Kopftransplantation: Russe meldet sich freiwillig als erster Spender der Geschichte

· 15 Januar, 2016

Es handelt sich nicht um einen Science Fiction Film, auch wenn dies so klingen mag. Eine Kopftransplantation könnte vielen Patienten in kritischen Situationen helfen, doch als erstes gilt es, Sinn und Zweck dieses Unternehmens zu verstehen.

Hier geht es nicht um eine sensationalistische Pressemeldung sondern um die Fortschritte der Medizin. Auch eine Herztransplantation war anfangs eine unglaubliche Leistung. Die medizinische Entwicklung grenzt manchmal jedoch an Übernatürliches, wobei auch moralische und ethische Fragen eine wichtige Rolle spielen.

Doch was, wenn durch diese Technik Leben gerettet und eine gute Lebensqualität garantiert werden kann?

Wir berichten heute über ein unglaubliches Projekt: die erste Kopftransplantation der Geschichte.

Valeri Spriridónov, der erste Freiwillige für eine Kopftransplantation

Sein Name ist Viktor Valeri Spriridónov, er ist 30 Jahre alt und von Beruf Informatiker. Warum wohl stellt sich dieser junge Mann freiwillig zur Verfügung, um als erster der Geschichte, seinen Kopf für eine Transplantation frei zu geben? Er leidet an Muskelatrophie und wird in kurzer Zeit seine Beweglichkeit völlig verlieren.

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Mit knapp einem Jahr wurde Spriridónov die Werdnig-Hoffman-Krankheit diagnostiziert. Sein Leben ist ein Countdown, er sieht tagein, tagaus, wie sich sein Körper in sein eigenes Gefängnis verwandelt.

Sein Rückenmark wird immer mehr von dieser Krankheit beeinträchtigt und obwohl ihm nur wenig Chancen gegeben wurden, sein erstes Lebensjahr zu überleben, ist er nunmehr bereits 30 Jahre alt. Doch wie lange hat er noch Zeit? Keiner weiß dies so genau, was diesem Mann jedoch klar ist, ist dass er sein Gesicht nie alt sehen wird.

Der Neurochirurg und Leiter dieses Projektes, der die Kopftransplantation durchführen würde, ist Sergio Canavero. Personen mit Muskelatrophie sind nach Aussage dieses Chirurgs in diesem Projekt vorzuziehen.

Ich habe Anst, natürlich, aber ich habe keine andere Wahl. Dieses Experiment ist dem Flug von Yuri Gagarin gleichzusetzen. Ich mache mir Hoffnungen, auch wenn ich weiß, dass ich an der Operation sterben kann.

Viktor Spiridónov

Sergio Canavero: „Eine Kopftransplantation ist möglich“

Kopftransplantation

Nachdem wir dir den ersten Freiwilligen für dieses Unternehmen vorgestellt haben, ist es an der Zeit, jenen Mann näher kennenzulernen, der diese Operation durchführen will: Sergio Canavero.

Dieser italienische Neurochirurg, der am Krankenhaus Molinette in Turin tätig ist, hat in der jährlichen Konferenz der American Academy of Neurology in Maryland (USA) und auch an anderen Stellen die Idee der Kopftransplantation vorgetragen.

Dabei geht es grundlegend darum:

  • 1970 wurde die erste Kopftransplantation an einem Schimpansen durchgeführt. Diese Operation scheiterte jedoch. Das Tier konnte sich nicht bewegen. Der Grund dafür? Das Rückenmark wurde nicht perfekt verbunden, das Tier starb kurz danach. Ohne Zweifel sehr bedauernswert.
  • Wie jedoch Canavero erklärt, könnte dieses Operation jetzt erfolgreich durchgeführt werden. Das Rückenmark könnte perfekt mit dem Gehirn verbunden werden, dafür würde der Chirurg eine chemische Substanz, nämlich Plyethylenglycol, verwenden.
  • Natürlich wird dafür ein Spender benötigt. Eine verstorbene Person, die ihren Körper der Wissenschaft vermacht, wie dies auch bei Spendern anderer Organe der Fall ist.
  • Sergio Canavero erklärt, dass er für die Durchführung dieser Transplantation 150 Personen benötigt. Zusätzlich muss ein ethischer Ausschuss die Transplantation gutheißen. Alleine für den Bau des notwendigen Labors wären 10 Millionen Euro notwendig.
  • Die Operation würde 36 Stunden dauern. Und auch wenn es unglaublich klingt: Die erste Kopftransplantation könnte in zwei Jahren durchgeführt werden, was ausreichen würde, um Viktor Spiridónov eine neue Chance zu geben.

Hoffnungen erweckt diese Methode nicht nur bei Spiridónov, sondern auch bei gelähmten Personen und bei all jenen, die in Folge eines Autounfalls an einen Rollstuhl gefesselt sind.

Entspannung durch Gehen

Der Wissenschaftler erklärt, dass der Patient vor der Operation in ein künstliches Koma versetzt werden muss, damit anschließend im Rückenmark Elektroden eingesetzt werden können, welche die Produktion neuer Nervenverbindungen stimulieren können.

Danach wird das Rückenmark des Spenders mit jenem des Empfängers verbunden: Ein sehr komplexer und komplizierter Prozess, bei dem die zuvor erwähnte chemische Substanz verwendet wird. Abschließend werden Muskeln und Blutgefäße zusammengenäht.

Wenn alles gut geht, schätzt Canavero, dass der Patient über ein Jahr benötigt, um wieder gehen zu können. Denn so lange soll es gehen, bis sich das Gehirn an den neuen Körper gewöhnt. Doch es gibt auch noch andere Probleme… Wird der Patient den fremden Körper akzeptieren? Wird er ihn als den eigenen Körper anerkennen?

Die Komplexität einer Kopftransplantation geht weit über die Verbindung des Rückenmarks und der Nerven hinaus. Auch unser Gewissen muss diese Herausforderung verkraften. Wir werden beobachten, wie es mit diesem Projekt weitergeht.