Männer und Frauen: zwei unterschiedliche Realitäten im Gehirn

· 19 Februar, 2019
Männer und Frauen denken anders, deshalb ist manchmal Geduld gefragt.

Das Gefühlsleben von Frauen und Männern wird durch das Bedürfnis an Zuneigung und durch persönliche Gewohnheiten bestimmt. Auch verschiedene Verhaltensmuster sind bei vielen heterosxuellen Paaren gegeben.

Erwartungen, die Frauen in einer Paarbeziehung an Männer stellen (und umgekehrt) passen sich meist auf individueller Ebene anwiederholt auftretende Verhaltensmuster des jeweiligen Geschlechts an.

Dabei sollte man nicht verallgemeinern und sich klar machen, dass biologische Grundvoraussetzungen sowie gesellschaftliche Aspekte immer wieder im Widerspruch mit persönlichen Erlebnissen oder Meinungen stehen. Unabhängig davon, in welcher Lebenslage sich Mann oder Frau befinden.

Das Spiel der Emotionen bei heterosexuellen Paaren

Paar

Oft hört man, dass Männer sich über die Emotionalität der Frauen beschweren oder sich darüber lustig machen. Im Gegensatz dazu macht machen Frauen oft dem Mann den Vorwurf, dass er als Partner nicht einfühlsam genug ist.

Man denkt, der andere könnte sich ändern, wenn er wirklich wollte, und die besonderen Eigenschaften, die uns auf biologischer und sozialer Ebene vereinen und trennen, einfach ablegen.

Doch hier ist nicht zu vergessen, dass die Gehirnwindungen, die über das Aufkommen der Gefühle entscheiden, bei Männern und Frauen unterschiedlich sind. Was zwei verschiedene Wirklichkeiten erzeugt.

So stimmt es beispielsweise nicht, dass Männer sich nicht verlieben, sie drücken diesen Zustand individuell nur unterschiedlich aus, wobei Geschlechterrollen, Biologie und Lebenserfahrungen eine große Rolle spielen.

Man geht von einer gemeinsamen Grundlage aus. Wobei sich die Beziehung heterosexueller Paare meist an Erwartungen orientiert, die bereits prototypisch vorgegeben sind.

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Frau

In diesem Sinne kann man also ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen sagen, dass Männer im Gehirn Gefühle anderes verarbeiten als Frauen.

Das Gehirn bei Frauen und Männern

Konkret beruht der Unterschied auf dem Gebrauch von Hirnsystemen, die gleichzeitig arbeiten (das System der Spiegelneuronen und der temporoparietalen Kreuzung).

Das kann man an einer Geschichte veranschlaulichen, in der sich die meisten wiedererkennen werden.

Bei Marta läuft es bei der Arbeit gerade nicht so gut. Sie will sich den Kummer bei ihrem Freund Daniel von der Seele reden und hofft auf eine Umarmung und Verständnis. Doch Daniel sagt ihr einfach, was sie dagegen tun kann. 

Marta ist erschüttert, weil sie denkt, dass Daniel sie nicht versteht und dem Problem keine Bedeutung beimisst.

Daniel wiederum leidet sehr darunter, seine Partnerin in diesem Zustand zu sehen, aber er weiß nicht, wie er ihr helfen soll, denn alle Alternativen, die er ihr anbietet, werden von Marta verworfen.

Regenschirm

Könnte man Daniels Gehirn scannen, während er die Tränen von Marta sieht, dann würde man sehen, wie sich Gefühlsrezeptoren aktivieren, von denen weiter oben die Rede war.

Als Erstes aktiviert sich das System der Spiegelneuronen (SDS), welches Daniel ermöglicht, sich in den emotionalen Schmerz von Marta hineinzufühlen.

Gleichzeitig aktiviert Daniels Gehirn die temporoparietale Kreuzung (TPK), die für die Analyse der Situation zuständig ist und nach Lösungen sucht. Das nennt man kognitive Empathie.

Weiter wird davon ausgegangen, dass die TPK dafür zuständig ist, eine Trennung zwischen eigenen und fremden Gefühlen aufrechtzuerhalten, um zu verhindern, dass sich gewisse neuronale Prozesse mit den Gefühlen anderer kreuzen.

Es wird versucht, die Situation zu analysieren und nach Lösungen zu suchen, das  heißt, so praktisch wie möglich zu sein.

Das Gehirn von Daniel ist auf der Suche nach Lösungen, um den emotionalen Schmerz seiner Partnerin zu lindern.

Daniels Gehirn

Sein Cortex wird aktiviert und gleichzeitig fragt er Marta auf ganz natürliche Weise, wie viele Leute sie braucht, um die Arbeit zu erledigen.

Gehirn

Wie sich viel Leser vorstellen können, ärgert dies Marta. Sie wird antworten: „Und was spielt das für eine Rolle? Ich muss es mit den Mitarbeitern machen, die mir zur Verfügung stehen“, während sie Daniel einen vorwurfsvollen Blick zuwirft.

Das Gehirn von Daniel wird allerdings den angespannten Ton von Marta aus dem letzten Kommentar ignorieren, denn das männliche Gehirn hat die Empathiefunktion deaktiviert, da es gerade auf der Suche nach einer Lösung ist und auf kognitiver Ebene Empathie zeigt.

In diesem Sinn bietet Daniel ihr eine wunderbare Lösung, welche ihm sein Gehirn aufgezeigt hat: Zeitarbeitskräfte einstellen. Automatisch entzünden sich wegen seiner genialen Idee die Sektionen in Daniels Gehirn, die für das Wohlbefinden zuständig sind.

Die Freude dauert allerdings nur solange, wie Marta braucht, um ihren Gesichtsausdruck zu ändern. Und jetzt entweder zu weinen anfängt oder sich darüber beklagt, dass ihr Partner ihren Gefühlszustand nicht versteht und ihm nicht die gebührende Bedeutung beimisst.

Was gerade passiert, ist allerdings nicht, was beide glauben, sondern einfach Ausdruck zweier unterschiedlicher Wirklichkeiten im Gehirn.

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Person

Das Ergebnis zweier unterschiedlicher Realitäten im Gehirn

Daniel versucht mit allen Mitteln, Marta auf objektive und praktische Art zu helfen. Seine emotionale Logik sagt ihm, dass das Beste was er tun kann ist, nach einer Lösung zu suchen.

Marta hingegen ist an einem andern Punkt und versucht, eine emotionale Verbindung mit ihrem Partner herzustellen.

In diesem Sinne kommt man zu dem Schluss, dass der emotionale Hintergrund eines Mannes nicht weniger reichhaltig ist oder weniger Gültigkeit hat als derjenige einer Frau, sondern dass Mann und Frau auf Gehirnebene, in der Gesellschaft und als Individuum einfach anders funktionieren.

Man kann sich dies als ein Verständigungsproblem oder auch als gegenseitige Ergänzung vorstellen.

Diese Erkenntnisse dienen dazu, das Gefühlsleben des Partners besser zu verstehen und zu akzeptieren.

  • Carlson, N. (2014): Physiologische Psychologie, Pearson Studium
  • Brizendine, L. (2010): Das männliche Gehirn. Warum Männer anders sind als Frauen. Hoffmann & Campe