6 Veränderungen durch Vaterschaft

· 25 Dezember, 2018
Die Intensität der Schwangerschaft und der Ankunft der Kinder betrifft nicht nur die Frau. Auch der Mann sieht sein Leben verändert. Die Vaterschaft gibt ihrem Leben eine 180 Grad Wendung.

Die Bestätigung einer Schwangerschaft bringt das Leben, den Geist und den Körper einer Frau durcheinander. Dasselbe geschieht auch beim Mann. Die Veränderungen, die eine Vaterschaft mit sich bringt, betreffen den Geist, die Beziehungen, den Lebensstil und auch die Anatomie des Mannes.

Natürlich bemerkt man diese Veränderungen viel stärker in Männern, die engagiert sind und sich auf ihre neue Rolle als Vater freuen. Jene, die sich distanziert verhalten, sehen ihr Leben vielleicht auch gar nicht verändert.

Was verändert sich mit der Vaterschaft?

Die Veränderungen, die eine Frau während der Schwangerschaft erlebt, sind besser erforscht und offensichtlicher. Doch auch Männer sehen sich bei angehender Vaterschaft mit sowohl körperlichen als auch emotionalen Veränderungen konfrontiert.

Im Folgenden präsentieren wir dir unsere Liste mit sechs Veränderung, die ein Mann bei der Vaterschaft erlebt.

1. Hormonelle Veränderungen

Auch die hormonelle Chemie des Mannes verändert sich, wenn er von der Schwangerschaft erfährt.

Ist ein Pärchen schwanger, so sinkt der Testosteronspiegel des Mannes. Drei Wochen vor der Geburt gerät er an den Mindestwert, der bis zu 33 Prozent unter Normalwerten liegen kann.

Prolaktin erhöht sich hingegen um bis zu 20 Prozent bei angehender Vaterschaft. Dieses Hormon hilft dabei, neue Instinkte zu entwickeln. Es trägt zu einem schärferen Gehör bei (falls das Baby weint) und vermindert den sexuellen Instinkt während der Schwangerschaft.

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2. Auftreten von Co-Schwangerschaft

Einige werdende Erstväter entwickeln das Couvade-Syndrom, das man auch Co-Schwangerschaft nennt.

Die zukünftigen Väter nehmen zu, als wären auch sie schwanger und behaupten, sie litten sogar unter Symptomen wie Übelkeit, Schwindel und den berühmten Gelüsten nach bestimmten Nahrungmitteln.

Dieses Syndrom erscheint ab dem dritten Monat der Schwangerschaft bis kurz vor der Geburt. Schuld daran ist erneut Prolaktin, dessen Werte sich unerhört im männlichen Körper steigern.

3. Zunehmender Stress

Zusammen mit der Freude tritt auch der Stress ein. Der Mann versinkt in seinen Gedanken. Er hat Angst davor, finanziell und emotional nicht stark genug zu sein, um für seinen Partner und sein Baby zu sorgen. Er fühlt sich von den Erwartungen der Frau überfordert. 

Das kann sowohl die Beziehung als auch die Arbeit beeinträchtigen, weshalb es zu vermehrtem Stress kommt.

Die argentinische Psychologin warnt in dem Buch Mutterschaft und die Begegnung mit dem eigenen Schatten davor, dass der Mann seinen eigenen Prozess der Anpassung durchlebt.

Gerade war er noch in einer Beziehung mit einer Partnerin, in der man gegenseitig auf sich aufpasste. Jetzt bereitet er sich darauf vor, die Stütze für Mutter und Baby zu sein.

Der Stress um die neue Verantwortung kann dazu führen, dass der Mann sich in sich zurückzieht. Manche Frauen halten das für fehlendes Engagement. Nur wenige jedoch fragen den Mann, mit welchen Gefühlen er während einer Schwangerschaft umzugehen hat.

4. Die Prioritäten verändern sich

Viele Eltern, Frauen und Männer, glauben, dass die Ankunft ihres Babys sie nicht daran hindern wird, ihren Lebensstil und ihre Freundschaften zu genießen und dabei die eigenen Aktivitäten weiter durchzuführen.

Mutter- oder Vaterschaft verändern aber unsere Prioritäten, egal, ob wir das so wünschen oder nicht.

Die zukünftigen Eltern kümmern sich um die Schwangerschaft. Aufgrund der typischen Wehwehchen geht man nicht mehr so gerne auf Veranstaltungen. Ist das Neugeborene erst mal da, so kommt man noch weniger dazu, mal auszugehen.

Vaterschaft bedeutet, diese Verzichte angstlos hinzunehmen. Man muss verstehen, dass sie zum Prozess der Vaterschaft dazugehören.

Es ist ganz normal, dass man die alten Freunde und Aktivitäten auch mal vermisst. Doch der Tag wird kommen, an dem alle Eltern sind und dann sieht man sich auch öfter wieder.

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5. Neue Fähigkeiten treten auf

Vater und Baby

Wenn du Vater wirst, dann lernst du, die geschwollenen Füße deiner Partnerin zu massieren, du nimmst an der Deko des Babyzimmers teil, du bereitest ich darauf vor, ihr beim Entbinden zu helfen oder du nimmst an der Pflege des Neugeborenen teil.

In Männern, die aktiv an der Schwangerschaft teilnehmen, weckt die Vaterschaft eine neue Sensibilität und Kreativität, die es ihnen erlaubt, sich einzubringen und sich an ihre neue Rolle zu gewöhnen. So freuen sie sich dann auf die Ankunft des Babys.

Durch die Zusammenarbeit bei der anspruchsvollen Pflege des Neuankömmlings entwickelt der Vater nicht nur eine Bindung zu seinem Kind. Sie hilft dem Vater auch, die Anspannung mit der Partnerin, die sich während der Schwangerschaft ergeben haben kann, zu überwinden.

6. Das Gehirn verändert sich

Bringt ein Mann sich bei der Babypflege ein, so wird Oxytocin, das Liebeshormon, freigesetzt. Auch hier tragen die Hormone dazu bei, die Bindung zwischen Vater und Neugeborenem zu festigen.

Durch einen erhöhten Oxytocinspiegel verändert sich das Gehirn des Mannes. Die emotionale Bindung, die ein Vater zu seinem Kind entwickelt, wenn er sich aktiv bei der Pflege des Kleinen einbringt, wird gestärkt und bleibt in einem Teil seines Gehirns hängen.

Der Stress, dem der Mann sich während der Schwangerschaft ausgesetzt sieht, wird durch die Pflege des Neugeborenen geheilt. Oxytocin verleiht dem Mann dabei das Wohlempfinden, das er benötigt, um seine neue Verantwortung zu genießen.

Schlussbemerkungen für werdende Mütter

In unserer männlich-dominierten Welt wurden Männer dazu erzogen, nicht mit ihren Gefühlen in Kontakt zu treten. Konfrontiert man sie mit der Nachricht einer Schwangerschaft, so erschrecken sie sich fürchterlich. Das geht wirklich vielen so.

Andere Männer bekommen es sogar von ihren Frauen verboten, sich aktiv mit in die Kindpflege einzubringen. In besonders extremen Fällen fühlt der Mann sich so sehr von der Verantwortung und den Veränderungen überfordert, dass er flieht.

Wenn du spürst, dass dein Partner sich während der Schwangerschaft distanziert hat, oder dass er sich überfordert fühlt, dann versuche es mit Kommunikation. Sprecht täglich darüber, was er fühlt.

Überprüfe ebenfalls, ob du ihn am Prozess hast teilnehmen lassen, lade ihn ein, mit zu den Untersuchungen zu gehen.

Genießt zusammen das süße Warten, denn ihr erlebt beide eine starke Transformation. Es ist schwierig, sich an die neue Situation anzupassen, doch die Liebe wird euch dabei helfen, die faszinierendste Erfahrung des Lebens zu meistern.

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