skala von 6 Graden machen lässt, ist es am üblichsten, eine Skala von 4 zu verwenden.
  • Ort: Es ist nützlich, den Ort der größten Intensität des Geräusches herauszufinden, da dies häufig der Leitfaden für die Diagnose ist.
  • Ausstrahlung: Es handelt sich um die Übertragung des Geräuschs vom Herd der größten Intensität auf ein anderes Gebiet.
  • Dauer: Je nach ihrer Ausdehnung während der Systole und der Diastole ist von kurzen oder langen Geräuschen die Rede.
  • Morphologie: Das ist der dynamische Aspekt des Geräusches.
  • Klangfarbe: Eine durch das Vorhandensein von Harmonischen oder musikalischen, harten, durch die Ausatmung bedingte und weiteren Obertönen bewirkte Klangeigenschaft.

Die Klassifizierung der Herzgeräusche nach ihrer Intensität

Wie bereits erwähnt, lassen sich die Geräusche in 4 Grade unterteilen:

  • 1. Grad: Es ist recht schwierig zu hören.
  • 2. Grad: Es ist zu hören, wenn man den Brustkorb mit dem Stethoskop abhört.
  • 3. Grad: Es ist sehr leicht zu hören, weil es intensiv ist.
  • 4. Grad: Es wird begleitet von einem sogenannten Fremitus oder einer spürbaren Vibration in der Wand des Brustkorbs.

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Verschiedene Arten der Herzgeräusche deuten

Herzgeräusche deuten
Es gibt verschiedene Geräusche je nach der betroffenen Phase des Herzzyklus.

Systolische Geräusche

Die systolischen Geräusche treten während der Systole auf, wie ihr Name schon sagt. Zugleich lassen sie sich in vier Unterarten klassifizieren: pansystolisch, ejektiv, protosystolisch und meso- oder telesystolisch.

Die pansystolischen Herzgeräusche betreffen die gesamte Systole ohne Veränderung ihrer Morphologie, die rechtwinklig ist. Außerdem verschwinden sie für gewöhnlich bei einer Insuffizienz der Segelklappen und bei der Mehrheit der Kammerscheidewanddefekte.

Dagegen handelt es sich bei den ejektiven Geräuschen um rhomboidale Herzgeräusche. Diese sind zu hören, wenn der Patient an einer Stenose in den ventrikulären Ausflussbahnen oder den Lungen- oder Aortenklappen leidet.

Hingegen beginnen die protosystolischen Geräusche, wenn sich die Segelklappen schließen, nehmen dann an Intensität ab und enden schließlich, bevor sich die Pulmonar- und die Aortenklappe schließen. Sie sind typisch für kleinere Defekte im muskulären Anteil der Herzkammerscheidewand.

Schließlich sind meso- oder telesystolische Herzgeräusche kurz. Sie befinden sich in der Mitte bzw. am Ende der Systole. Sie werden in der Regel mit einer leichten Mitralklappenerkrankung assoziiert.

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Diastolische Geräusche

Es sind Geräusche, die während der Diastole auftreten. Jedes isolierte diastolische Herzgeräusch ist pathologisch. Sie lassen sich folgendermaßen klassifizieren:

  • Protodiastolische Geräusche: Sie sind kurz und von abnehmender Intensität.  Sie entstehen durch eine Insuffizienz der Aorten- und der Pulmonalklappe.
  • Mesodiastolische Geräusche: Sie haben eine rhomboide Form und treten im Zentrum der Diastole auf. Sie entstehen durch einen erhöhten Blutfluss durch die Atrioventrikularklappen.
  • Telediastolische Geräusche: Sie treten am Ende der Diastole auf. Sie sind gewöhnlich von zunehmender Intensität und sind charakteristisch für eine Stenose der Atrioventrikularklappen.

Kontinuierliche Herzgeräusche

Diese Herzgeräusche haben ihren Ursprung in der Systole und enden in der Diastole. Sie entstehen, wenn eine Verbindung zwischen einem arteriellen und einem venösen Gefäß besteht. Funktionale und harmlose Geräusche sind am häufigsten.

Diese Art von Geräuschen sind bei der Hälfte der Kinder zu hören, wobei dieser Prozentsatz auf 80% steigen kann, wenn die Untersuchung in Situationen durchgeführt wird, welche die Herzfrequenz erhöhen.

Sie schließen per Definition das Vorliegen verdächtiger Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung aus. Einige der häufigeren funktionellen Geräusche sind das systolische vibratorische Still-Geräusch, Lungengeräusch, das Aortengeräusch und das Nonnensausen.

Auf jeden Fall ist es immer gut, sich der Existenz der Herzgeräusche und wie sie aufgespürt werden können, bewusst zu sein. Sie kommen für gewöhnlich in der Kindheit vor, führen aber in der Regel nicht zu größeren Problemen.

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