Essstörungen in der Schwangerschaft: Alles, was du wissen musst

Schwangere Frauen sind aufgrund der Veränderungen in ihrem Körper anfälliger für psychische Störungen. Leider treten Essstörungen in dieser Phase sehr häufig auf und sie werden oft nicht rechtzeitig diagnostiziert. Hier erfährst du alles, was du darüber wissen musst.
Essstörungen in der Schwangerschaft: Alles, was du wissen musst

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Viele Frauen beschreiben die Schwangerschaft als die schönste Zeit ihres Lebens. Allerdings ist diese Zeit nicht in allen Fällen so angenehm, und manche Schwangere sind anfälliger für psychische Störungen. Wenn du mehr über Essstörungen in der Schwangerschaft erfahren möchtest, lies einfach weiter!

Leider hat die Häufigkeit derartiger Störungen bei schwangeren Frauen in den letzten Jahren zugenommen. Studien zufolge ist 1 von 20 schwangeren Frauen davon betroffen, obwohl die Häufigkeit in den Industrieländern höher sein könnte.

Essstörungen in der Schwangerschaft wirken sich negativ auf die Gesundheit von Mutter und Kind aus. Deshalb ist es gut, mehr über das Thema zu erfahren und zu wissen, wie man diese Störungen erkennt.

Was sind Essstörungen und wie wirken sie sich auf die Schwangerschaft aus?

Essstörungen sind psychische Veränderungen, die bestimmte Störungen beim Essen beinhalten. Derartige Störungen stehen meist im Zusammenhang mit dem Körperbild und dem Gewicht. Junge Frauen sind besonders anfällig dafür, vor allem in der Pubertät.

Essstörungen verursachen verschiedene Ungleichgewichte im Körper, vor allem hormonelle Störungen. Daher leiden Frauen mit Essstörungen häufig unter unregelmäßiger Menstruation und Fruchtbarkeitsproblemen.

Die Komplikationen und Risiken nehmen zu, wenn Essstörungen während der Schwangerschaft auftreten. Das liegt daran, dass der Nährstoffbedarf in dieser Phase höher ist.

Eine der Hauptursachen für das Auftreten dieser Störungen bei schwangeren Frauen ist die übermäßige Angst vor einer Gewichtszunahme. Außerdem besteht ein Zusammenhang mit Ängsten und Depressionen, unter denen viele Frauen in dieser Zeit leiden.

Leider bleiben Essstörungen in der Schwangerschaft oft unbemerkt. Das liegt daran, dass manche Frauen sich schämen, das Problem zuzugeben und sich wegen der Risiken für das Baby schuldig fühlen.

Daher ist es sehr wichtig, die Warnsignale zu erkennen, die auf eine derartige Störung hinweisen können:

  • Übermäßiges Sporttreiben
  • Übermäßige Angst vor einer Gewichtszunahme
  • Ungewöhnlich hohe Nahrungsaufnahme
  • Unverhältnismäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
  • Angst vor den Mahlzeiten oder Vermeidung der Nahrungsaufnahme
Essstörungen in der Schwangerschaft - Frau mit Gewichten
Übermäßiges Sporttreiben während der Schwangerschaft kann auf eine fortschreitende Störung hinweisen.

Das sind die häufigsten Essstörungen in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen können unter vielen verschiedenen Essstörungen leiden. Diese Störungen können unterschiedlich lange andauern und sogar noch Jahre nach der Geburt bestehen bleiben.

1. Anorexia nervosa

Anorexia nervosa ist durch eine übermäßige Einschränkung der Nahrungsaufnahme gekennzeichnet, die zu einem beschleunigten und starken Gewichtsverlust führt. Frauen mit dieser Störung neigen dazu, eine sehr geringe Menge an Nährstoffen zu sich zu nehmen, die nicht ausreicht, um ihren Bedarf zu decken.

Anorexia nervosa ist eine der weltweit häufigsten Essstörungen. Laut einer Veröffentlichung im JAMA Psychiatry Magazin wird sie mit Schwangerschaftskomplikationen wie vermehrtem Erbrechen, Blutarmut und Frühgeburten in Verbindung gebracht.

Lies hier mehr über diese Krankheit: Körperliche Folgen der Magersucht

2. Essstörungen in der Schwangerschaft: Bulimia nervosa

Dies ist wahrscheinlich die häufigste Essstörung bei schwangeren Frauen. Sie ist gekennzeichnet durch regelmäßige Episoden von Essanfällen, gefolgt von Erbrechen und bestimmten kompensatorischen Verhaltensweisen. Kompensatorische Maßnahmen können von der Verwendung von Abführmitteln und induziertem Erbrechen bis hin zu übermäßigem Sporttreiben reichen.

Das Hauptziel der kompensatorischen Verhaltensweisen besteht darin, eine Gewichtszunahme durch Essanfälle zu vermeiden. Glücklicherweise nehmen die Symptome der Bulimia nervosa während der Schwangerschaft in der Regel ab. Dennoch ist in jedem Fall spezielle Hilfe erforderlich.

3. Binge-Eating-Störung

Diese Krankheit ist gekennzeichnet durch Essanfälle, gefolgt von einem Gefühl des Kontrollverlusts und Unbehagens nach dem Essen. Sie unterscheidet sich von Bulimia nervosa, weil es kein kompensatorisches Verhalten gibt.

Das Risiko einer Binge-Eating-Störung steigt in der Regel während der Schwangerschaft, da viele Frauen diese Zeit als perfekte Gelegenheit sehen, sich von restriktiven Diäten zu befreien. Obwohl eine Studie herausfand, dass das Gewicht vor der Geburt ein entscheidender Faktor ist, gibt es vielfältige Faktoren, die den Ausbruch der Störung beeinflussen.

Essstörungen in der Schwangerschaft und die möglichen Risiken

Wie wir bereits erwähnt haben, bergen Essstörungen in der Schwangerschaft vielfältige Risiken für Mutter und Kind. Jede Störung kann zu sehr unterschiedlichen Komplikationen führen.

Im Allgemeinen ziehen Essstörungen in der Schwangerschaft die folgenden Konsequenzen nach sich:

  • Frühgeburt
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Spontanabort
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Probleme mit der Atmung
  • Angeborene Fehlbildungen
  • Intrauterine Wachstumsbeschränkung
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt

Darüber hinaus führen Essstörungen in der Schwangerschaft auch zu Komplikationen nach der Geburt. Die betroffenen Frauen neigen eher zu Depressionen, Blutungen und können auch Probleme beim Stillen des Babys haben.

Essstörungen in der Schwangerschaft - Mutter mit Baby
Postpartale Depressionen werden häufiger bei Müttern festgestellt, die während der Schwangerschaft an Bulimie oder Magersucht litten.

Warum sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen?

Professionelle Hilfe bei Essstörungen in der Schwangerschaft ist unerlässlich, um die Symptome der Erkrankung zu behandeln und Schwangerschaftskomplikationen zu verhindern. Das Wichtigste ist, dass sich die Frauen eingestehen, dass sie ein Problem haben, trotz der gesellschaftlichen Stigmatisierung.

Leider gibt es für diese Pathologien keine spezifische Behandlung. Daher müssen sie von einer Gruppe verschiedener Spezialisten behandelt werden. Zunächst einmal ist ein/e Psychologe/in dafür zuständig, die Ursache des Problems zu ermitteln und zu behandeln.

Ein/e Ernährungsberater/in stellt eine angemessene und an die Bedürfnisse der Frau angepasste Ernährung zusammen. Darüber hinaus spielen in diesem Kontext natürlich auch Gynäkologen/innen und Kinderärzte/innen eine wichtige Rolle. Denn sie sind für die Überwachung des körperlichen Zustands von Mutter und Kind zuständig.

Essstörungen in der Schwangerschaft: Ein häufiges und unterschätztes Problem

Bei Essstörungen in der Schwangerschaft treten Veränderungen im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme und dem Körperbild der schwangeren Frau auf. Diese Störungen verursachen vielfältige Komplikationen bei der Frau und dem Baby und sollten daher sofort behandelt werden.

Leider bleiben sie oft unbemerkt, weil die Mütter nicht in der Lage sind, das Problem zu identifizieren. Deshalb ist es wichtig, die ersten Anzeichen zu erkennen und fachärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.


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