Capgras-Syndrom: Wissenswertes über die mysteriöse Störung

Es handelt sich um eine sehr seltene psychische Störung, bei der Betroffene glauben, dass nahe Bezugspersonen durch identische Doppelgänger ausgetauscht wurden.

Diese extrem seltene psychische Störung führt dazu, dass Betroffene glauben, nahe Bezugspersonen seien durch identische Doppelgänger ausgetauscht worden. Ihr Leben verändert sich damit radikal, denn sie erkennen beispielsweise ihre eigene Mutter nicht mehr als solche an. Erfahre heute mehr über das Capgras-Syndrom.

Der Glaube, dass Familienangehörige oder Freunde durch einen identischen „Klon“ ersetzt wurden, führt zu großer Angst und Ablehnung. Anschließend geht es um die Ursachen und Diagnose dieser psychischen Störung.

Etymologie

Das Syndrom wurde nach dem Entdecker, dem französischen Psychiater Jean Marie Joseph Capgras, benannt. Als er sich in den frühen 1920er Jahren mit dieser Krankheit beschäftigte, sprach er von der „doppelten Illusion“.

Capgras behandelte eine 74 Jahre alte Frau, die glaubte, ihr Ehemann wäre durch einen identischen Doppelgänger ausgetauscht worden. Andere Familienmitglieder erkannte die Patienten jedoch problemlos. Nur ihr Mann war eine Ausnahme. Davor war das Capgras-Syndrom unbekannt.

Capgras-Syndrom: Symptome

Das Capgras-Syndrom ruft Symptome hervor. die denen anderer psychischen Erkrankungen ähneln.

Das auffälligste Symptom dieser Störung ist, dass nahestehenden Menschen gemieden und abgewiesen werden. Typischerweise handelt es sich um Personen, zu denen eine starke emotionale Bindung besteht.

Psychiater sprechen von einer fehlenden emotionalen Identifikation, das heißt, dass die Patienten zwar das Gesicht erkennen, sich jedoch nicht an die emotionale Bindung zu dieser Person erinnern können. Sie sehen vor sich einen fremden Menschen stehen.

Viele Symptome sind ähnlich wie bei anderen psychischen Störungen, bei denen es zu paranoiden Ideen, Wahnvorstellungen und ernsten Beziehungsproblemen kommt.

Ursachen

Diese sehr seltene Störung ist weitgehend unerforscht, deshalb ist es sehr schwierig, die Ursachen zu klären. Darüber hinaus besteht eine große Ähnlichkeit zu anderen psychischen Erkrankungen, die nicht immer eindeutig abgegrenzt werden können.

In den 90er Jahren gab es verschiedene Studien und Forschungsprojekte, um mögliche Ursachen festzustellen. Wir nennen anschließend verschiedene Entdeckungen, die dabei gemacht wurden:

  • 1990 publizierte das British Journal of Psychiatry eine Studie, in der die Psychologen Haydn Ellis und Andy Young die These aufstellten, dass das Capgras-Syndrom eine Umkehrung von Prosopagnosie ist. Dies bedeutet, dass die bewusste Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, intakt ist. Sie vermuteten, dass es Probleme bei der automatischen emotionalen Verknüpfung zu den bekannten Gesichtern gab.
  • 1997 veröffentlichten Haydn Ellis und seine Mitarbeiter eine Studie über 5 Patienten mit Capgras-Syndrom (alle davon waren schizophren). Sie bestätigten, dass sie zwar durchgehend Gesichter erkennen konnten, allerdings keine normale, automatische Verknüpfung zu Emotionen bestand.

Diagnose

Um das Capgras-Syndrom zu diagnostizieren sind einige Tests notwendig.

Zur Diagnose diser Störung werden folgende Tests durchgeführt:

  • Der Test der verbalen Konzeptualisierung analysiert die Verwendung von Sprache, da Patienten meist ein reduziertes Sprachvermögen aufzeigen.
  • Der Wechsler Intelligenztest (WAIS) misst die visuell-räumlichen und visuokonstruktiven Fähigkeiten.
  • Der Multitasking-Test bestimmt die Funktion der exekutiven Fähigkeiten im Frontallappen des Gehirns.
  • Ein verbaler Test bewertet das Gedächtnis, da Menschen mit dem Capgras-Syndrom häufig auch an einem Gedächtnisverlust leiden.

Capgras-Syndrom: Behandlung

Da nicht viel über das Capgras-Syndrom bekannt ist, ist es schwierig, es zu behandeln.

Leider kennen wir die genauen Auslöser dieser Störung nicht. Daher gibt es bis jetzt keine spezifische Therapie. Wenn eine Grunderkrankung wie Demenz, Schizophrenie oder eine Psychose vorliegt, wird diese behandelt.

Darüber hinaus wird versucht, die Symptome möglichst gering zu halten. Dafür werden verschiedene psychiatrische Medikamente verwendet:

  • Antikonvulsiva als unterstützende Behandlung,
  • eine psychologische Therapie, um die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern,
  • Neuroleptika, um Wahnvorstellungen zu kontrollieren und
  • Anxiolytika, die angstlösend und beruhigend wirken.
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