Die Mikrobiota: Ein eigenes “Ökosystem”

11 August, 2020
Die Mikrobiota ist extrem komplex, denn im Darm sind unzählige Bakterien zu Hause. Manche sind essenziell und immer vorhanden, andere wiederum haben in diesem "Ökosystem" keine feste Bleibe. Erfahre heute Interessantes über dieses Thema!

Bakterien sind Mikroorganismen, die trotz ihrer winzigen Größe eine wesentliche Rolle in unserer Welt spielen. Schätzungsweise bilden sie 50 Prozent der gesamten Biomasse unseres Planeten. Auch wir Menschen haben eine sehr enge Beziehung zu Bakterien. In unserer Mikrobiota tummeln sich unzählige Mikroorganismen, die für uns sehr wichtig sind.

Anschließend erfährst du Interessantes über die normale Mikrobiota in unserem Körper, die auch als Mikrobiom oder Darmflora bekannt ist.

Die normale Mikrobiota

Die Mikrobiota setzt sich aus verschiedensten Mikroorganismen zusammen, die unseren Organismus in unterschiedlichen Bereichen besiedeln. Diese Symbiose zwischen Wirt und Bakterie ist für beide vorteilhaft. Wir profitieren zum Beispiel wie folgt:

  • Die Bakterien fördern eine gesunde Verdauung der Nahrungsmittel, was ohne sie nicht möglich wäre.
  • Sie produzieren Vitamine und Verbindungen, die nicht über andere Quellen aufgenommen werden können.
  • Außerdem schützen sie unseren Körper vor der Besiedlung durch Krankheitserreger. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem mikrobiellen Antagonismus.

Die normale Mikrobiota ist grundlegend für unsere physiologischen Systeme. Informationen der Autonomen Nationalen Universität von Mexiko ist zu entnehmen, dass rund 100 Billionen Mikroorganismen unseren Organismus besiedeln. Dies verdeutlicht, dass wir uns unser Leben ohne diese Mitbewohner so wie wir es heute kennen nicht vorstellen könnten.

die Mikrobiota

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Die menschliche Mikrobiota: Kategorien

Der Ausdruck Flora (z. B. Darmflora, Mundflora) ist eigentlich falsch, wenn wir die genaue Bedeutung dieses Wortes betrachten. Denn Bakterien haben nichts mit Pflanzen zu tun. Deshalb ist es besser, von Bakterienpopulationen zu sprechen, die ihren Funktionen entsprechend in verschiedene mikrobielle “Ökosysteme” eingeteilt werden.

  • Die autochthone Mikrobiota: Mikroorganismen, die in unserem Körper sehr lange oder auf unbestimmte Zeit leben. Sie haben teil an quantifizierbaren physiologischen Prozessen und entwickeln sich gemeinsam mit unserer Spezies, da sie sich an das “Ökosystem” angepasst haben, das wir ihnen bieten.
  • Die allochtone Mikrobiota: Es handelt sich um Mikroorganismen, die sich in jedem Habitat aufhalten können und unseren Körper nur zufällig oder vorübergehend besiedeln. Sie nehmen nicht an physiologischen Prozessen teil, denn ihre Beziehung zu uns Menschen basiert auf einem rein zufälligen Zusammentreffen.

Im Allgemeinen können wir die Mikroorganismen auch nach der Zeit, die sie in unserem Organismus vorhanden sind, klassifizieren:

  • Das latente Mikrobiom: Die Gesamtheit der Organismen, die sich während ihres ganzen Lebenszyklus im menschlichen Körper ansiedeln. Wir dienen diesen Mikroorganismen als Wirt. Die Populationen verändern sich normalerweise nicht sehr stark. Sie sind relativ konstant und leben in einer absoluten symbiotischen Beziehung mit uns.
  • Das transitorische Mikrobiom: In diesem Fall sind kontinuierliche Veränderungen der Populationen zu beobachten, die normalerweise für das Überleben des Wirtes nicht essenziell sind. Faktoren wie die Jahreszeit, das Alter oder Arzneimittel können zu Veränderungen führen.

Die Bakterien, die in unserem Darm zu Hause sind, sind ein Beispiel für eine autochthone und latente Mikrobiota. Sie sind für das Verdauungssystem unentbehrlich und unser ganzes Leben lang bei uns zu Gast.

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Wie sieht die Zusammensetzung der normalen Mikrobiota aus?

Wie sieht die Zusammensetzung der normalen Mikrobiota aus?

In einem gesunden Menschen sind die inneren Gewebe, wie Blut oder Gehirn, frei von Bakterien. Allerdings sind die äußeren und von Schleimhaut umgebenen Gewebe, wie Darm, Haut oder Rachen, von zahlreichen symbiotischen Mikroorganismen besiedelt.

Schätzungsweise setzt sich das intestinale Mikrobiom aus über 400 verschiedneen Bakterienarten zusammen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass für jede menschliche Zelle 10 Mikroorganismen in unserem Körper vorhanden sind. 

All diese unterschiedlichen Arten aufzuzählen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Doch es gibt Listen mit den häufigste Mikroorganismen in verschiedenen Körperregionen. Diese werden in gewöhnliche, gelegentliche, seltene oder möglicherweise krankheitserregende Organismen eingeteilt. Das Mikrobiom ist in bestimmten Körperbereichen eindeutig repräsentiert:

  • Auf der Haut sind vorwiegend grampositive Bakterien zu finden.
  • Der Darm wird von zahlreichen Mikroorganismen besiedelt, die rund 1,5 kg wiegen können.
  • Im Bereich der Scheide sind vorwiegend Laktobazillen (96 Prozent aller Mikroben dieses Bereichs) vorhanden.
  • Im Mund sind vor allem komplexe und heterogene Mikroorganismen zu finden.

Ein grundlegendes mikroskopisches Ökosystem

Die normale Mikrobiota ist sehr komplex und fast unfassbar. Doch eines muss uns klar sein: Bestimmte Bakterien sind für unser Überleben außerordentlich wichtig und leben mit uns in einer kontinuierlichen Symbiose. Andere wiederum sind nur kurz zu Gast und verlassen uns dann wieder.

Die bakteriellen Populationen sind bei jedem Menschen unterschiedlich und hängen auch von der Umgebung ab. Sie alle bilden die normale Mikrobiota des Menschen und haben für uns sehr viele Vorteile!