Geburtseinleitung: was ist das und wie findet sie statt?

18 April, 2019
In bestimmten Fällen kann der Gynäkologe zur Geburtseinleitung raten. Das bedeutet, das die Wehen künstlich eingeleitet werden, damit es zur Geburt kommt.

Bei der Geburtseinleitung werden die Wehen auf künstliche Weise hervorgerufen, damit so der Prozess der Geburt beginnen kann. Es handelt sich also um eine programmierte Handlung und ihre Ausführung hängt von bestimmten Umständen ab, die der Gynäkologe auswertet.

In unserem Artikel erfährst du viele interessante Fakten über die Geburtseinleitung.

Die Geburtseinleitung

Im Unterschied zu einer „normalen“ Geburt, werden bei der Geburtseinleitung die Wehen auf künstliche Art durch pharmazeutische Produkte eingeleitet. 

Selbst wenn es ratsam ist, immer zu warten, bis die Wehen von selbst kommen, gibt es einige Fälle, bei denen eine Geburtseinleitung vorteilhafter ist. Es gibt verschiedene Gründe, die diese Prozedur ratsam machen. In solchen Fällen rät der Arzt immer dazu und führt sie durch.

Wann ist die Geburtseinleitung empfehlenswert?

Hochschwangere Frau
Die Geburtseinleitung findet nur in bestimmten Fällen statt, wenn Gesundheit von Baby und Mutter unter Risiko stehen.
  • Vorzeitiges Reißen der Membranen. Wenn das Fruchtwasser abgeht, dann beginnen für gewöhnlich die Wehen. Doch manchmal geschieht dies zu früh und die Wehen beginnen noch nicht. Wenn nach 12 bis 24 Stunden nichts geschehen ist, kann der Gynäkologe die Geburt einleiten, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Verlängerte Schwangerschaft. Der Spezialist kann nach 42 Wochen Schwangerschaft zur Geburtseinleitung raten, wenn diese nicht auf natürliche Weise geschehen ist.
  • Krankheit der Mutter. In einigen Fällen leidet die werdende Mutter unter Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck usw. Um in solchen Fällen eine Unausgeglichenheit der Mutter zu vermeiden, kann die Geburt künstlich eingeleitet werden.
  • Kindspech. Mekonium kann eine Komplikation für den Fötus bedeuten. Deshalb kann es besser sein, die Geburt einzuleiten.
  • Makrosomie des Fötus. Es handelt sich hierbei um Fälle, bei denen das ungeborene Kind mehr als 4,5 kg wiegt. Da dies bestimmte Risiken für Kind und Mutter birgt, kann der Arzt zur Geburtseinleitung raten.
  • Tod des Fötus im Mutterleib: Leider muss in solchen Fällen die Geburt eingeleitet werden.

Wie wird die Geburt eingeleitet?

Hat der Spezialist entschieden, dass eine Geburtseinleitung notwendig ist, so geschieht dies in zwei Phasen.

1. Phase: Weitung des Muttermundes

Um die Geburt einzuleiten, muss der Gebärmutterhals mindestens 2 bis 3 cm geweitet sein. Deshalb gibt der Arzt der Mutter Prostaglandine (Hormone, die den Uterus stimulieren), damit der Prozess der Weitung beginnt.

Es können jedoch 12 bis 24 Stunden von der Verabreichung der Hormone bis zur Weitung des Gebärmutterhalses vergehen. Deshalb geschieht dies oft in der Nacht, damit die Frau ruhen kann und dann am Morgen auf die Einleitung der Geburt vorbereitet ist.

2. Phase: Amnitomie oder Oxytocin

Ist der Gebärmutterhals geweitet, so kann der Arzt die Fruchtblase aufreißen, um die Wehen zu stimulieren. Beginnen sie allerdings nicht auf natürliche Weise, so kann es sein, dass der Arzt Oxytocin verabreicht.

Oxytocin ist ein Hormon, das das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskeln hervorruft und intravenös durch einen Tropf verabreicht wird. Gleichzeitig misst man sowohl die Herztöne von Kind und Mutter als auch die Wehen.

Normalerweise ist die erste Dosis Oxytocin gering und wird dann auf Anweisung des Arztes erhöht.

Nach der Verabreichung des Hormons können die Wehen plötzlich und schmerzhaft beginnen, wodurch sowohl Kind als auch Mutter leiden. Deshalb muss der Gynäkologe diesen Prozess intensiv überwachen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Geburt auf natürliche Weise, sofern kein Kaiserschnitt notwendig ist. 

Unser Lesetipp: Was ist das Hormon Oxytocin?

Risiken der Geburtseinleitung

Gefahren der Geburtseinleitung
Der Prozess ist zwar langwierig und schmerzhaft, doch es ergeben sich normalerweise keine größeren Komplikationen.

Das größte Risiko für die Mutter stellt die Länge des Prozesses dar. Dadurch kann es zu Erschöpfung und sogar Fieber kommen (aufgrund der verabreichten Medikamente).

Man muss dabei beachten, dass von der Verabreichung der Prostaglandine bis zur Weitung des Gebärmutterhalses bis zu 24 Stunden vergehen können.

Rechnet man dann noch die Zeit dazu, die von der Verabreichung der Oxytocine und den beginnenden Wehen bis zur vollendeten Geburt vergehen, so kann man sagen, dass es sich um einen durchaus langen Prozess handelt.

Es kann auch sein, dass der Fötus sich während dieses Prozesses nicht besonders wohl in der Gebärmutter fühlt. Deshalb kann es sein, dass der Gynäkologe den Kaiserschnitt anordnet. Doch es kommt nicht immer zu diesen Komplikationen.

Die meisten eingeleiteten Geburten sind vaginal und ohne Komplikationen.

Lies auch: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Sollte dein Gynäkologe dir also zu einer Geburtseinleitung raten, so verzweifle nicht. Der Prozess ist zwar lang, doch das medizinische Personal im Krankenhaus wird dich bei jedem Schritt betreuen. Einige Stunden später hat du dann endlich dein Neugeborenes in den Armen.

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