Cyber-Sickness: Ursachen, Symptome und Behandlung

Längerer Gebrauch von elektronischen Geräten wie Handys und Computern kann verschiedene Beschwerden auslösen. Glücklicherweise ist es möglich, ihr Auftreten mit einfachen Maßnahmen zu verhindern. Lies weiter, wenn du mehr über die sogenannte Cyber-Sickness erfahren möchtest!
Cyber-Sickness: Ursachen, Symptome und Behandlung

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Längerer und ständiger Gebrauch von mobilen Geräten oder Computern kann bei manchen Menschen Unbehagen und verschiedene Beschwerden auslösen. Dieses Phänomen wird als Cyber-Sickness bezeichnet.

Die Symptome der Cyber-Sickness ähneln denen, die Menschen bei Reisekrankheit erleben. Sie äußert sich durch ein Unwohlsein und verschiedene Beschwerden beim Reisen in Autos oder Booten. Derartige Beschwerden treten auf, wenn die Strukturen, die für die Haltungskontrolle zuständig sind, widersprüchliche Signale an das Gehirn senden. Die Signale interpretieren, dass es eine Veränderung gibt, sodass die charakteristischen Symptome auftreten.

Den Begriff Cyber-Sickness gibt es seit den 1990er-Jahren. Allerdings wurde er nur mit Geräten der virtuellen Realität (VR) in Verbindung gebracht. Tatsächlich behaupten Studien, dass mehr als 60 % der Menschen, die VR-Erfahrungen nutzten, diesen Zustand entwickelten. Heutzutage kann das Unwohlsein auch nach mehreren Stunden in sozialen Netzwerken oder virtuellen Konferenzen auftreten.

Die Anzeichen und Symptome der Cyber-Sickness

Die Symptome, die von Menschen mit Cyber-Sickness berichtet werden, sind denen der Reisekrankheit sehr ähnlich. Fachleute unterteilen die klinischen Erscheinungen in Übelkeit, okulomotorische Störungen und allgemeine Orientierungslosigkeit.

Übelkeit ist eines der ersten Anzeichen der Erkrankung und wird als das subjektive Gefühl des nahenden Erbrechens definiert. Dieses Symptom verschlimmert sich in der Regel bei schlechten Gerüchen oder wenn der Magen voll ist, wie z. B. bei Reisen mit dem Schiff oder Flugzeug. Die Forschung bestätigt, dass die Reisekrankheit oder Bewegungskrankheit die gleichen Empfindungen und Symptome hervorruft wie die Cyber-Sickness.

Okulomotorische Störungen beziehen sich auf alle Symptome, die mit dem dritten Hirnnerv oder Okulomotoriknerv zusammenhängen. Dieser Nerv ist für die Augenbewegungen zuständig und ist bei der Nutzung elektronischer Geräte sehr aktiv. Zu diesen Störungen gehören visuelle Müdigkeit und Kopfschmerzen.

Darüber hinaus äußert sich die allgemeine Desorientierung in der Regel durch Schwindel und Benommenheit. Diese Symptome sind normalerweise am schwersten und können die täglichen Aktivitäten einschränken.

Cyber-Sickness - Mann vor dem Laptop reibt sich die Augen
Die übermäßige Nutzung von Bildschirmen führt zu Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Überanstrengung der Augen.

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Warum kommt es zu Cyber-Sickness?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, wie der menschliche Körper das Gleichgewicht und die Körperhaltung aufrechterhalten kann. Dies ist ein komplexer Prozess, an dem das Sehvermögen, die propriozeptiven Rezeptoren und das vestibuläre System des Ohrs beteiligt sind. All diese Strukturen senden Signale an das Gehirn, die es ihm ermöglichen, sich an die Umgebung anzupassen.

Cyber-Sickness tritt auf, wenn die für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zuständigen Strukturen widersprüchliche Signale an das Gehirn senden. Das Sehvermögen signalisiert dem Nervensystem, dass es Bewegung gibt, da es bewegte Bilder sieht. Gleichzeitig nehmen aber das vestibuläre System und die Propriozeption keine Bewegung wahr, da die Person still sitzt oder steht.

Einige Studien zeigen, dass die Intensität der Symptome von der unterschiedlichen Empfindlichkeit der visuellen Bewegung der einzelnen Personen abhängt. Viele der Aktivitäten, die auf mobilen Geräten und in sozialen Netzwerken ausgeführt werden, können eine Episode von Cyber-Sickness auslösen.

Zu den wichtigsten Auslösern gehören die folgenden:

  • Scrollen durch den Feed sozialer Netzwerke
  • Nutzung von Virtual-Reality-Geräten
  • Teilnahme an Videokonferenzen mit Präsentationen
  • Spielen von Action- und Abenteuervideospielen
  • Betrachten von Bildschirmen mit blinkenden Anzeigen

Darüber hinaus bestätigt die Forschung, dass das Auftreten der Cyber-Sickness von biologischen Faktoren beeinflusst zu werden scheint. Daher sind Schätzungen zufolge Frauen eher von den Symptomen betroffen als Männer. Außerdem sind Menschen zwischen 5 und 12 Jahren sowie Migränepatienten häufiger betroffen.

Wie lässt sich Cyber-Sickness behandeln?

Die Behandlung von Cyber-Sickness besteht darin, eine Pause von dem zu machen, was du am Bildschirm tust. Am besten machst du das zu Beginn der Symptome, wenn die Intensität der Beschwerden noch gering ist. Die Pause ist deshalb so wichtig, weil der Schwindel auch bei geschlossenen Augen bestehen bleiben kann.

Außerdem solltest du versuchen, den Sehsinn auf die richtige Weise zu stimulieren. Es geht darum, dem Gehirn zu signalisieren, dass es keine Bewegung gibt. Eine gute Möglichkeit, dies zu erreichen, besteht darin, den Blick auf den Horizont oder einen bestimmten Punkt zu fixieren, bis die unangenehmen Symptome verschwinden.

Die Wirksamkeit der pharmakologischen Behandlung ist sehr begrenzt. Einige Untersuchungen haben ergeben, dass Antihistaminika bei der Behandlung von Cyber-Sickness nützlich sein können. Daher können rezeptfreie Medikamente wie Cetirizin, Diphenhydramin und Loratadin helfen.

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So kannst du die Beschwerden verhindern

Zum Glück gibt es bestimmte Maßnahmen, die man ergreifen kann, um das Auftreten von Cyber-Sickness zu verhindern. Diese bestehen darin, die Zeit, die du vor dem Bildschirm verbringst, zu reduzieren. Obwohl es praktisch unmöglich ist, die Bildschirme aus dem täglichen Leben vollkommen zu verbannen, können dir folgende Empfehlungen helfen:

  • Lege regelmäßig kurze Pausen ein und höre alle 40 Minuten auf, auf einen Bildschirm zu blicken.
  • Richte deinen Blick ab und zu auf einen festen Punkt.
  • Verwende nicht mehr als einen Bildschirm gleichzeitig.
  • Halte, wann immer möglich, Audiokonferenzen statt Videokonferenzen ab.
  • Verringere die Scroll-Geschwindigkeit in sozialen Netzwerken.
  • Kaue Kaugummi.
  • Atme tief durch.

In manchen Fällen ist es unmöglich, Pausen einzulegen oder den Blick vom Bildschirm abzuwenden, sodass die Cyber-Sickness unvermeidlich wird. Die Verringerung der Intensität der Symptome ist in diesem Fall von größerer Bedeutung. Dies lässt sich erreichen, indem man schwere Mahlzeiten vermeidet und sich in einer gut belüfteten Umgebung aufhält.

Cyber-Sickness - Mann vor einem Monitor

Cyber-Sickness: Ein Phänomen, das immer häufiger auftritt

Die Nutzung von Bildschirmen und digitalen Medien hat in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Fälle von Cyber-Sickness geführt. Dabei handelt es sich um eine Störung, die durch die Interpretation widersprüchlicher Reize im Gehirn entsteht. Die wichtigsten Anzeichen sind Übelkeit, Schwindel und Ermüdung der Augen.

Glücklicherweise sind die notwendigen Maßnahmen zur Vorbeugung derartiger Beschwerden sehr einfach und jeder kann sie durchführen. Die Symptome des Cyber-Sickness sind harmlos und verschwinden, wenn die Reize aufhören.

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