Wie erfolgt die Behandlung von chronischen Schmerzen?

22 März, 2021
Aufgrund ihrer Komplexität erfordern chronische Schmerzen eine multidisziplinäre Behandlung. Oftmals werden neben Medikamenten auch Optionen wie Psychotherapie und Physiotherapie in Betracht gezogen. Möchtest du mehr über dieses Thema wissen?

Unter chronischen Schmerzen versteht man Schmerzen, die länger als drei Monate andauern. In den meisten Fällen haben sie eine klar definierte organische Ursache, weshalb Ärzte in erster Linie versuchen, die Ursache zu behandeln.

Viele Erkrankungen werden jedoch im Laufe ihres natürlichen Verlaufs intensive Schmerzperioden hervorrufen, die eine Behandlung erfordern. Dazu gehören Krankheiten wie Krebs, rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie, Morbus Bechterew und viele andere.

Wir haben einen Artikel mit den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen zusammengestellt, die das medizinische Personal in diesen Fällen einsetzt: Medikamente, psychologische Therapien, Physiotherapie und komplementäre Verfahren. Möchtest du mehr darüber erfahren? Dann lies weiter!

Medikamentöse Behandlungen bei chronischen Schmerzen

Medikamente sind die erste Wahl, wenn es darum geht, chronische Schmerzen zu behandeln. Ärzte berücksichtigen in der Regel die Grunderkrankungen, die Schmerzintensität, die wirtschaftlichen Bedingungen und das Risiko-Nutzen-Verhältnis, bevor sie Schmerzmittel verschreiben.

Diese werden gewöhnlich kombiniert, um die Wirkung zu verstärken, und in den meisten Fällen werden zudem begleitende Therapien wie Physiotherapie eingesetzt. Hier geben wir dir einen kurzen Überblick über die wichtigsten Medikamente, die bei chronischen Schmerzen Verwendung finden.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Sie werden auch NSAR genannt und gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Medikamenten. Dazu zählen unter anderem Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (Aspirin), Piroxicam und Ketoprofen. Sie zeichnen sich durch ihre entzündungshemmende, schmerzstillende und fiebersenkende Wirkung aus.

Aus biochemischer Sicht haben diese Medikamente einen gemeinsamen Wirkmechanismus, indem sie mehrere Stoffe des Cyclooxygenasewegs hemmen. Dies ist ein sehr wichtiger Stoffwechselweg, der entzündliche Substanzen produziert, von denen viele mit chronischen Schmerzen zusammenhängen.

Es gibt mehrere Cyclooxygenasewege, und je nachdem, welcher von ihnen gehemmt wird, haben NSAR ein bestimmtes Nebenwirkungsprofil. Am intensivsten sind diejenigen, die den Magen-Darm-Trakt betreffen (und zum Beispiel Magengeschwüre oder Magen-Darm-Blutungen hervorrufen) oder auch die Nieren.

Schmerzstillende Medikamente
NSAR sind oft eine der ersten Behandlungsoptionen bei chronischen Schmerzen.

Paracetamol

Obwohl es gewisse funktionelle Ähnlichkeiten zu NSAR aufweist, hat Paracetamol (in manchen Ländern Acetaminophen genannt) keine entzündungshemmende Wirkung. Trotzdem wird es häufig bei chronischen und akuten Schmerzen eingesetzt. Und zwar so sehr, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) es in ihre Liste der unentbehrlichen Medikamente aufgenommen hat.

Dieses Medikament wird im Allgemeinen als sicher angesehen; eine Überdosierung kann aber Lebertoxizität verursachen. In manchen Fällen kann dies sogar zu einem Organversagen führen.

Daher besteht bei einer vorbestehenden Lebererkrankung ein hohes Toxizitätsrisiko, selbst wenn die Dosen therapeutisch sind. Dies wurde in einem 2019 in einer mexikanischen Fachzeitschrift für innere Medizin veröffentlichtem Fallbericht beschrieben.

Für die Behandlung einiger Erkrankungen, wie zum Beispiel Migräne, sind kommerzielle Rezepturen üblich, die es mit anderen Medikamenten kombinieren. So verbindet man es in Tabletten beispielsweise in der Regel mit Koffein, um die schmerzstillende Wirkung zu verstärken.

Selektive COX-2-Inhibitoren

Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Rofecoxib, Celecoxib und Etoricoxib. Sie unterscheiden sich von den übrigen NSAR, weil sie nur den oben genannten Stoffwechselweg (COX-2) hemmen. Dies kann für die Behandlung bestimmter Erkrankungen von Vorteil sein, insbesondere weil sie für den Magen-Darm-Trakt sehr sicher sind.

Allerdings sind diese Medikamente Gegenstand einiger Kontroversen innerhalb der medizinischen Fachwelt gewesen. Zum Beispiel wurde Valdecoxib vom Markt genommen, weil einige Untersuchungen ergaben, dass eine längere Anwendung dieses Medikaments das Thromboserisiko erhöht.

Das bedeutet, dass die Inzidenz von Herz-Kreislauf-Problemen bei chronischer Einnahme dieser Medikamente erhöht sein kann. Daher sollten Ärzte bei Patienten mit bekannten Risikofaktoren ihre Anwendung trotz ihrer schmerzstillenden Wirkung einschränken.

Lies hier weiter: Entstehung und Vorbeugung von Thrombose

Antidepressiva

Seit einigen Jahren hat sich gezeigt, dass Antidepressiva bei chronischen Schmerzen wirksam sind, selbst wenn die Patienten unter keinem depressiven Syndrom leiden. Man vermutet, dass dies auf Veränderungen in der Konzentration bestimmter Neurotransmitter zurückzuführen ist. Jedoch gibt es noch keine endgültige Erklärung diesbezüglich.

Die am häufigsten verwendeten Antidepressiva sind die trizyklischen. Einige von ihnen sind Amitriptylin, Nortriptylin und Desipramin. Gelegentlich kann der behandelnde Arzt neuere Medikamente wie selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin verschreiben.

Sie werden in der Regel als Hilfsstoffe eingesetzt und haben keine Kurzzeitwirkung. Daher sind mehrere Wochen kontinuierlicher Behandlung nötig, bis sich eine klinische Verbesserung zeigt.

Antikonvulsiva

Auch sie werden als Hilfsmittel bei der Schmerzbehandlung eingesetzt, insbesondere bei stechenden oder brennenden Schmerzen. Es ist bekannt, dass sie auf den komplexen Prozess der Sensibilisierung von Neuronen einwirken, ein Mechanismus, der mit chronischen Erkrankungen verbunden ist.

Genau wie Antidepressiva brauchen sie mehrere Wochen, um zu wirken und sind bei akuten Schmerzen nicht sinnvoll. Tatsächlich ist ihre Wirksamkeit laut einer Studie der Cochrane-Gruppe (2005) etwas reduziert.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass diese Medikamente bei neuropathischen Schmerzen (das heißt solche, bei denen die Nervenanatomie geschädigt ist) wirksam sind, insbesondere bei bestimmten Komplikationen von Diabetes mellitus und postherpetischer Neuralgie. Einige davon werden als alternative Behandlung bei Trigeminusneuralgie eingesetzt.

Opioide

Die WHO-Analgetika-Skala gibt an, dass Opioide sowohl bei mittleren als auch bei starken Schmerzen eingesetzt werden kann. Diese Medikamente zeichnen sich durch ihre hohe Wirksamkeit aus. Zu ihnen zählen verschiedene Substanzen wie Morphin, Oxycodon, Methadon, Fentanyl und viele mehr.

Im Gegensatz zu vielen der oben genannten Medikamente, sind sie nicht rezeptfrei erhältlich. Dies liegt an der großen Anzahl von Nebenwirkungen, die jedoch in der Regel erst bei kontinuierlicher Anwendung und bei hohen Dosen auftreten.

Zu den Komplikationen, die sich aus ihrem Konsum ergeben, gehören bestimmte Herzrhythmusstörungen, orthostatische Hypotonie, Krampfanfälle und Nierenversagen. Außerdem entwickelt sich häufig eine Abhängigkeit von der Substanz. Dies ist jedoch bei Patienten im Endstadium normalerweise nicht ausschlaggebend für die Entscheidung, den Opioidkonsum einzustellen.

Psychologische Therapie bei chronischen Schmerzen

Bei einigen Patienten bessert sich das Schmerzempfinden durch eine psychologische Therapie. Dies ist besonders wichtig bei Personen, die ein ständiges Angstgefühl oder Panik vor dem Auftreten von Schmerzen haben, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, die schwer zu handhaben sind.

Um dies besser zu verstehen, müssen wir von der Tatsache ausgehen, dass Gesundheit ein Spiegelbild des biopsychosozialen Modells ist, bei dem affektive und emotionale Aspekte den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Wir werden nun die wichtigsten auf der Psychologie basierten Behandlungsmethoden von chronischen Schmerzen beschreiben.

Kognitive Verhaltenstherapie

Durch assertive, das heißt durchsetzungsfähige Kommunikation können Therapeuten den Patienten helfen, negative Gedankenmuster zu erkennen, die ihre Schmerzwahrnehmung beeinflussen können. Dazu zählen übertriebene Kampf- oder Fluchtreaktionen auf kleine schmerzhafte Reize, ohne dass eine organische Ursache vorliegt, die dieses Verhalten rechtfertigt.

Die Patienten erwerben in der Regel Werkzeuge, um diese Einstellungen durch positive Aussagen über das Problem zu ersetzen. Das bedeutet nicht, dass es darum geht, eine Krankheit zu vermeiden oder zu unterschätzen, sondern vielmehr darum, eine negative Wahrnehmung zu verändern.

In der Forschung wird diese Technik bestätigt: Mehrere Beobachtungs- und experimentelle Untersuchungen haben signifikante Ergebnisse zugunsten der kognitiven Verhaltenstherapie gefunden.

Therapie beim Psychologen
Auch die psychologische Betreuung kann zur Behandlung chronischer Schmerzen beitragen. Die wissenschaftlichen Nachweise weisen auf die positiven Auswirkungen dieses Ansatzes hin.

Operante Techniken

Dieser Abschnitt bezieht sich auf die praktische Anwendung der psychologischen Therapie aus Patientensicht. Diese Therapie besteht in der Aneignung neuer Gewohnheiten, die helfen, das Schmerzempfinden durch Akzeptanz und die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten wieder aufzunehmen – wenn dies möglich ist – zu verringern.

Die Anwendung von emotionalem Schreiben und Mindfulness liegt stark im Trend. Ersteres besteht darin, konsequent über die eigenen Emotionen zu schreiben, die mit Schmerzen und traumatischen Ereignissen verbunden sind. Das Ziel ist nicht, ein ästhetisches Endprodukt zu erstellen, sondern es dient vielmehr als Mittel zur persönlichen Befreiung.

Letzteres zielt hingegen auf die Optimierung der Aufmerksamkeit für die täglichen Aktivitäten ab, was sich deutlich auf die psychische Gesundheit auswirkt. Es ist sogar bekannt, dass es depressive Symptome reduzieren und die Arbeitsleistung verbessern kann.

Entspannung

Dies ist ein weit gefasster Begriff, den man durch verschiedene Techniken erreichen kann. Meditation ist ein klassisches Beispiel dafür; man kann sie auf andere Weise erreichen als die, die man oft in Fernsehsendungen oder in Filmen sieht.

Ziel ist es, einen Zustand der Ruhe zu erzeugen, der so groß ist, dass die Aktivität des sympathischen Nervensystems reduziert wird. Dies ermöglicht die Aktivierung des Körpers für Kampf- oder Fluchtsituationen durch die Ausschüttung von Substanzen wie Adrenalin.

Die Verringerung von Muskelverspannungen ist ebenfalls ein gewünschter Effekt, insbesondere bei Patienten, die unter wiederkehrenden Spannungskopfschmerzen und Migräne leiden.

Hypnose

Man kann Hypnose als eine Technik betrachten, die sowohl Elemente der Meditation als auch der Entspannung enthält. Während der Hypnosesitzungen richtet der Patient seine gesamte Aufmerksamkeit auf ein Objekt oder einen Gedanken mit dem Ziel, das Schmerzempfinden auf einer unterbewussten Ebene zu lassen.

Psychologen und Psychiater sind die Fachkräfte, auf die man bei dieser Art von Intervention zurückgreift. Es gibt jedoch auch Spezialisten anderer Fachrichtungen des Gesundheitswesens, die diese Technik durchführen.

Dies war dank der wachsenden wissenschaftlichen Beweise für seine Wirksamkeit möglich, die vielleicht der umstrittenste Aspekt der Hypnose ist. Laut der renommierten Mayo Clinic ist es eine zulässige Therapie zur Kontrolle von chronischen Schmerzen bei Patienten mit Fibromyalgie, Gelenkproblemen, Zahnproblemen und bestimmten anderen Erkrankungen.

Biofeedback

Es ist die einzige Technik auf dieser Liste, bei der während der Therapiesitzungen eine aktive Unterstützung der Technik grundlegend ist. Sie basiert auf dem Prinzip, dass die Kenntnisse bestimmter physiologischer Parameter eine Selbstregulierung der mit dem Auftreten von Schmerzen verbundenen Prozesse ermöglichen.

Hier können Geräte eingesetzt werden, die Körpertemperatur, Herzfrequenz und elektrische Aktivität der Muskelfasern aufzeichnen. Man vermutet, dass dies langfristig zu einer Regulierung des Spiegels endogener Opioide führen kann, Substanzen, die mit neuropathischen Schmerzen in Verbindung stehen.

Biofeedback gilt als ergänzende Option bei Migräne und Kiefergelenksdefekten, es mangelt jedoch an wissenschaftlichen Beweisen für die Behandlung anderer Erkrankungen.

Physiotherapie für Patienten mit chronischen Schmerzen

Sie ist durchaus akzeptiert und es gibt sogar Fachleute, die sich ausschließlich diesem Thema widmen. Sie beinhaltet leichte bis mäßige körperliche Übungen, um die fortschreitende Schmerzreduktion zu unterstützen.

Im Allgemeinen verschreiben die Mediziner sie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, wobei dabei auch die Erhaltung der Funktionalität der Gliedmaßen angestrebt wird. Eine der Krankheiten, bei denen sie am häufigsten zum Einsatz kommt, ist die Fibromyalgie.

Sie ist gekennzeichnet durch eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit im gesamten Körper, wobei auf bestimmte Punkte eine maximale Intensität ausgeübt wird. Diese Druckpunkte bezeichnet man als „tender points“. Die Ursache der Krankheit ist nicht genau bekannt, aber wenn sie unbehandelt bleibt, kann sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Chronische Schmerzen am Knie Physiotherapie
Physiotherapie ist zu einem Schlüssel in der Behandlung von chronischen Schmerzen geworden, besonders wenn diese die Mobilität beeinträchtigen. Sie wird häufig bei Erkrankungen wie Fibromyalgie in Betracht gezogen.

Lies auch diesen Artikel: 10 mögliche Ursachen für Körperschmerzen

Komplementäre Behandlungen bei chronischen Schmerzen

Die meisten Mediziner empfehlen mehrere Therapien für chronische Schmerzen. Daher werden die oben erwähnten Methoden im Laufe der Zeit kombiniert und verändert, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Wenn sie nicht mehr wirksam sind und eine Therapie nicht erfolgreich ist, können andere, invasivere Optionen in Betracht gezogen werden, um die anatomische Ursache des Schmerzes zu beseitigen. Dazu gehören Neurolyse, chirurgische Blockaden und minimalinvasive Chirurgie.

In den meisten Fällen gibt es nur wenige nennenswerte Komplikationen. Das liegt zum Teil an der spezialisierten Ausbildung in der umfassenden Schmerztherapie. In der heutigen Zeit haben Krankenhäuser oft sehr heterogene Einheiten, in denen Anästhesisten, Chirurgen und Physiotherapeuten mitarbeiten.

Bei chronischen Schmerzen kann Linderung verschafft werden

Generell geht man davon aus, dass es keine Rechtfertigung für Patienten gibt, Schmerzen zu erleiden. Die einzigen Ausnahmen sind solche, bei denen das Risiko einer bestimmten Maßnahme ihren potenziellen Nutzen übersteigt. Aus diesem Grund ist der Zugang zu einer wirksamen analgetischen Behandlung eines der wichtigsten Ziele des öffentlichen Gesundheitswesens.

Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig, und im Zweifelsfall ist es ratsam, einen Fachmann auf diesem Gebiet zu Rate zu ziehen. Die am besten geeignete medizinische Fachkraft ist ein Anästhesist, obwohl es auch andere gibt, die für bestimmte Bereiche, die Schmerzen betreffen, ausgebildet sind.

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