Hodophobie oder Reiseangst: Warum tritt sie auf und wie kann man sie überwinden?

Angst davor, das zu verlassen, was uns sicher und vertraut ist, Angst vor einem Unfall, davor, sich in einer fremden Stadt zu verirren oder ausgeraubt zu werden. Reiseangst ist eine Art von Phobie, die oft mit einer traumatischen Erfahrung aus der Vergangenheit zusammenhängt.
Hodophobie oder Reiseangst: Warum tritt sie auf und wie kann man sie überwinden?

Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2021

Hodophobie oder Reiseangst ist eine ganz besondere Art von psychologischer Erkrankung. Sie tritt bei Menschen auf, die Angst empfinden, nur weil sie sich aus ihrer Komfortzone entfernen.

Sie fürchten sich davor, ihr Zuhause zu verlassen, das ihnen vertraut ist und das sie kontrollieren können. Es können aber auch andere Phobien hinzukommen, wie die Angst vor dem Fliegen oder vor dem Autofahren und einen Unfall zu haben.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen assoziiert Reisen zwar mit Freizeit und Vergnügen. Für manche stellt die Urlaubszeit jedoch eine große Stressquelle dar.

Es sind Tage, an denen Reisen, Besuche bei der Familie, Aufenthalte an neuen Orten, in fremden Städten und Ländern an der Tagesordnung sind. Diese Art von Situation kann bei vielen Menschen ein hohes Maß an Angst auslösen.

Hodophobie oder Reiseangst: Symptome und Ursachen

So ungewöhnlich das für uns auch klingen mag, es ist eine unbestreitbare Tatsache: Phobien sind die häufigste psychiatrische Erkrankung.

Wir alle haben Ängste, einzigartige Dimensionen, die wir vermeiden und die unser Leben bestimmen oder auch nicht. Phobien sind jedoch an sich eine irrationale und intensive Angst, die wir nicht kontrollieren können oder nicht wissen wie.

Es gibt Bewältigungsstrategien und -mechanismen, die man in die Praxis umsetzen kann. Nun schauen wir uns also an, woraus diese Art von psychologischem Zustand besteht.

Sigmund Freud erklärte in einem seiner Briefe an einen Kollegen, dass das Reisen bei ihm Ängste auslöst. Wir wissen nicht, ob das, woran der Vater der Psychoanalyse litt, eine echte Phobie war, denn die Hodophobie oder die Angst vor dem Reisen kann sehr einschränkend sein. Es ist eine Sache, eine leichte Unruhe zu verspüren, und eine andere, das Haus nicht mehr verlassen zu können.

Diese Art der psychischen Störung definiert eine irrationale und lähmende Angst, die von einer intensiven Symptomatik begleitet wird. Mit anderen Worten: Wer unter Reiseangst leidet, schafft es nicht immer, überhaupt in den Zug zu steigen, sich ins Flugzeug zu setzen oder im gebuchten Hotel anzukommen. Diese Tatsache kann das Leben derer, die darunter leiden, völlig verändern.

Andererseits ist anzumerken, dass das DSM-5 (Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) die Hodophobie beziehungsweise die Angst vor dem Reisen als eine spezifische Art von Phobie innerhalb der Angststörungen selbst klassifiziert. Lass uns daher einen Blick auf die beschriebenen Symptome für ihre korrekte Diagnose werfen.

Mann auf Koffer Hodophobie
Hodophobie äußert sich auch oft in Flugangst oder Angst vor einem Autounfall.

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Wie äußert sich die Hodophobie oder Reiseangst?

Diese Art von Phobie kann sich, wie jede andere auch, auf verschiedene Weise manifestieren. Jeder Mensch drückt seine irrationalen Ängste auf eine bestimmte Art aus. Einige tun dies intensiver, während andere funktional bleiben. Wir können jedoch eine Reihe von gemeinsamen emotionalen Merkmalen erkennen:

  • Angst vor der Vorstellung, unser Zuhause zu verlassen, das heißt von dem, was bekannt und sicher ist, getrennt zu werden
  • Intensive Ängste, wenn man in ein Auto, ein Flugzeug oder einen Zug steigt
  • Angst, einen Unfall zu haben
  • Scham über die Tatsache, dass andere unsere Phobie wahrnehmen können

Es gibt auch kognitive Symptome, wie zum Beispiel die folgenden:

  • Die Person denkt ständig an all die negativen Dinge, die passieren können. Sie fühlt sich meist unfähig, diese negativen und katastrophalen Gedanken zu kontrollieren.
  • Die Vorstellungskraft führt zu einer Schleife von katastrophalen Bildern: Unfälle, Entführungen, Terroranschläge.
  • Blockade vor konkreten Ereignissen, wie zum Beispiel eine Reise buchen zu müssen. Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu richten.
  • Verwirrung und Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen.

Schließlich wollen wir auch die körperlichen Manifestationen der Störung erwähnen. Hodophobie oder Reiseangst wird von unzähligen körperlichen Anzeichen begleitet, die von milden bis hin zu schwerwiegenderen reichen:

  • Schwindel und Herzrasen
  • Magenschmerzen und Darmstörungen bei der Vorstellung, eine Reise zu unternehmen
  • Schwitzen und Mundtrockenheit

Studien, wie zum Beispiel an der Universität von Kalifornien, zeigen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Phobien und Panikattacken besteht. Das heißt, im Falle der Hodophobie kommt es manchmal zu extremen Situationen, in denen die Person diese Reaktionen sogar beim bloßen Gedanken an eine Reise erleidet.

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Was verursacht Hodophobie oder Reiseangst?

Eine Sache, über die wir uns bei Phobien im Allgemeinen im Klaren sein sollten, ist, dass es nicht immer einen klaren Auslöser gibt. Phobien unspezifischen Ursprungs sind recht häufig und die Hodophobie ist eine von ihnen.

Forschungsarbeiten wie die von Dr. René García an der Universität Marseille weisen jedoch auf Folgendes zur Neurobiologie der Angst hin:

  • Der Ursprung kann in traumatischen Ereignissen in der Vergangenheit liegen. Bei Reiseangst kann die Person in der Vergangenheit einen Unfall erlitten haben oder Opfer eines Terroranschlags geworden sein.
  • Es kann auch ein genetisches oder sogar familiäres Muster vorliegen. Dies kann eintreten, wenn unsere Eltern auch Angst vor dem Reisen, vor Flugzeugen oder Booten hatten.
Person am Bahnsteig
Die Konfrontationstherapie ist die am besten geeignete Technik zur Behandlung von Reiseangst.

Wie behandelt man diese Art von Phobien?

Der am besten geeignete Bewältigungsmechanismus für alle Phobien ist die kognitive Verhaltenstherapie. Innerhalb dieses Ansatzes kommen in der Regel die folgenden Mittel zum Einsatz:

  • Konfrontationstechnik: Diese besteht darin, die Person den phobischen Reizen näherzubringen, um an den Gedanken und emotionalen Reaktionen zu arbeiten.
  • Kognitive Umstrukturierung: Sie setzt voraus, dass der Patient in der Lage ist, negative und irrationale Denkmuster zu erkennen, um sie in gesündere Ansätze umzuwandeln.
  • Emotionsmanagement: Lähmende Emotionen aufzuspüren, sie zu erkennen, zu benennen und in entspannte und befriedigende Zustände umzuwandeln, ist ein wichtiges Werkzeug.
  • Atem- und Entspannungstechniken: Auch bei Hodophobie oder Reiseangst können geeignete Atem- und Entspannungstechniken helfen. Dies sind ergänzende Mittel zur eigentlichen kognitiven Verhaltenstherapie.
  • Virtuelle Realität: Heutzutage ist die virtuelle Realität ein effektives Mittel bei der Behandlung von Phobien.

Phobien sind lähmend, deshalb muss man an ihnen arbeiten

Zusammenfassend können wir sagen, dass jede irrationale Angst unsere Lebensqualität beeinträchtigen kann. Wenn wir sie nicht in den Griff bekommen, entstehen meist neue Phobien, die zu einem Zustand führen, in dem die Angst völlig überhandnimmt.

Lasst uns vermeiden, an diese Grenzen zu stoßen: bei solchen Zuständen sollten wir professionelle Hilfe suchen. It might interest you...

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