Anschreien von Kindern: 5 langfristige negative Folgen

2 September, 2019
Das Anschreien von Kindern durch die Eltern kommt immer wieder vor. Doch verschiedene Studien haben gezeigt, dass die negativen Folgen für den Nachwuchs auch langfristig sein können. Denn die Kleinen können sowohl emotionale also auch körperliche Schäden nehmen. Dazu kommen auch Auswirkungen auf das Gehirn. In diesem Artikel erfährst du alles darüber.

Das Anschreien von Kindern ist nie die beste Option, um sie zu erziehen. Denn ob du es glaubst oder nicht: Schreien ist auch eine Form der Gewalt, die der Persönlichkeit eines Kindes langfristig Schaden zufügen kann. Das gilt auch für das Gehirn.

Deshalb ist es am besten, immer auf eine sanfte und respektvolle Erziehung zu achten und das Anschreien von Kindern zu vermeiden. In diesem Artikel erfährst du alles zu diesem Thema. Wir haben auch Tipps wie du gegebenenfalls auch mit Liebe und Mitgefühl maßregeln kannst.

Das Anschreien von Kindern durch die Eltern

Wütend schreiende Frau

Schreien ist ein Zeichen für Kontrollverlust in bestimmten Situationen.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, in welchen Situationen du eigentlich beginnst, zu schreien? Jemanden anzuschreien ist ein klarer Ausdruck von Kontrollverlust. Daher kommt es dazu, dass du zu schreien beginnst, wenn du gehört werden willst und deine Meinung durchsetzen möchtest. Aber glaubst du tatsächlich, dass du besser verstanden wirst, nur weil du lauter sprichst?

Der Psychiater Dr. Joseph Shrand veröffentlichte das Buch „Outsmarting Anger: 7 Strategies for Defusing Our Most Dangerous Emotion“ (bisher nicht auf Deutsch erschienen, der Titel bedeutet in etwa: „Den Ärger überlisten: 7 Strategien, wie wir unsere gefährlichsten Gefühle entschärfen können„). Darin spricht der Autor darüber, dass das limbische System des Kindes aktiviert wird, wenn du beginnst, deine Stimme zu erheben. Das limbische System ist unter anderem für die instinktiven „Kampf- oder Fluchtreaktionen“ verantwortlich.

Du siehst also: Das Anschreien von Kindern durch die Eltern erreicht genau den gegenteiligen Effekt. Du wirst sie so erst recht nicht dazu bringen, dir zuzuhören und aufmerksam zu sein. Vielmehr schaffst du so nur, dass sie ihrerseits ebenfalls zu schreien beginnen, oder dass sie versuchen, dieser Situation zu entkommen. Zum Beispiel dadurch, dass sie sich ganz in sich selbst zurückziehen.

Außerdem fühlt sich das Schreien ja auch nicht gut an. Weder für dich noch für deine Kinder. Im Weiteren werden wir dir Auskunft darüber geben, welche Folgen das Anschreien von Kindern auf diese haben kann.

Vielleicht auch interessant für dich: Der verantwortungsvolle Umgang mit Geld – Erziehungstipp für Eltern

Warum sollte man vermeiden, Kinder anzuschreien?

1. Durch das Anschreien von Kindern kann es zu Veränderungen im kindlichen Gehirn kommen

Anschreien von Kindern durch ihre Eltern

Das Anschreien von Kindern kann ihrem Gehirn und ihrer emotionalen Entwicklung schaden.

Eine Studie aus dem Jahr 2011 kam zu folgendem Schluss: Das Anschreien von Kindern durch die Eltern verursacht den Kleinen Stress. Daher hat es Folgen, wenn ein Kind von klein auf und anhaltend dieser Art von Stress ausgesetzt ist. Denn die Art und Weise, wie das Gehirn sprachliche Informationen verarbeitet, kann dadurch Veränderungen erfahren.

Das Anschreien von Kindern kann die Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinflussen, und zwar in der Art, dass es negative Informationen und Ereignisse gründlicher und schneller verarbeitet als positive.

2. Das Anschreien von Kindern kann zu Depressionen und geringem Selbstwertgefühl führen

Erinnerst du dich, wie du dich gefühlt hast, als deine Mutter, dein Vater oder ein Lehrer dich angeschrien hat? Wenn du Kinder anschreist, rufst du in ihnen Angst, Frustration und Traurigkeit hervor. Doch auch über diese vorübergehenden Gefühle hinaus kannst du der Psyche des Kindes ernsthaft Schaden zufügen.

Denn sobald du deine Stimme erhebst, damit deine Kinder dir zuhören, vermittelst du ihnen vor allem eins sehr laut und ganz klar. Nämlich, dass sie nicht gut genug sind, um die Dinge richtig zu machen. So wie du es von ihnen erwartest. Durch mangelnde Geduld und Toleranz wirst du ihnen leicht das Gefühl geben, dass sie nicht deinen Erwartungen entsprechen und das wird ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigen.

Auf der anderen Seite haben einige Untersuchungen auch noch Folgendes ergeben: Verbale Gewalt kann die Ursache für psychische Probleme im Erwachsenenalter sein. Tatsächlich wurde das Anschreien mit Depressionen und Ängsten in Verbindung gebracht. Auch selbstzerstörerische Handlungen wie Alkohol- und Drogenmissbrauch oder die Tendenz zu riskanten sexuellen Vorlieben können die Folge sein.

3. Emotionaler Missbrauch kann Verhaltensprobleme verschärfen

Vater schreit seinen kleinen Sohn an

Statt Konflikte zu lösen, verschlimmert das Schreien die Situation nur.

Wie bereits am Anfang des Artikels erwähnt, führt das Anschreien von Kindern dazu, dass ihr limbisches System aktiviert wird. Also kommt es entweder zu einer Verteidigungsreaktion oder zu einem Fluchtverhalten. Daher ist in vielen Fällen das Schreien weit davon entfernt, ein Problem zu lösen.

Vielmehr kann das Anschreien von Kindern alles noch verschlimmern. Ihre Widerspenstigkeit und Sturheit erhöht sich dadurch nur noch. Das kann so weit gehen, dass es zu gefährlichen Situationen kommen kann.

Forscher führten eine Studie mit 13-jährigen Kindern durch. Diese hatten Stresssituationen aufgrund des Anschreiens durch ihre Eltern erlebt. Sie wiesen mittelfristig verstärkt negative Verhaltensweisen auf. Also du merkst schon: Du solltest unbedingt vermeiden, deine Kleinen anzuschreien, wenn du nicht willst, dass die Situation noch komplizierter wird.

4. Das Anschreien lehrt Kinder den falschen Umgang mit ihren Gefühlen

Eltern sind der Spiegel, in dem sich die Kinder betrachten. Wenn die Eltern nicht wissen, wie sie mit ihren Emotionen umgehen können, wie kann man dann erwarten, dass die Kinder es wissen? Denn wenn die Mutter oder der Vater die Kontrolle verliert, lehren sie dadurch ihrem Kind vor allem eins: Sich wie ihre Eltern zu verhalten. Indem die Erwachsenen schreien, vermitteln sie den Kindern, dass dies der richtige Weg ist, um das zu bekommen, was sie wollen.

Warum nicht lieber reden, anstatt zu schreien? Warum den Kindern nicht lieber beibringen, mit ihren Frustrationen positiv umzugehen? Du solltest also versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Denn so trägst du dazu bei, dass deine Kinder selbstbewusst, einfühlsam und respektvoll anderen gegenüber sein werden.

Noch ein Lesetipp: 5 praktische Tipps zur Stärkung deiner Resilienz

5. Das Anschreien von Kindern kann ihrer körperlichen Gesundheit schaden

Vater schreit wütend seinen Sohn an

Der Stress durch das Anschreien kann die Gesundheit der Kinder beeinträchtigen.

Wie du gesehen hast, sind einige Studien zu diesem Schluss gekommen: Der Stress, den Kinder erleben, wenn sie anhaltendem Anschreien ausgesetzt sind, kann zu chronischen Krankheiten führen. Denn der permanente Stress kann hormonelle Auswirkungen haben. Dabei sind mögliche körperliche Beschwerden unter anderem:

Abschließend bleibt Folgendes zu sagen: Wenn du willst, dass deine Kinder zu glücklichen, gefühlvollen, einfühlsamen, belastbaren und gesunden Erwachsenen heranwachsen sollen, dann musst du zuerst lernen, mit deinen eigenen Gefühlen umzugehen. Das Anschreien von Kindern ist nicht die Lösung für die Probleme. Es wird auch nicht die Kinder dazu bringen, etwas schneller zu lernen oder beispielsweise sich schneller anzuziehen.

Daher solltest du also schon heute das Anschreien aufgeben und es lieber mit einer respektvollen und positiven Erziehung probieren. Wenn du das Gefühl hast, dass du im Begriff bist zu explodieren, geh einfach kurz raus, atme tief durch und beruhige dich wieder. Versuche, immer auf Dialog zu setzen und auch, dich in deine Kinder hineinzuversetzen. Denke daran, dass du der Spiegel bist, in dem sie sich sehen und dass ihre Selbstwahrnehmung in hohem Maße von dir abhängt.

  • NCBI. (2011). Exposure to parental verbal abuse is associated with increased gray matter volume in superior temporal gyrus. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20483374
  • NCBI. (2012). The Long-Term Health Consequences of Child Physical Abuse, Emotional Abuse, and Neglect: A Systematic Review and Meta-Analysis. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3507962/
  • Wang, Ming‐Te. Kenny, Sarah. Longitudinal Links Between Fathers’ and Mothers’ Harsh Verbal Discipline and Adolescents’ Conduct Problems and Depressive Symptoms. https://doi.org/10.1111/cdev.12143
  • Al Odhayani, A., Watson, W. J., & Watson, L. (2013, August). Behavioural consequences of child abuse. Canadian Family Physician, 59(8), 831-836
    ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3743691/
  • NCBI. (2011). Psychological stress in childhood and susceptibility to the chronic diseases of aging: moving toward a model of behavioral and biological mechanisms. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21787044?dopt=Abstract