Woran erkenne ich eine gestörte Darmflora?

3 November, 2020
Blähungen und eine verlangsamte Verdauung können Symptome einer unausgeglichenen Mikrobiota sein. Hier erfährst du, was du tun kannst, um die gestörte Darmflora zu entlasten und wie man mikrobielle Ungleichgewichte erkennen kann.

Anzeichen wie zum Beispiel ein aufgeblähter Bauch ohne ersichtlichen Grund, anhaltender Durchfall, Verstopfung oder auch ein übelriechender Stuhl können auf eine gestörte Darmflora hinweisen.

Die Mikroorganismen der intestinalen Mikrobiota sind für den menschlichen Körper von wesentlicher Bedeutung, damit er problemlos funktionieren kann. So hat sich in mehreren Studien herausgestellt, dass sie unter anderem die Verdauung und das Immunsystem unterstützen.

Weißt du, warum ein Ungleichgewicht des Darmmikrobioms auftreten kann? Hast du dich schon einmal gefragt, was zu tun ist, wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht kommt?

Sich mit solchen Fragen zu beschäftigen und entsprechend zu handeln, ist sowohl für die reibungslose Funktion des Darmtraktes als auch für das allgemeine Wohlbefinden unerlässlich. Deshalb erklären wir dir hier alles, was du über dieses Thema wissen musst.

Was ist Dysbiose?

Das Ungleichgewicht der Darmflora bezeichnet man mit dem Fachbegriff “Dysbiose”. Wie mikrobiologische Studien gezeigt haben, bezieht sich dieses Wort auf ein normales Mikrobiom, das aufgrund qualitativer oder quantitativer Veränderungen seiner Zusammensetzung, seiner Funktionsweise, seiner Verteilung oder seiner Stoffwechselaktivitäten aus dem Gleichgewicht gekommen ist.

Es gibt drei Arten von Dysbiose:

  1. Verlust von Bakterien, die für die Funktion des Magen-Darm-Traktes förderlich sind
  2. Die Ausbreitung krankheitserregender Bakterien
  3. Verlust der allgemeinen bakteriellen Biodiversität

Als normales Mikrobiom bezeichnet man die Gesamtheit der bakteriellen Mikroorganismen, die verschiedene Bereiche des menschlichen Körpers besiedeln. Die Bakterien im Magen-Darm-Trakt sind besonders wichtig.

Gemäß der oben genannten Studie sind im Darm mehr als 1014 Bakterienzellen mit mehr als 1000 verschiedenen Arten zu finden. Bacterioidetes und Firmicutes sind die vorherrschenden Gruppen.

Bei einem gesunden Individuum sind die verschiedenen Bakterienkolonien im Darm im Gleichgewicht, da diese sich untereinander selbst regulieren. Außerdem sorgt das Immunsystem des Wirts dafür, dass die Normalität aufrechterhalten wird.

Wenn dieses homöostatische Gleichgewicht entweder durch äußere oder innere Faktoren aus dem Ruder läuft, kommt es zur bereits erwähnten Dysbiose. Dies hat eine Reihe von Komplikationen zur Folge, die wir uns in diesem Artikel ansehen werden.

gestörte Darmflora
Das Missverhältnis der Bakterien, die die Darmflora bilden, wird als Dysbiose bezeichnet.

Weshalb ist es so wichtig, auf eine intakte Darmflora zu achten?

Mikrobiologische Studien belegen, dass das intestinale Mikrobiom unter anderem folgende Funktionen besitzt: Es stimuliert das Immunsystem, synthetisiert Vitamine, hemmt Krankheitserreger und verdaut pflanzliche Inhaltsstoffe.

Diese Mikroorganismen sind für das einwandfreie Funktionieren des Magen-Darm-Traktes von entscheidender Bedeutung, weshalb es äußerst wichtig ist, sie im Gleichgewicht zu halten.

Gestörte Darmflora: Mögliche Ursachen

Es gibt mehrere Ursachen, die ein Ungleichgewicht eine gestörte Darmflora zur Folge haben können. Im Folgenden führen wir einige Beispiele auf:

  • Der Einsatz von Antibiotika zur Bekämpfung bakterieller Infektionen kann die Mikroorganismen ins Ungleichgewicht bringen. Es wurde bewiesen, dass beispielsweise Ampicillin und Amoxicillin sich auf die Zusammensetzung der Darmflora negativ auswirken.
  • In Tierversuchen wurde festgestellt, dass Stress und Angstzustände mehrtägige Veränderungen der intestinalen Mikrobiota verursachen. Bei Stress wird die Produktion von Darmschleim (Gewebeschutzschicht) vermindert, was das Anhaften von Krankheitserregern fördert.
  • Andere Quellen heben hervor, dass die Ernährung eine entscheidende Rolle im Mikrobiom spielt. Sulfathaltige Lebensmittel fördern zum Beispiel das Wachstum krankheitserregender Bakterien im Darmtrakt. Es wird auch vermutet, dass eine sehr eiweißreiche Ernährung negative Auswirkungen haben kann.

All diese Faktoren sind bei Menschen mit normalem Gesundheitszustand wichtig. Immungeschwächte Personen oder solche, die damit in Verbindung stehende Krankheitsbilder aufweisen, sind ebenfalls gefährdet, da ihr Immunsystem das Wachstum krankheitserregender Bakterienarten möglicherweise nicht richtig reguliert.

Ein weiterer Faktor, der ebenfalls negative Auswirkungen auf die Normalflora zu haben scheint, ist der Drogen-, Alkohol- und Tabakkonsum. In einem in der Fachzeitschrift Psychopharmacology veröffentlichten Artikel wird dies ausführlich beschrieben.

Gestörte Darmflora: Symptome

Es ist nicht leicht, eine gestörte Darmflora zu erkennen, weil viele der offensichtlichen Symptome denen anderer Magen-Darm-Erkrankungen ähneln. Dazu gehören folgende:

  • Ein aufgeblähter Bauch und Blähungen ohne ersichtlichen Grund
  • Darmkrämpfe, Stechen im Bauchbereich und Spannungsgefühl
  • Besonders übel riechender Stuhlgang und Blähungen
  • Abwechselnd Verstopfung oder Durchfall
  • Größere Anfälligkeit für virale und bakterielle Infektionen

Darüber hinaus lassen die oben genannten Studien vermuten, dass es schwerwiegendere Krankheiten gibt, die mit einer Darmdysbiose in Zusammenhang stehen können. Krankheitserregende Stämme wie Escherichia coli, Mycobacterium avium paratuberculosis oder Clostridium difficile scheinen mit diesen Ungleichgewichten in Verbindung zu stehen.

Frau hat Beschwerden durch gestörte Darmflora
Durchfall oder Verstopfung über einen längeren Zeitraum können ein Zeichen für eine veränderte oder gestörte Darmflora sein.

Gestörte Darflora: Was kann ich tun?

Wenn die Person, die an einer Darmdysbiose leidet, gerade keine Antibiotika einnimmt oder mit einer Dysbiose verbundene Erkrankungen hat, ist eine Ernährungsumstellung unerlässlich, um eine gesunde Flora wiederherzustellen. Ein Beispiel dafür sind Probiotika: Studien belegen, dass sie zur Steigerung des Magen-Darm-Wohlbefindens beitragen.

Diese bestehen in der Regel aus Stämmen der Bakterien Bifidobacterium und Lactobacillus, natürlichen Bewohnern des Darmtraktes. Beispiele für Probiotika sind Kefir, Kombucha und andere Lebensmittel, die durch Milchsäuregärung gewonnen werden. Sie können auch in Tablettenform eingenommen werden.

Präbiotische Lebensmittel, die das Bakterienwachstum fördern, sind ebenfalls hilfreich, eine geschädigte Flora zu sanieren. Als Beispiele dafür können Lebensmittel mit Ballaststoffen und Stärke angeführt werden. Es ist jedoch immer eine gute Idee, den Hausarzt oder einen Ernährungsberater aufzusuchen, bevor man die Ernährung drastisch verändert.

Gestörte Darmflora: Abschließende Bemerkung

Ungesunde Gewohnheiten wie Rauchen, Trinken und Drogenkonsum können das Magen-Darm-Mikrobiom verändern und verschiedene damit zusammenhängende Krankheiten verursachen. Darüber hinaus kann eine andauernde Stresssituation ein Ungleichgewicht dieser im Darm befindlichen Bakteriengruppe hervorrufen.

Zudem wurde festgestellt, dass der Einsatz von Antibiotika zu einer Dysbiose führen kann, aber leider hat der Patient keinerlei Kontrolle über diese Art von Nebenwirkungen. Ganz egal wie, ein gesunder Lebensstil und der Einsatz von Pro- und Präbiotika können dazu beitragen, das Magen-Darm-Wohlbefinden zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

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