Manchmal fühlt man sich als Mutter einsam

· 16 August, 2018
Es ist nicht immer leicht, Mutter zu sein. Viele von uns denken, dass wir nicht gut genug sind, und unsere Bemühungen nicht ausreichen. Verzweifelt versuchen wir, die perfekte Mutter zu sein. Das ist auf Dauer anstrengend. Hier erfährst du mehr darüber, warum Mütter sich manchmal einsam fühlen.

Die Mutterschaft bringt viele Veränderungen mit sich. Die meisten hängen mit der Geburt und der Verantwortung für ein neues Lebewesen zusammen. Manchmal haben diese Veränderungen einen so großen Einfluss auf das Leben der neuen Mama, dass sie sich überfordert fühlt. Das ist der Grund, warum sich viele Frauen als Mutter einsam fühlen, trotz oder auch gerade wegen der neuen Person in ihrem Leben.

Die Verwantwortung als Mutter ist oft nicht leicht mit der eigenen Identität als eigenständige Frau unter einen Hut zu bringen

Frischgebackene Mamas müssen sich mit vielen Herausforderungen auseinandersetzen. Darunter finden sich neue Unsicherheiten oder auch fehlende Unterstützung eines familiären Netzwerks. Dazu kommen aber auch körperliche oder hormonelle Veränderungen, sowie einige andere große Veränderungen, die Stress verursachen können.

Erschwerend kommt hinzu, dass die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen meist unerfüllbar sind, und der Realität einfach nicht entsprechen. Oft fühlen wir uns deswegen gerade als Mutter einsam und allein mit unseren Problemen.

Während der Mutterschaft erfahren viele Frauen deswegen Frustration, Einsamkeit und Überforderung und fühlen sich dabei oft auch noch missverstanden. 

Das Modell der „idealen Mutter“

In der Gesellschaft, in der wir leben, gibt es verschiedene Vorstellungen davon, was es bedeutet, Mutter zu sein und wie sich eine Mutter zu benehmen hat. Für Beispiele dafür braucht man sich nur Werbung, (Fernseh-) Serien und Filme anzusehen.

Hast du schon Mal genauer hinterfragt, wie Mütter mit Babys oder jungen Kindern in den Medien dargestellt werden?

Sich als Mutter einsam zu fühlen,kommt häufig vor.

Wahrscheinlich hast du immer wieder schön zurechtgemachte junge Frauen, mit Traumfigur und einem freundlichen Lächeln gesehen.

Fast immer begegnen uns in den Medien nämlich entspannte, schlanke Frauen, voller Energie und Vitalität, die die Windeln ihrer Kinder wechseln, als wäre dies nicht nur ein großer Spaß, sondern als könnten sie sich auch nichts Schöneres vorstellen. Auch Stillen und andere Tätigkeiten sind in den Medien leicht und selbstverständlich.

Mütter in Werbekampagnen erscheinen als Frauen, die von Müdigkeit, Schlafmangel, Einsamkeit oder Schmerzen gänzlich unberührt bleiben. In den Medien erscheint die Mutterschaft ausschließlich als natürlicher Zustand freudiger Glückseligkeit, und spiritueller Verbindung.

Die Vorstellung der idealen Mutter bedeutet, die Bedürfnisse des Kindes weit über die eigenen Bedürfnisse zu stellen. Dabei wird leider immer wieder so getan, als sei dies ein Kinderspiel. Als ob nichts leichter wäre, als sich um einen neuen Menschen zu kümmern, der gänzlich von der Fürsorge und Pflege einer anderen Person abhängt.

Die Realität sieht aber natürlich ganz anders aus. Mama zu sein, ist oft einfach ganz schön schwierig. Das Ideal der perfekten Mutter ist damit schlicht unrealistisch. Mit den nicht erreichbaren Idealen und dem enststehenden sozialen Druck sorgt das Modell allerdings dafür, dass Frauen das Gefühl haben, zu versagen und damit auch noch allein zu sein. Häufig fühlen sie sich deswegen besonders als Mutter einsam.

Hier erfährst du noch mehr darüber:

„Ich bin Mutter, keine Sklavin der Hausarbeit“, schreibt eine australische Frau

Mutterschaft in der echten Welt

Solltest du bereits ein Kind haben, hast du sicher schon festgestellt, dass diese idealisierte Vorstellung von Mutterschaft vollkommen wirklichkeitsfern ist.

Das soll aber natürlich nicht bedeuten, dass Mutterschaft eine Erfahrung ist, die sich durch Leid und Verbitterung auszeichnet. Aber auch das wirst du wahrscheinlich schon wissen. Mutterschaft ist auch eine wundervolle Phase des Lebens, gefüllt mit tiefer Liebe, Zuneigung und Freude.

Die Wahrheit ist einfach, dass Mutter sein oft eine bunte Mischung ganz verschiedener Gefühle und Erfahrungen bedeutet, die nacheinander oder sogar alle gleichzeitig auftreten können.

Während der Schwangerschaft zum Beispiel, bist du wahrscheinlich freudig und aufgeregt, weil ein kleines Wunder auf dem Weg zu dir ist und in deinem Körper ein neues Leben wächst. Gleichzeitig leidest du vielleicht aber auch unter Stimmugsschwankungen, Übelkeit und Schwindel oder allgemeinem Unwohlsein.

Negative Gefühle, aber auch Mühen und Anstrengungen gehören ganz häufig zum Muttersein dazu. Sie sind mitnichten Anzeichen persönlichen Versagens. Ganz im Gegenteil sollte es normal sein, diese Gefühle zugeben und teilen zu können.

Unwohlsein und Schwierigkeiten sollten auch in der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Leider scheinen die gesellschaftlichen Vorgaben allerdings zu fordern, dass die negative Seite der Mutterschaft versteckt, und negative Gefühle unterdrückt werden. Das stresst und macht krank. Weil Frauen negative Situationen und Gefühle erfahren und sich zusätzlich noch für diese schämen (müssen), fühlen sie sich häufig besonders als Mutter einsam.

Es ist übrigens vollkomen okay, regelmäßig an dich selbst zu denken:

5 Überlegungen für Frauen, die sich aufopfern

Darum fühlst du dich manchmal als Mutter einsam

Als Mutter bist du als Frau wahrscheinlich aus einer Vielzahl von Gründen ab und an einsam. 

Einer der häufigsten Gründe ist, dass es Frauen schlichtweg an Information fehlt. Sie fühlen sich oft allein mit ihren Erfahrungen. Häufig werden bestimmte Aspekte der Mutterschaft auch innerhalb der Familie nicht angesprochen.

So kommt es immer wieder vor, dass Frauen denken, sie seien die Einzigen, die mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Oft wird nicht darüber gesprochen, wie schmerzhaft eine Geburt sein kann, wie anstrengend die Mutterschaft ist, und dass ein Kind viel von deiner Zeit, deiner Energie und deinem Geld in Anspruch nehmen wird.

Wer sich als Mutter einsam fühlt, muss sich nicht schämen, um Hilfe zu bitten.

Zwar weiß jeder, dass es in den ersten Monaten viele schlaflose Nächte geben wird, doch dies tatsächlich zu erleben, ist nicht immer einfach. Ein Neugeborenes bedeutet, dass du dich oft sehr müde und erschöpft fühlst. Manchmal vielleicht auch irritiert, oder schuldig, weil du es nicht schaffen kannst, alle Aufgaben und Verantwortungen gleich gut zu jonglieren.

Irgendwie haben wir alle die Vorstellung der unfehlbaren Mutter verinnerlicht; einer unabhängigen Frau, die sich um alles und jeden gleichzeitig kümmern kann, und dabei auch noch blendend aussieht. Eine Superfrau, die alles schafft.

Doch die Realität ist oft eine ganz andere, und das ist normal. Wenn wir aber den Anspruch haben, die perfekte Mutter zu sein, während wir gleichzeitg noch unser altes Leben weiterführen, stellen wir schnell fest, dass dies einfach nicht möglich ist. Und dennoch hat jede das Gefühl in ihrem „Versagen“ allein zu sein. Wir fühlen uns als Mutter einsam und imkompetent.

Aus diesem Grund ist es wichtig, vor allem während der Mutterschaft Unterstützung von denjenigen zu erhalten, die uns lieben. Gemeinsam wird alles leichter. Deine Lieben können dich ermutigen und unterstützen, dir bei Problemen zur Seite stehen, und dich bei Zweifeln beraten.

Verschaffe dir emotionale Unterstützung

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen die Verbindung zu unseren Mitmenschen. Deswegen wohnen wir in einer Gemeinschaft zusammen und suchen die Unterstützung eines sozialen Netzwerks, unserer Freunde und Verwandten. Mutterschaft ist eine Zeit, in der es mehr als angemessen ist, nach Unterstützung und Hilfe zu fragen. 

Um besser mit Stress, Ängsten und Sorgen umgehen zu können, die die Mutterschaft mit sich bringen kann, ist es extrem wichtig, sich an andere Menschen zu wenden, die Erfahrungen in der gleichen oder einer ähnlichen Situation gemacht haben. Du kannst sie um Rat fragen, wenn du dir unsicher bist, direkt um Unterstützung bitten, oder einfach nur mal Frust rauslassen.

Falls du dich als Mutter einsam fühlst, bist du damit nicht allein.

Falls du dich als Mutter einsam fühlst, bist du damit auf jeden Fall nicht allein.

In Spanien und den USA haben Frauen, die sich einsam und allein gelassen gefühlt haben, Mutterschaftsgruppen gegründet. In diesen Zusammenschlüssen treffen sich Mütter, um sich mit anderen in der gleichen Lage über ihre Erfahrungen auszutauschen, ihre Zweifel und Sorgen zu besprechen, und um über ihre Ängste und Hoffnungen zu reden.

Das Ziel der Gruppen ist es, das Gefühl von Einsamkeit gegen Gemeinschaft auszutauschen und ein Netzwerk zu gründen, in dem Mütter sich gegenseitig unterstützen können und gemeinsam den Spaß am Muttersein erleben.

Schau doch mal nach einer ähnlichen Gruppe oder Organisation in deiner Umgebung!

Du bist nicht allein

Auch wenn du dich manchmal einsam fühlst, bist du mit deinen Erfahrungen niemals alleine. Viele Frauen erleben gerade genau das Gleiche. 

Vergiss nicht, dass Müdigkeit und ein gestörter Schlafrhythmus häufig die Stimmung und die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen. Damit verstärken sie häufig negative Gefühle.

Du musst nicht dem Idealbild der perfekten Mutter entsprechen. Das ist unrealistisch und niemand sollte es von dir erwarten. Auch du selber nicht! Wir sind alle menschliche Frauen mit Stärken und Schwächen. Das ist normal und gut so. Manchmal fühlen wir uns als Mutter einsam, aber wir müssen keine Angst davor haben.

Das Gefühl von Einsamkeit erinnert uns daran, dass wir andere brauchen, und dass wir vor allem auch ab und zu an uns selber denken sollten. Kümmer dich regelmäßig auch um dich! Die richtige Balance zu finden, ist manchmal schwierig, aber nicht unmöglich.

In diesem Sinne: wenn du dich einsam fühlst, frag nach Unterstützung. Die Dinge sind nicht immer einfach, aber die Mutterschaft bringt auch großes Glück.