Videospiele: Sucht bei Kindern

· 19 März, 2019
Videospiele erfreuen sich bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit. Sie fordern ihre Fähigkeiten heraus und sind ein Riesenspaß. Aber oftmals führen sie auch zu Abhängigkeit.

Videospiele erfreuen sich bei Kindern und Jugendlichen großer Beliebtheit. Sie fordern ihre Fähigkeiten heraus und sind ein Riesenspaß. Aber oftmals führen sie auch zu Abhängigkeit.

„Mein Kind ist süchtig!“ wird oftmals von vielen Müttern und Vätern vernommen, die daran verzweifeln, wenn ihr Kind ständig vor dem Bildschirm klebt und andere Dinge vernachlässigt.

Es folgen zwischen beiden Seiten zahlreiche Diskussionen darüber, wie viel Zeit die Kleinen vor dem Computer verbringen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen an, die süchtig nach Videospielen sind.

Wie auch jede andere Art von Sucht bedarf diese Abhängigkeit einer psychologische Behandlung. Jedoch können Eltern aufmerksam sein und herausfinden, ob ihr Sohn oder ihre Tochter wirklich nicht dazu in der Lage ist, das Spielen zu unterlassen.

Dadurch können Maßnahmen ergriffen werden, bevor es zu einem ernsten Problem wird.

Sind Videospiele für Kinder gefährlich?

Roblox, eine beliebte Videospiele-Plattform für Kinder und Jugendliche, wurde insbesondere durch einen konkreten Vorfall bekannt. In einem der dort vorhandenen Spiele wurde der Avatar eines 7-jährigen Mädchens von zwei anderen Nutzern vergewaltigt.

Die Plattform erlaubt es den Usern, virtuelle Welten und eigene Spiele zu entwerfen. Sie garantiert außerdem die Verwendung strikter Filter, um Kinder und Jugendliche in aller Welt zu schützen. Dennoch war es dem Ersteller des Spiels in diesem Fall möglich, die Sicherheitssysteme zu umgehen.

Die Mutter des Mädchens, Amber Petersen, erzählte auf Facebook, wie sie ihre Tochter eines Morgens verstört auf den Bildschirm starren sah. Als sie näher kam, sah sie, dass die weibliche Spielfigur ihrer Tochter vergewaltigt wurde.

Trotz ihrer Bestürzung gelang es ihr, Screenshots zu machen, um den Vorfall umgehend melden zu können.

Roblox hat 40 Millionen Online-Spiele und wird von mehr als 60 Millionen Kindern und Jugendlichen aktiv genutzt. Obwohl die Plattform eigentlich für ihre Sicherheit bekannt ist, wird ersichtlich, dass Videospiele nie zu 100 % ungefährlich sein können.

Welche Auswirkungen haben Videospiele auf Kinder?

Videospiele und ihre Auswirkungen auf Kinder

Die Amerikanische Akademie für Pädiatrie empfiehlt, dass Kinder ab einem Alter von sechs Jahren nicht mehr als zwei Stunden täglich Videospiele spielen sollten. Tatsächlich kann das Spielen, das ein bestimmtes Maß nicht überschreitet, auch Vorteile haben.

Wichtig ist, dass es dabei nicht die Zeit beansprucht, die für körperliche Aktivitäten, Ausruhen und Schlafen vorgesehen ist. Jedoch fängt das Problem dort an, wo der Anreiz zum Spielen nicht mehr kontrolliert werden kann. Dies kann psychologische Konsequenzen haben.

Die neuronalen Muster, die bei bei Videospiel-Abhängigen auftreten, zeigen, dass ein Ungleichgewicht im Belohnungssystem des Gehirns besteht. Dieses unterscheidet sich nicht von anderem Suchtverhalten.

Zudem können in Fällen, in denen das Kind gewalttätigen Inhalten des Videospiels ausgesetzt ist, Desensibilisierungsprozesse ausgelöst werden.

Diese haben Einfluss auf die Gehirnregionen, die für die Kontrolle von Emotionen und Aufmerksamkeits- sowie Konzentrationsvorgänge zuständig sind.

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Welche Verantwortung haben Eltern?

Die heutige Generation ist von Technologie umgeben, daran besteht kein Zweifel. Dies bedeutet aber nicht, dass Eltern nicht kontrollieren könnten, ab welchem Alter ihre Kinder auf die verschiedenen elektronischen Geräte Zugriff haben.

Es sollte auch darauf geachtet werden, welche Inhalte sie konsumieren und wie viel Zeit sie vor dem Bildschirm verbringen.

Dass Kinder oftmals eine Abhängigkeit entwickeln, ist daher wenig überraschend. Immer früher benutzen sie Smartphones oder Tablets, um stundenlang Spiele zu spielen, ohne überhaupt zu wissen, um welche Art von Inhalt es sich dabei handelt.

Eltern haben die Verantwortung, zu verhindern, dass der Konsum von Videospielen außer Kontrolle gerät und den normalen Alltag von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt.

Sobald die Kleinen das erste Mal ein solches Gerät in den Händen halten, müssen klare und strikte Regeln aufgesetzt werden. Dabei ist beispielsweise wichtig, wie und wie oft die Technologie genutzt wird und welche Inhalte erlaubt sind.

Jedoch sollten Mütter und Väter ebenfalls als gutes Beispiel vorangehen. Dies gelingt nicht, wenn sie selbst von einem Bildschirm abgelenkt sind, während ihre Kinder ihnen etwas erzählen oder mit ihnen spielen wollen. Andernfalls sind die Regeln wenig effektiv.

Welche Warnzeichen gibt es?

Wenn auch dein Sohn oder deine Tochter nicht aufhören kann, Videospiele zu spielen, können bestimmte Warnzeichen auftreten. In diesem Fall ist es notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, bevor sich die Situation zuspitzt und die Ausgeglichenheit deines Kindes gefährdet wird.

  • Es sorgt sich in ungewöhnlicher Weise um das Spiel, wenn es nicht vor dem Bildschirm sitzt und spricht nur davon.
  • Wenn dein Sohn oder deine Tochter nicht spielt, kommt es zu Veränderungen des Humors oder es treten Lustlosigkeit, Aggressivität, Traurigkeit oder ein defensives Verhalten auf.
  • Dein Kind widmet dem Spielen vermehrt Zeit.
  • Es verliert Interesse daran, mit anderen Kindern zu spielen oder mit Freunden Zeit zu verbringen. Es isoliert sich.
  • Wenn er oder sie versucht, die Zeit für das Spielen zu reduzieren oder es zu beenden, gelingt es ihm oder ihr nicht.
  • Dein Kind lügt, wenn du danach fragst, wie viel Zeit es mit dem Spielen verbracht hat oder leugnet dies.
  • Dein Sohn oder deine Tochter kann nicht schlafen, essen oder sich zurecht machen, um mehr Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen.
  • Es werden keine Hausaufgaben gemacht oder schlechte Noten nach Hause gebracht. Ein paar Minuten vor dem Lernen zu spielen zieht sich für Stunden in die Länge.
  • In schwierigen Momenten braucht er oder sie all seine Energie für Videospiele auf und spricht oder diskutiert nicht. Das Spiel wird genutzt, um der Realität zu entfliehen.

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Mein Kind will nicht mit dem Spielen aufhören, was soll ich tun?

Mit Freunden zocken

Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher nicht mit den Videospielen aufhören will, musst du als Elternteil bestimmte Maßnahmen für sein oder ihr Wohlergehen ergreifen.

Bedenke jedoch, dass Diskussionen oder ein Durchgreifen nicht unbedingt effektiver sind als eine gegenseitige Vereinbarung. Die Aushandlung sollte das Werkzeug zum Festlegen von Grenzen und klaren Regeln sein. Außerdem sollten sie mit Standhaftigkeit und Liebe geltend gemacht werden.

  • Entferne die Konsole oder den Computer aus dem Zimmer. Sie sollten in einem gemeinsamen Raum sein, sodass du das Spielen überwachen kannst.
  • Das Spielen ist dann erlaubt, wenn Hausaufgaben gemacht und Verantwortungen zu Hause erfüllt wurden.
  • Erinnere dein Kind daran, wie viele Stunden es täglich spielen darf. Du kannst mit einem etwas weiteren Zeitrahmen anfangen und diesen nach und nach reduzieren.
  • Informiere deinen Sohn oder deine Tochter, wenn nur noch 15, dann 10 und zuletzt 5 Minuten zum Spielen übrig sind, damit er oder sie sich darauf einstellen kann.
  • Bringe bei, wie man die Spielrunden speichern kann. Für ein Kind, das es geschafft hat, von einem Level zum nächsten aufzusteigen, ist es schwierig, die Konsole wegzulegen.
  • Beschränke den Zugang zu Spielen, die nicht altersgerecht sind oder Gewalt beinhalten.
  • Fördere andere Aktivitäten, um die Zeit zu ersetzen, die dein Kind für das Spielen aufbringt. Du kannst es dazu animieren, Sport zu treiben oder künstlerischen oder sozialen Aktivitäten nachzugehen, um mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen.
  • Führe Familienaktivitäten ein. Teile mit deinem Sohn oder deiner Tochter Zeit für das Spielen von Videospielen, über Brettspiele bis hin zum Spielen draußen im Park.
  • Besprich mit deinem Kind Sanktionen, die zum Tragen kommen, wenn es Absprachen nicht einhält; beispielsweise, dass eine Stunde weniger oder an einem Tag überhaupt nicht gespielt werden darf. Sei standhaft, wenn du sie anwenden musst.

Abschließende Reflexion

Falls du nach diesen Vorschlägen feststellst, dass sich die Zeit, die dein Kind den Videospielen widmet, nicht kontrollieren lässt, könnte es sich möglicherweise um eine Sucht handeln. In diesem Fall solltest du einen Spezialisten zu Rate ziehen.

Ein Kind oder ein Jugendlicher, der das Spielen nicht lassen kann, ist ernsten Konsequenzen ausgesetzt. Diese können sowohl seine körperliche als auch emotionale und geistige Gesundheit beeinträchtigen.

Mütter und Väter sind dabei gefragt, ihnen beim Bewältigen des Problems zu helfen: Das Wohl der Kinder hängt in erster Linie von der Achtsamkeit der Eltern ab.