Wie reagiert das Immunsystem auf Viren?

8 Juni, 2020
Die Funktionsweisen des Immunsystems genau zu kennen, ist grundlegend, um virale Infektionen zu bekämpfen. Zahlreiche Forschungen widmen sich diesem Thema und versuchen, neue Erkenntnisse zu erlangen. Erfahre heute mehr darüber!

Zu wissen, wie das Immunsystem auf Viren reagiert, ist von größter Wichtigkeit, um neue therapeutische Möglichkeiten zu finden. Wie allgemein bekannt, haben Antibiotika bei Viren keine Wirkung, deshalb benötigen wir andere, effektive Antiviralia, um Krankheiten heilen zu können.

In den letzten Jahren haben Forschungslabors wichtige Erfolge erzielt und neue Antiviralia und antiretrovirale Arzneimittel entwickelt, um beispielsweise Viren wie Hepatitis C oder HIV zu bekämpfen. Sogar die Virenlast konnte reduziert werden, was es ermöglicht hat, die Patienten zu stabilisieren.

Allerdings gibt es bei chronischen Virusinfektionen ein ernstes Problem, das aus der Überlagerung von Krankheiten resultiert. 

Viele Patienten mit einer Viruskrankheit leiden gleichzeitig an Sekundärinfektionen, die auch Superinfektion genannt werden. Das heißt, dass der virale Infekt die Grundlage für zusätzliche bakterielle oder Pilzinfektionen darstellt. Dies ist beispielsweise bei COVID-19 der Fall, eine Krankheit, die häufig mit einer bakteriellen Lungenentzündung einhergeht.

Um die Virenabwehrmechanismen des Immunsystems besser zu verstehen, werden derzeit verschiedene Studien durchgeführt, bei denen Infektionen kombiniert werden. Auch in einer neuen Forschungsstudie der Universität von Birmingham, die Ende Februar veröffentlicht wurde, war dies der Fall.

Studie erklärt, wie das Immunsystem auf virale Infektionen reagiert

Der erwähnte Artikel wurde in der Zeitschrift PLOS Pathogens von Forschern der Universität von Birmingham, dem Institut Pirbright und dem University College of London unter der Leitung des Professors Robin May veröffentlicht.

Zur Durchführung dieser Studie analysierten die Forscher die mit Viren infizierten weißen Blutkörperchen, die einem spezifischen Pilz ausgesetzt wurden: dem Cryptococcus neoformans. Es handelt sich um einen opportunistischen Pilz, der Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu seinen Opfern macht.

Dieser Vergleich zwischen der Entwicklung im Labor und im normalen Leben ist außerordentlich wichtig. Krankheiten wie AIDS führen zur Schwächung der Abwehrkräfte, doch der Patient stirbt nicht an der Krankheit selbst, sondern an der Superinfektion.

Opportunistische Pilze nutzen die Schwäche des Immunsystems ihres Opfers, um sich zu installieren und zu reproduzieren. Die Komplikationen und der Tod werden also durch eine Lungenentzündung oder eine Pilzsepsis verursacht und nicht durch den anfänglichen Virus.

das Immunsystem
Pilze können opportunistische Krankheitserreger sein, die sich immungeschwächte Menschen als Opfer aussuchen.

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Die Ergebnisse der Studie

Vor Beginn der Forschung gingen die Wissenschaftler davon aus, dass es zwei Prozesse gibt, die das Immunsystem im Kampf gegen virale und mykotische Infektionen nutzt. Im Falle der Viren nehmen die weißen Blutkörperchen die extrazellulären Partikel auf. Wissenschaftlich nennt man diesen Prozess Phagozytose.

Zwar kommt es auch bei Pilzen meist zur Phagozytose, doch in manchen Fällen ist genau das Gegenteil der Fall: die weißen Blutkörperchen stoßen die Partikel aus. Man bezeichnet dies als Vomozytose, ein Mechanismus der seltener auftritt, jedoch die Grundlage der neuen Entdeckung der Forscher bildet.

Beim Betrachten der weißen Blutkörperchen unter dem Mikroskop, um ihren Wirkmechanismus bei zwei Infektionen zu analysieren, konnten die Wissenschaftler erkennen, dass sich die Vomozytose deutlich beschleunigt, wenn ein Virus dazugefügt wird. Das bedeutet, dass die weißen Blutkörperchen die Pilze schneller ausstoßen, wenn sie gegen einen Virus kämpfen müssen.

Das Forscherteam geht deshalb davon aus, dass das Immunsystem den Prozess beschleunigt, um Ressourcen für den Kampf gegen die zweite Gefahr freizusetzen. Wir wissen nicht, ob dies effizienter ist, doch es scheint eine Art interne Intelligenz vorhanden zu sein, die entscheidet, an welcher Front Verstärkung benötigt wird.

das Immunsystem bekämpft Viren
Die weißen Blutkörperchen sind dafür zuständig, Viren, Bakterien und Pilze zu bekämpfen, die in den Körper eindringen.

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Welchen Nutzen können wir aus dieser Entdeckung ziehen?

Die Forschung wirft Licht auf einen diskutierten und gefährlichen Aspekt für chronisch kranke Menschen mit Immunschwäche. Wenn wir wissen, wie das Immunsystem gegen Vireninfektionen wirkt, insbesondere wie es gegen Opportunisten vorgeht, können wir zum Beispiel AIDS-Patienten besser helfen. 

Diese Forschungslinie bezweckt, ein Behandlungsprotokoll für opportunistische Infektionen auszuarbeiten, um immunschwachen Patienten zu helfen. Wie bereits erwähnt, sterben Betroffene an einem infektiösen Krankheitserreger, der in einen geschwächten Körper eindringt und für den es keine Behandlung gibt.

Wenn wir zusätzlich zu Antimykotika und antiviralen sowie antibakteriellen Arzneimitteln über eine Behandlung verfügen, welche das Immunsystem anregt, könnte damit die Effizienz der weißen Blutkörperchen verbessert werden. Es handelt sich um ein wichtiges Thema, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der in der Forschungsstudie verwendete Pilz jedes Jahr über 200.000 Todesfälle auf der ganzen Welt verursacht.

Außerdem müssen wir uns die Frage stellen, ob die schnelle Abwehr des Pilzes durch das Immunsystem, diesen davon abhalten kann, die Organe noch mehr zu schädigen. Was, wenn diese Beschleunigung in Wahrheit eine Schwäche des Abwehrmechanismus ist und nicht eine natürliche Intelligenz? Weitere Forschungen sind nötig, um diese Fragen beantworten zu können.

Das Immunsystem wehrt nicht nur virale Infektionen ab

Vielleicht kommen uns als Erstes Virusinfektionen in den Sinn, doch es gibt auch bakterielle Lungenentzündungen, Pilzinfektionen und andere Krankheitserreger, die unser Immunsystem abwehren muss. Starke Abwehrkräfte sind der Schlüssel für ein Leben mit weniger Infektionen.

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