Ist ein Glas Rotwein genauso herzgesund wie eine Stunde Sport?

· 4 Juni, 2015

Oft hat man von den positiven Eigenschaften gehört, die ein Glas Rotwein für das Herz haben sollen. Man liest sogar, die Wirkstoffe aus Rotwein seien genauso gesund für das Herz, wie eine Stunde Sport. Kann das sein? Und wenn ja, warum?

Wein1Rotwein

Rotwein wird aus den blauen Trauben hergestellt, wobei im Unterschied zu Roséwein die Schale komplett erwendet wird. Dadurch entsteht die tiefdunkelrote Farbe. Im Rotwein sind so die meisten Stoffe der Schale erhalten, besonders die Farbstoffe, die zu den sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien zählen. Antioxidantien sind unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen hochreaktive Sauerstoffverbindungen, sogenannte freie Radikale, die durch Einflüsse wie UV-Strahlung, Abgase, Medikamente und Umweltgifte im Körper entstehen. Was daraus folgt, nennt man oxidativen Stress. Zu viel davon kann Zellschäden verursachen, beschleunigt unseren Alterungsprozess und wird außerdem für eine ganze Reihe von Krankheiten verantwortlich gemacht. Antioxidantien sind natürliche Inhaltsstoffe, die unsere Körperzellen vor diesen schädlichen Einflüssen schützen können. Trauben enthalten Polyphenole, die wichtige Radikalfänger darstellen. Studien, die belegen, dass Rotwein krebsvorbeugend ist, beweisen, wie stark antioxidativ Polyphenole wirken!

essen-mit-bier-oder-wein-500x242Alkohol

Im Wein entsteht der Alkohol durch Gärung der Trauben. Rotwein hat einen Alkoholgehalt von maximal 16,5%, mehr kann durch natürliche Gärung nicht erreicht werden, da ein höherer Alkoholgehalt die alkoholproduzierenden Bakterien tötet. Enthält ein Wein mehr Alkohol, so kannst du sicher sein, dass er mit Alkohol „gepanscht“ wurde. Ein kleines Glas Rotwein mit nur 100ml enthält somit ca. 9g reinen Alkohol. Das ist in etwa so viel wie die 2,5-fache Menge an Bier! Alkohol an sich ist ein Zellgift (genau das, was die Hefebakterien bei der Gärung abtötet!), das über die Leber abgebaut wird und recht schnell im Gehirn seine bekannte Wirkung entfaltet. Bei Frauen liegt der Grenzwert für reinen Alkohol bei 12g pro Tag. Ab diesem Wert wirkt sich das Zellgift schädlich aus.

Wein2Rotwein fürs Herz?

In Studien wurde die positive Wirkung einiger im Rotwein enthaltener Stoffe auf das Herz-Kreislauf-System eindeutig belegt. Polyphenole, Antioxidantien, Tannine, sekundäre Pflanzenstoffe – sie alle haben positive Effekte nicht nur für unser Herz, sondern auch gegen Krebs. Allerdings enthält nicht nur Rotwein, sondern auch roter Traubensaft genau diese Stoffe, da auch bei der Herstellung des roten Traubensaftes die Schale der Trauben mitverarbeitet wird. Sonst wäre übrigens der Traubensaft nicht rot. Es ist nämlich möglich, aus roten Trauben weißen Wein zu keltern! Der heißt dann „Blanc de Noir“, also „Weiß aus Schwarz“, weil er aus dunklen Trauben gewonnen wird und trotzdem wie Weißwein aussieht. In rotem Traubensaft hast du also alle herzgesunden und krebsvorbeugenden Wirkstoffe, die auch im Wein enthalten sind. Und das ganz ohne Alkohol. Der tägliche Konsum von Wein „der Gesundheit wegen“ kann zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen (wer trinkt schon nur 100ml?), sowie schwere Erkrankungen wie Leberzirrhose, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs und Nervenerkrankungen hervorrufen. Regelmäßiger Konsum auch kleiner Mengen von Alkohol kann das Brustkrebsrisiko erhöhen. Gerade für uns Frauen ist es daher Blödsinn, „der Gesundheit wegen“ das tägliche Glas Rotwein zu trinken. Im roten Traubensaft ist alles drin! Und was noch viel, viel besser ist: rote Trauben gleich so essen. Mit der Schale, direkt vom Obsthändler. Dann hast du nämlich alle gesunden Wirkstoffe der Traube, kombiniert mit vielen gesunden Ballaststoffen, die zum Beispiel Darmkrebs vorbeugen, Cholesterin senken und viele weitere positive Eigenschaften für deine Gesundheit haben. Außerdem enthalten frische Trauben noch mehr Vitamine als Traubensaft.

 TraubenWie kam es zum Missverständnis?

Das Missverständnis, dass der tägliche Genuss von Rotwein gut für das Herz sei, ist wohl dadurch entstanden, dass die Herzgesundheit der Menschen in Mittelmeerländern größer ist als die der Menschen in mittel- und nordeuropäischen Ländern. Da man – wohl in Urlaubslaune – diesen Ländern einen höheren Rotweinkonsum zuschreibt als anderen, kam irgendwann ein findiger Marketingexperte auf die Idee, diese romantische Vorstellung zu nutzen. Tatsächlich ist es so, dass Franzosen, Spanier und Portugiesen mehr Wein trinken als Deutsche – aber auch die Schweizer, Österreicher, Dänen, Belgier und Rumänen liegen in der Statistik weit vor uns. Es liegt nicht am Rotweinkonsum selbst, sondern an der viel gerühmten „Mittelmeerkost“: viel frisches Obst und Gemüse, pflanzliche Fette und Fisch und sehr wenig fette Fleischwaren. Das ist in Wirklichkeit der Grund für die bessere Herzgesundheit der Mittelmeeranrainer! Fazit: in roten Trauben stecken sehr viele gesundheitsfördernde Stoffe, die zwar keine Stunde Sport ersetzen, aber deiner Gesundheit förderlich sind. Rotwein enthält diese Stoffe auch – aber in Kombination mit dem darin enthaltenen Alkohol kehrt sich der Gesundheitseffekt leider ins Gegenteil um. Also los zum Obsthändler und rote Trauben kaufen!