9 Ursachen für Schmerzen in der Leistengegend

Schmerzen in der Leistengegend sind weltweit ein häufiger Grund für Arztbesuche. Ein rasches medizinisches Eingreifen verbessert die Prognose und fördert eine schnelle Linderung der Symptome. Hier findest du 9 häufige Ursachen für derartige Beschwerden. Lies weiter!
9 Ursachen für Schmerzen in der Leistengegend

Letzte Aktualisierung: 10. April 2022

Schmerzen in der Leistengegend sind eine häufige Ursache für Unwohlsein bei Männern. Auch Frauen können in diesem Bereich Beschwerden haben, die mit der Schwangerschaft zusammenhängen oder durch Entzündungen hervorgerufen werden. In diesem Artikel zeigen wir dir 9 der häufigsten Ursachen für Schmerzen in der Leistengegend auf.

Beschwerden in der Leistengegend sind die Folge von Muskel-, Sehnen-, Gefäß- oder Nervenproblemen. Darüber hinaus können bestimmte Erkrankungen der inneren Organe derartige Schmerzen verursachen.

Die häufigsten Ursachen für Schmerzen in der Leistengegend

Die Leistengegend ist der Bereich im obersten Teil des Oberschenkels, direkt an der Verbindung zum Schambereich und zum Bauch. Durch diesen Bereich verlaufen Bänder, Muskeln, Nerven und Blutgefäße, die bei Männern zum Hodensack und bei Frauen zu den großen Schamlippen der Vagina führen.

Schmerzen in der Leistengegend können plötzlich, nach einer Verletzung, oder schleichend über Wochen oder Monate auftreten. Darüber hinaus können sie sich auch als Stechen, Brennen oder anhaltendes Unbehagen äußern. Die Merkmale des Schmerzes helfen dem Arzt oder der Ärztin bei der Diagnose.

1. Leistenbruch

Leistenbrüche entstehen, wenn ein kleiner Teil des Darms durch eine Schwachstelle in der Bauchwand herausragt. In der Regel folgt der Bruch dem Verlauf des Leistenkanals und kann über die Hoden ertastet werden. In fortgeschrittenen Fällen tritt der Bruch vollständig hervor und verdrängt den Hodensack.

Diese Erkrankung ist eine der häufigsten Ursachen für Leistenschmerzen bei Männern. Studien zufolge sind die Schmerzen einseitig, stechend, brennend und ziehen bis in den Oberschenkel, den unteren Rücken und den Hodensack.

Die Beschwerden verschlimmern sich in der Regel durch Husten, Vorwärtsbeugen, Heben von Gewichten oder Sport. Weitere häufige Symptome sind folgende:

  • Unbehagen beim Gehen
  • Eine hervorstehende Beule in der Leiste
  • Ein Gefühl der Fülle und Schwere in diesem Bereich

Eine Strangulierung der Hernie ist in der Regel die Hauptkomplikation. Zu den Warnzeichen gehören Fieber, Farbveränderungen in diesem Bereich und eine erhöhte Schmerzintensität. Die Korrektur des Leistenbruchs wird chirurgisch durchgeführt.

Schmerzen in der Leistengegend - Leistenbruch
Leistenbruchschmerzen können monatelang anhalten, bis schließlich die Ausstülpung der Wölbung sichtbar wird.

2. Schmerzen in der Leistengegend: Muskelzerrung

Muskel- und Sehnenzerrungen sind eine der Hauptursachen für Leistenschmerzen. Sie treten häufig bei Menschen auf, die Sportarten mit hoher Belastung für die unteren Gliedmaßen wie Hockey, Fußball und Basketball betreiben. Die Beschwerden sind in der Regel akut und verschlimmern sich bei Bewegung.

In den meisten Fällen äußert sich die Zerrung durch Schwellungen und Rötungen in der Leiste. Außerdem kann sich nach einem direkten Schlag ein Hämatom in diesem Bereich bilden. Glücklicherweise ist die Genesungsrate bei dieser Art der Verletzung hoch.

Die medizinische Behandlung basiert auf Ruhe und dem Auflegen von kalten Kompressen auf den betroffenen Bereich. Darüber hinaus kann der Arzt Schmerzmittel und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verschreiben, um die Beschwerden zu lindern. Wenn die Verletzung schwer ist, kann eine Physiotherapie erforderlich sein.

3. Orchitis und Epididymitis

Orchitis ist ein entzündlicher Prozess an einem oder beiden Hoden. Sie ist meist die Folge einer bakteriellen Infektion oder tritt nach einer Mumpserkrankung auf. Manchmal geht sie mit einer Entzündung der Nebenhoden oder einer Epididymitis einher, also dem Bereich des Hodens, in dem die Spermien gespeichert werden.

Bei beiden Erkrankungen treten Schwellungen und Schmerzen in der Leistengegend und im Hoden auf. Darüber hinaus kommt es zu Fieber, Schüttelfrost, Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen. Zudem können auch vergrößerte Lymphknoten in der Region zu sehen sein.

4. Infektiöse Prozesse können ebenfalls zu Schmerzen in der Leistengegend führen

Bakterielle Infektionen im Genitalbereich werden oft von Schmerzen in der Leistengegend begleitet, die auf geschwollene Lymphknoten zurückzuführen sind. Das ist bei sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs) wie Syphilis und Lymphogranuloma venereum der Fall.

Zudem bestätigen Studien, dass das durch Chlamydien verursachte Lymphogranulom in der Regel im zweiten Stadium der Krankheit eine schmerzhafte Leistenlymphadenopathie verursacht. Diese Infektionen erfordern eine antibiotische Behandlung und eine kontinuierliche medizinische Überwachung.

5. Schwangerschaft

Des Weiteren treten Leistenschmerzen auch in der Schwangerschaft recht häufig auf. Zu Beginn und im letzten Schwangerschaftsdrittel sind sie in der Regel stärker ausgeprägt. Das liegt an der Entspannung der Hüftgelenke und den hormonellen Veränderungen im Körper der Schwangeren, der sich auf die Geburt des Kindes vorbereitet.

In den meisten Fällen werden die Leistenbeschwerden durch körperliche Anstrengung, Treppensteigen, Rückenlage und weites Öffnen der Beine verschlimmert. Daher empfehlen sich Dehnungsübungen und das Tragen spezieller Unterwäsche, um die Spannung in diesem Bereich zu verringern.

6. Schmerzen in der Leistengegend durch eine Eierstockzyste

Eierstockzysten sind kleine flüssigkeitsgefüllte Knötchen, die sich im Inneren oder auf der Oberfläche des Eierstocks bilden. Kleine Zysten bleiben normalerweise unbemerkt und verursachen keine Symptome. Wenn die Zysten größer sind, treten jedoch folgende Beschwerden auf:

  • Ein dumpfer Schmerz im Unterbauch
  • Unbehagen in der Leiste und im Beckenboden
  • Ein Gefühl der Schwere im Bauch
  • Fieber und Erbrechen (in schweren Fällen)
  • Anschwellen des Unterleibs

Die Diagnose basiert auf klinischen und bildgebenden Untersuchungen. Da die jeweilige Behandlung von der Größe der Zyste und ihrer Entwicklung abhängt, ist in einigen Fällen eine regelmäßige medizinische Überwachung erforderlich. Darüber hinaus kann der/die behandelnde Arzt/Ärztin bei großen Zysten oder bei potenziell malignen Zysten zu oralen Verhütungsmitteln und einer Operation raten.

7. Verletzung des Ischiasnervs

Schmerzen, die durch eine Verletzung des Ischiasnervs verursacht werden, nennt man Ischialgie. Zu den häufigsten Ursachen gehören Bandscheibenvorfälle und Wirbelsäulenkompressionen.

Diese verursachen Beschwerden entlang des Ischiasnervs, der durch den Rücken und in die Beine, durch das Becken, die Leiste und das Gesäß verläuft.

Der Schmerz kann von einem brennenden oder stechenden Gefühl bis hin zu einem “elektrischen Schlag” reichen. Allerdings treten diese Schmerzen in der Regel nur auf einer Seite des Körpers auf. Darüber hinaus verstärken sie sich durch langes Sitzen, Husten oder Niesen.

8. Nierensteine können zu Schmerzen in der Leistengegend führen

Die Schmerzen, die mit Nierensteinen einhergehen, werden als Nierenkolik bezeichnet. Wenn die Nierensteine entlang des Harnleiters in die Blase und die Harnröhre absteigen, führt dies zu sehr starken Schmerzen. Darüber hinaus treten dunkler und trüber Urin, erhöhte Harnfrequenz und Unbehagen beim Wasserlassen auf.

Untersuchungen deuten darauf hin, dass der typische Schmerz einer Nierenkolik in der Lendengegend auftritt und sich als Welle auf den Unterbauch, die Leiste, den Oberschenkel und die Genitalien ausbreitet. Die Behandlung basiert auf Schmerzmitteln, krampflösenden Mitteln, der Zertrümmerung der Steine durch Lithotripsie und chirurgischer Extraktion.

Schmerzen in der Leistengegend - Nierensteine
Kleine Steine können mit dem Urin ausgeschieden werden. Wenn sie aber einen bestimmten Durchmesser überschreiten, können sie nur noch mit Stoßwellen oder durch chirurgische Extraktion beseitigt werden.

9. Hodentorsion

Eine Hodentorsion ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch eine Drehung des Hodens um seine eigene Achse verursacht wird. Infolgedessen wird der Blutfluss behindert, der den Hodensack versorgt. Diese Erkrankung tritt häufig bei jungen Männern auf und verursacht starke Schmerzen im Hoden und in der Leiste.

Zu den weiteren Symptomen gehören die folgenden:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Anschwellen des Hodensacks
  • Unbehagen im Unterleib
  • Farbveränderung der Haut des Hodens
  • Gesteigerter Harndrang

In der Regel erwachen die Betroffenen nachts oder morgens schlagartig durch die Schmerzen. Die Diagnose stützt sich auf die Symptome und die Beurteilung durch bildgebende Untersuchungen.

Wenn eine Hodentorsion vorliegt, ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich, um sie zu beheben. Wenn die Torsion länger als 6 Stunden unbehandelt bleibt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Hoden entfernt werden muss.

Schmerzen in der Leistengegend solltest du nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Leistenschmerzen durch eine Vielzahl von Krankheiten verursacht werden können. Zu den häufigsten Ursachen bei Männern gehören Muskelzerrungen, Hernien, Orchitis und Hodentorsion. Bei Frauen hingegen kann dieses Symptom während der Schwangerschaft oder aufgrund von Eierstockzysten und sexuell übertragbaren Krankheiten auftreten.

Wenn die Leistenbeschwerden nicht nach ein paar Tagen abklingen oder immer stärker werden, solltest du unbedingt eine/n Ärztin/Arzt aufsuchen. Darüber hinaus sind Fieber, Erbrechen, Farbveränderungen, Schwitzen und Bewusstlosigkeit Anzeichen dafür, dass es sich um eine schwerere Erkrankung handelt.

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