Multiple Sklerose: Wissenswertes über die verschiedenen Krankheitsformen

14 September, 2020
Es gibt verschiedene Arten der Multiple Sklerose, wobei alle schwerwiegend sind. Die Diagnose und Behandlung ist komplex und die Therapierung muss an die individuellen Bedürfnisse jedes Patienten angepasst werden.

Multiple Sklerose (MS) ist eine schwerwiegende Krankheit, die jedoch die Lebenserwartung nur minimal beeinflusst. Es gibt verschiedene Krankheitsformen der Multiplen Sklerose, die zum Teil schwer zu identifizieren und zu differenzieren sind.

Es handelt sich um eine chronische Krankheit, für die es keine Heilung gibt. Die Nachricht ist deshalb für Betroffene und ihre Familien schwer. Alle müssen sich an diese neurologische Krankheit anpassen und lernen, damit umzugehen.

Zusätzlich zur Komplexität äußert sich diese Krankheit in unterschiedlichen Formen. Alle sind ernst und wenn die Ärzte die genaue Krankheitsform nicht identifizieren können, verzögert sich auch die Behandlung.

Multiple Sklerose ist eine häufige Ursache für eingeschränkte Beweglichkeit. Meist tritt diese Krankheit bei jungen Erwachsenen unter 40 Jahren auf, ganz besonders häufig sind Frauen davon betroffen. Die meisten Patienten müssen ihre Ausbildung oder ihre berufliche Karriere beenden. 

Alle Krankheitsformen der Multiplen Sklerose sind Autoimmunkrankheiten, das bedeutet, dass das eigene Immunsystem den Körper angreift. Die vom Körper produzierten Antikörper zerstören das Myelin, eine Biomembran, welche die Axone der Nervenzellen umhüllt. Diese Myelinscheide ist für die Übertragung der Nervenimpulse grundlegend. Durch die Zerstörung wird die neuronale Konnektivität geschädigt.

Symptome der Multiplen Sklerose

Fast alle unterschiedlichen Krankheitsformen äußern sich durch dieselben Symptome. Was bei jeder Art anders ist, ist die Entwicklung der Krankheit im Laufe der Zeit. 

Dazu kommen häufig Muskelkrämpfe und -schmerzen, wenn sich die Muskeln unfreiwillig zusammenziehen. Auch wenn Betroffene versuchen, den verkrampften Bereich zu entspannen, gelingt ihnen das meist nicht.
Zusätzlich zu den Muskelkrämpfen kommt es häufig zu Spasmen und Muskelzittern. Dies schränkt die täglichen Aktivitäten der Betroffenen sehr ein und verringert ihre Lebensqualität.
Zudem wird auch das Verdauungssystem in Mitleidenschaft gezogen. Die unterschiedlichen Krankheitsformen der Multiplen Sklerose können Verstopfung und Harnretention auslösen. Dies ist vor allem deshalb der Fall, weil die Nerven, welche die Informationen der peristaltischen Bewegungen übertragen, kein Myelin aufweisen.
Auch andere Organe können an der Krankheit leiden: Viele Patienten sehen dopppelt, bereits vor sie an Mukselkrämpfen und Muskelschwäche leiden. Darüber hinaus können sich die Augäpfel auch schnell und unkontrolliert bewegen.
Krankheitsformen der Multiplen Sklerose
Die Multiple Sklerose zerstört die Myelinscheide, welche die Axone umhüllt und für die Übertragung von Information zwischen den Nervenzellen grundlegend ist.

Entdecke auch diesen Beitrag: Neurogenese: Wie entstehen neue Nervenzellen?

Multiple Sklerose: unterschiedliche Krankheitsformen

Die Diagnoseprotokolle für Multiple Sklerose identifizieren vier unterschiedliche Krankheitsformen beziehungsweise Phänotypen:

  • Die schubförmig remittierende MS (RRMS): In diesem Fall verläuft die Krankheit in klar abgegrenzten Schüben neurologischer Symptome. Diese dauern mehrere Tage oder Wochen an und darauf folgen einige Monate ohne Beschwerden. Die Schübe entstehen in der Regel, wenn ein neuer neurologischer Bereich von der Krankheit betroffen ist und das Myelin geschädigt wird. Es handelt sich um die häufigste Art von MS.
  • Die sekundär progrediente MS (SPMS): Die RRMS kann sich im Laufe der Zeit verschlechtern und zu einer SPMS entwickeln. Die Symptome sind dann konstant und treten nicht mehr in Schüben auf. Dieser Krankheitsverlauf wird als sekundär bezeichnet, da er sich aus der schubförmig remittierenden MS entwickelt.
  • Die primär progrediente MS (PPMS): In diesem Fall verschlechtert sich die Krankheit fortschreitend. Betroffene leiden praktisch kontinuierlich an Symptomen, die nicht in Schüben auftreten.
  • Das klinisch isolierte Syndrom (KIS): Beschwerden treten erstmals aufgrund einer Schädigung der Nervenfasern auf. Erst wenn es zu Gehirnschäden kommt, die anhand einer Magnetresonanztomographie sichtbar werden, besteht eine große Gefahr, dass es durch weitere Schübe zu einer schubförmig remittierenden MS kommt.
Multiple Sklerose: unterschiedliche Krankheitsformen
In den meisten Fällen führt Multiple Sklerose zu Bewegungseinschränkungen. Viele Patienten können ihrer Ausbildung oder ihrem Job nicht mehr nachgehen.

Noch ein interessanter Artikel: 14 Anzeichen für Multiple Sklerose, die du kennen solltest

Diagnose und Behandlung

Die internationale Wissenschaftsgemeinschaft verwendet die Diagnosekriterien nach McDonald als Standard, um die unterschiedlichen Krankheitsformen der Multiplen Sklerose zu diagnostizieren. Der Krankheitsverlauf bestätigt mit der Zeit, um welche Art es sich handelt.

Die Behandlung ist bei allen Krankheitsformen sehr ähnlich. Akute Ausbrüche, die auf den Verlust von Myelin hinweisen, behandeln Ärzte mit Kortikoiden. In den beschwerdefreien Intervallen erhalten Betroffene Arzneimittel, welche die Entwicklung der Krankheit verbessern.

Zusätzlich zu den ärztlich verschriebenen Medikamenten ist die Rehabilitation durch verschiedene Therapien nötig, die sich auf jene Fähigkeiten konzentrieren, die allmählich verloren gehen. Kinesiologen, Sprachtherapeuten und Ergotherapeuten behandeln Patienten mit Multipler Sklerose. 

Alle unterschiedlichen Krankheitsformen der Multiplen Sklerose sind ernst

Auch wenn es unterschiedliche Krankheitsformen gibt, ist Multiple Sklerose immer eine ernste Krankheit. Die Entwicklung verläuft chronisch und progressiv, wobei verschiedenste Körperfunktionen mit der Zeit verloren gehen. Es gibt derzeit keine Heilung, allerdings können Arzneimittel dabei helfen, die Krankheit zu kontrollieren.

  • Thompson, Alan J., et al. “Diagnosis of multiple sclerosis: 2017 revisions of the McDonald criteria.” The Lancet Neurology 17.2 (2018): 162-173.
  • Bermejo, Pedro E., Celia Oreja-Guevara, and Exuperio Díez-Tejedor. “El dolor en la esclerosis múltiple: prevalencia, mecanismos, tipos y tratamiento.” Rev Neurol 50.2 (2010): 101-8.
  • Olascoaga, Javier. “Calidad de vida y esclerosis múltiple.” Rev Neurol 51.5 (2010): 279-88.
  • Paes, Renata Alves, et al. “Neuropsicología de la esclerosis múltiple primaria progresiva.” Rev Neurol 49.7 (2009): 343-8.