Fruchtwasser: Welche Funktionen hat es und welche Probleme könnten auftreten?

Das Fruchtwasser ist eine wichtige Substanz für eine normale Schwangerschaft. Daher ist es sehr wichtig, die pränatalen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, um Anomalien zu erkennen. Hier erfährst du alles Wissenswerte!
Fruchtwasser: Welche Funktionen hat es und welche Probleme könnten auftreten?

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 04. August 2022

Das Fruchtwasser ist die Substanz, die den Fötus in der Fruchtblase umgibt. In dieser Blase bildet und entwickelt sich das Baby bis zur Geburt.

Das Fruchtwasser spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung. Am wichtigsten ist, dass es den Körper des Babys und die Organe der Mutter schützt. Außerdem hilft es, das biologische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Aufgrund seiner wichtigen Rolle kann das Fruchtwasser von Ärzten genutzt werden, um Informationen über die Gesundheit und die Entwicklung des Fötus zu erhalten. Dadurch können unter anderem einige Krankheiten frühzeitig erkannt werden.

Was genau ist Fruchtwasser?

Das Fruchtwasser ist eine klare, fast durchsichtige Flüssigkeit, die allerdings einen gelblichen Farbton hat. Es ist normal, dass es auch einige leichte Blutflecken enthält. Normalerweise ist es geruchlos.

Mit fortschreitender Schwangerschaft kann es sich mit Klumpen füllen, die Schuppen der Babyhaut sind. Nach dem Geburtstermin – nach der 40. Woche – wird es milchig gefärbt. Das Fruchtwasser besteht aus Wasser, Elektrolyten, Proteinen, Kohlenhydraten, Lipiden, Mineralien, Harnstoff und fetalen Zellen.

Die Mutter beginnt mit der Produktion dieser Substanz am zwölften Tag der Schwangerschaft. Sie steigt dann allmählich bis etwa zur 34. Woche an. Dann nimmt sie leicht ab und die Membranen reißen, wenn die Wehen einsetzen und die Fruchtblase platzt.

Das Fruchtwasser - Fötus im Mutterleib
Der Fötus bringt schuppige Hautzellen, die sich im Laufe der Schwangerschaftswochen ansammeln, in das Fruchtwasser ein.

Welche Funktionen hat das Fruchtwasser?

Das Fruchtwasser spielt während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Der Fötus schwimmt in dieser Substanz; gäbe es sie nicht, wäre die Entwicklung unmöglich.

Obwohl es noch Lücken in der Wissenschaft zu diesem Thema gibt, wissen wir, dass die wichtigsten Funktionen des Fruchtwassers die folgenden sind:

  • Es erleichtert das Knochenwachstum: Die Substanz ermöglicht es dem Fötus, sich frei zu bewegen, ohne dass die Membranen der Fruchtblase an seinem Körper kleben. Das bedeutet, dass er ohne Schwierigkeiten wachsen kann.
  • Fördert die Muskelentwicklung: Das Fruchtwasser ermöglicht es dem Fötus, sich in verschiedene Positionen zu bewegen. Dies trägt zur Muskelentwicklung bei.
  • Schützt den Fötus: Das Fruchtwasser dient als Stoßdämpfer bei äußeren Stößen oder plötzlichen Bewegungen. Außerdem mindert es die Auswirkungen von Gebärmutterkontraktionen.
  • Schützt die Mutter: Das Fruchtwasser dient auch als Polster für die Mutter gegen die Bewegungen des Fötus. Darüber hinaus verhindert es auch Schäden an den umliegenden Organen und beugt einer Kompression der Nabelschnur vor.
  • Schafft ein günstiges Umfeld durch die Aufrechterhaltung der richtigen Temperatur in der Gebärmutter. Außerdem sorgt es für eine sterile, d.h. keimfreie Umgebung.
  • Ermöglicht den Austausch von biochemischen Stoffen und reguliert den pH-Wert.
  • Das Fruchtwasser fördert die Entwicklung der Lunge: Ab dem zweiten Trimester atmet der Fötus Fruchtwasser ein und schluckt es. Dies fördert die Entwicklung seiner Lungen und seines Magen-Darm-Systems.
  • Hilft bei der Bewegung in den Geburtskanal: Das Fruchtwasser hilft dem Fötus, sich im Geburtskanal einzunisten. Anschließend schmiert es den Bereich, um die Geburt zu erleichtern.

Hauptprobleme im Zusammenhang mit Fruchtwasser

Die Hauptprobleme im Zusammenhang mit Fruchtwasser haben mit dem Volumen zu tun. Der Fötus braucht eine ausreichende Menge, um sich normal zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund werden wir 3 abnormale Situationen analysieren.

1. Zu wenig Fruchtwasser

Dieser Zustand wird auch als Oligohydramnion bezeichnet und erhöht das Risiko von Unfällen mit der Nabelschnur. Der Mangel an Fruchtwasser bedeutet, dass der Fötus weniger Platz hat, um sich frei zu bewegen.

Wenn diese Situation längere Zeit anhält, ist es auch möglich, dass die Lungenentwicklung beeinträchtigt wird, da der Fötus diese Substanz ein- und ausatmet. Auch vorzeitige Wehen sind wahrscheinlicher.

Das Problem kann durch eine Dehydrierung der Mutter, Veränderungen der Plazenta oder einen vorzeitigen Blasensprung verursacht werden. Wenn es ernst ist, wird der Arzt/die Ärztin wahrscheinlich entscheiden, die Geburt einzuleiten, um größere Risiken zu vermeiden.

2. Ein Überschuss an Fruchtwasser

Dieser Fall wird auch als Polyhydramnion bezeichnet. Das größte Risiko sind vorzeitige Wehen, deshalb ist eine engmaschige medizinische Überwachung erforderlich. Die Ärztinnen und Ärzte können diesen Zustand mit Medikamenten behandeln oder den Überschuss beseitigen. Wenn er sich spät in der Schwangerschaft einstellt, ist eine intensive Behandlung möglicherweise nicht erforderlich.

Überschüssiges Fruchtwasser wird oft durch Schwangerschaftsdiabetes oder Anomalien des Fötus verursacht. Diese Situation tritt häufiger bei Mehrlingsschwangerschaften auf.

3. Fruchtwasseraustritt

Es ist möglich, dass während der Schwangerschaft Fruchtwasser austritt. Das kann langsam und in geringen Mengen geschehen oder plötzlich und in großen Mengen. Geschieht dies vor der 37. Woche, spricht man von einem vorzeitigen Blasensprung.

Dieser Zustand kann zu einer gestörten Entwicklung des Fötus, einer Infektion oder einer vorzeitigen Entbindung führen. In einigen Fällen muss die Mutter ins Krankenhaus und mit Medikamenten behandelt werden, um die Lungenentwicklung des Fötus zu beschleunigen. Ziel ist es, die Wehen so lange wie möglich hinauszuzögern.

Tritt die Leckage nach der 37. Woche auf, ist möglicherweise kein Eingriff erforderlich. Der Arzt kann empfehlen, die Wehen einzuleiten, wenn sie 24 Stunden nach dem Ereignis noch nicht eingesetzt haben.

Das Fruchtwasser - schwangere Frau wird untersucht
Die Einleitung der Wehen kann bei Fruchtwasserproblemen notwendig sein, um die Gesundheit des Babys und der Mutter zu schützen.

Wann solltest du einen Arzt aufsuchen?

Normalerweise verursacht zu viel oder zu wenig Fruchtwasser keine Symptome bei der Mutter. Wenn zu wenig Fruchtwasser vorhanden ist, spürst du vielleicht nur, dass sich der Fötus weniger bewegt, als er sollte.

Falls zu viel Fruchtwasser vorhanden ist, fühlt sich die Mutter manchmal kurzatmig oder erlebt schmerzhafte Wehen vor dem Geburtstermin. Wenn ein Flüssigkeitsaustritt festgestellt wird, sollte er so schnell wie möglich von einem Arzt/einer Ärztin untersucht werden.

Da das Fruchtwasser für die normale Entwicklung des Babys so wichtig ist, ist es am besten, wenn du regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen gehst. Es ist wichtig, dass du deinen Arzt oder deine Ärztin über jedes Anzeichen von Fruchtwasserverlust informierst.

Mütter mit Diabetes oder Mehrlingsschwangerschaften sollten ihre Ärztin oder ihren Arzt noch regelmäßiger aufsuchen.

Es ist sehr wichtig, dass du während der Schwangerschaft auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtest und alle Anweisungen deines Arztes befolgst.

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