Polyurie: krankhaft erhöhte Urinausscheidung

22 Januar, 2020
Unter Polyurie versteht man eine krankhaft erhöhte Produktion von Urin im Körper. Manchmal sind die Ursachen dafür harmlos. Doch in anderen Fällen kann das vermehrte Wasserlassen auch ein Warnzeichen für eine chronische Krankheit sein. Diese muss man natürlich behandeln. In diesem Artikel erfährst du mehr über die möglichen Ursachen.

Polyurie ist die medizinische Bezeichnung für eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung. Dabei muss die ausgeschiedene Menge bei einem Erwachsenen bei mehr als drei Liter Harn pro Tag liegen und bei einem Kind bei mehr als zweieinhalb Liter. Erst dann kann man von Polyurie sprechen.

Es gibt noch andere ähnliche Begriffe. Doch bedeuten sie nicht dasselbe. So gibt es beispielsweise die Pollakisurie. Diese Bezeichnung bezieht sich auf den Umstand des häufigen Wasserlassens in kleinen Mengen. Jedoch ist die ausgeschiedene Gesamtmenge des Urins dabei nicht erhöht. Außerdem gibt es auch die so genannte Nykturie. Damit bezeichnet man das ein- oder mehrfache Unterbrechen des Nachtschlafes infolge von Harndrang.

So kann es also vorkommen, dass Personen an einer Polyurie in Kombination mit Nykturie leiden. Oder an einer Polyurie und zugleich an einer Pollakisurie. Doch handelt es sich dabei nicht um dasselbe. Außerdem kann es auch zu einer Zunahme der Urinmenge kommen, ohne dass weitere Begleiterscheinungen auftreten. In jedem Fall ist das vermehrte Wasserlassen ein Symptom und nicht eine Krankheit an sich. Um die der Polyurie zugrunde liegende Ursache aufzudecken, ist eine genaue Diagnose erforderlich.

Die Urinmenge, die in vierundzwanzig Stunden produziert wird, hängt von drei Faktoren ab:

  • Zum einen davon, was die Person zu sich nimmt. Also wie viel Flüssigkeit in den Körper gelangt.
  • Und zum anderen von den Substanzen, die ausgeschieden werden müssen. Denn der Urin ist ein Mechanismus des menschlichen Körpers, um Stoffe zu entfernen, die keinen Nutzen mehr haben. Und dabei spielt die Menge an den auszuscheidenden Stoffen ebenfalls eine Rolle.
  • Schließlich hängt die Urinmenge auch von der Nierenfunktion ab. Denn der Harn wird in den Nieren produziert und hängt somit von der Funktionsfähigkeit dieser Organe ab.

Allgemeine Ursachen der Polyurie

Zunächst stellen wir hier die allgemeinen Ursachen der Polyurie vor und sprechen anschließend näher über einige der Krankheiten, die die häufigsten Ursachen für das vermehrte Wasserlassen darstellen. Bei den allgemeinen Ursachen gibt es einige, die mit ganz alltäglichen und vorübergehenden Ereignissen im Zusammenhang stehen, und andere, die anhaltender und ernsterer Natur sind:

  • Erhöhte Flüssigkeitsaufnahme. Es ist recht offensichtlich: Wenn du mehr Flüssigkeit pro Tag trinkst, so muss dein Körper diese natürlich auch wieder ausscheiden. In diesem Fall handelt es sich also um eine vorübergehende und harmlose Form der vermehrten Urinausscheidung.
  • Erhöhte Salzaufnahme: Salz ist ein Stoff, der in der Lage ist, dem Körper Wasser zu entziehen. Denn das überflüssige Salz verbindet sich mit dem Wasser und wird dann zur Niere transportiert, um es aus dem Körper zu entfernen. Wenn du also sehr salzhaltige Lebensmittel zu dir genommen hast, ist eine Zunahme der Urinmenge zu erwarten. Also handelt es sich auch in diesem Fall nur um eine momentane Polyurie.
  • Getränke, die die Harnproduktion anregen: Bestimmte Flüssigkeiten haben die Fähigkeit, die Urinmenge zu erhöhen. So zum Beispiel Bier, einige Teesorten sowie koffeinhaltige Getränke.
  • Kalte Umgebung: Wenn du dich in einer kalten Umgebung aufhältst, registriert dein Körper dies. Und es kommt zu einer Verengung der Blutgefäße. Das heißt, es gibt weniger Platz für das darin enthaltene Blut und dann besteht der Weg, diese nun überschüssige Flüssigkeit loszuwerden, darin, die Menge des Urins zu erhöhen.
  • Verwendung von Diuretika: Bei einigen Krankheiten verschreiben die Ärzte Arzneistoffe, die als harntreibende Mittel bekannt sind (z. B. Furosemid oder Hydrochlorothiazid). Diese Medikamente erhöhen die Menge an Harn. Und das wiederum führt zu einer Polyurie. Dabei handelt es sich um einen bei der Behandlung zu erwartenden Effekt, oder es kann eine unerwünschte Nebenwirkung sein.
Darstellung von Nieren

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Spezifische Krankheiten, die Polyurie verursachen

Wie oben bereits angekündigt: Nach dieser Beschreibung der allgemeinen Ursachen wollen wir dir nun vier Krankheiten vorstellen, die Polyurie als Symptom haben. Bei diesen Krankheiten ist die medizinische Überwachung sehr wichtig. Denn Polyurie kann ein großes Problem darstellen.

Es stimmt zwar, dass die erhöhte Urinausscheidung nur eines von vielen Symptomen im Zusammenhang mit diesen Krankheiten ist. Doch kann dieses vermehrte Wasserlassen, wenn man es nicht unter Kontrolle bringt, zusätzliche Probleme mit sich bringen. Dennoch ist das Ziel natürlich immer, die zugrunde liegende Krankheit zu heilen.

Diabetes

Bei den Krankheiten gilt Diabetes als die häufigste Ursache der Polyurie. So gilt üblicherweise die Dreiergruppe aus Polyurie, Polydipsie (gesteigertes Durstgefühl) und Polyphagie (erhöhter Appetit) als erstes Warnzeichen für diese Krankheit.

Bei Diabetes entspricht die Polyurie dem Bedürfnis des Körpers, überschüssige Glukose loszuwerden. Denn es zirkuliert so viel Zucker im Blut, dass es nur eine Möglichkeit gibt, diesen loszuwerden: Nämlich indem der Körper ihn mit dem Urin ausscheidet. Also wird die Harnproduktion erhöht. Daher ist Polyurie bei diesen Patienten typisch.

Herzinsuffizienz

Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nicht in der Lage, die erforderliche Menge an Blut durch den Körper zu pumpen. Das Organ hat also nur noch eine unzureichende Leistungsfähigkeit. Denn es ist zu schwach, um seine Pumpfunktion korrekt zu erfüllen.

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz kommt es häufig zu einer Polyurie. Denn durch diese ungenügende Pumpfunktion des Herzens kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Organismus. Der Körper scheidet dann diese überschüssige Flüssigkeit über den Urin aus. Dabei erhöht sich die Menge oft nachts noch.

Mann mit Herzproblemen

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Bluthochdruck

Menschen mit hohem Blutdruck weisen eine Zunahme der Urinmenge auf, wenn sie nicht medizinisch behandelt werden, oder wenn die Kontrolle ihrer Krankheit nicht gut ist. Manchmal ist dieses vermehrte Wasserlassen das einzige Anzeichen für eine so genannte „stille“ Krankheit, wie beispielsweise Bluthochdruck.

Hoher Blutdruck beeinflusst die Nierenfunktion. Dadurch verändert sich die Art und Weise, wie diese das Blut filtern. Außerdem gibt es auch Auswirkungen darauf, wie der Urin produziert wird. Als Folge davon erhöht sich die Produktion an Harn. Darüber hinaus sind auch ähnliche Mechanismen wie bei der Herzinsuffizienz beteiligt.

Niereninsuffizienz

Zu einer Niereninsuffizienz kommt es verhältnismäßig selten. Aber die Krankheit ist sehr schwerwiegend. Im Falle einer Niereninsuffizienz arbeiten die Nieren nicht mehr richtig. So sind sie nicht in der Lage, das Blut für eine richtige Urinproduktion ausreichend zu filtern. Durch diese schlechte Filterung gehen nicht nur Stoffe verloren, die aus dem Körper ausgeschieden werden sollten. Sondern ebenso nützliche Stoffe sowie Wasser.

Eine Niereninsuffizienz kann das letzte und schwerwiegende Stadium anderer Krankheiten sein. So zum Beispiel von Diabetes. Aber sie kann auch durch schlecht behandelte Infektionen ausgelöst werden. Ebenso durch Autoimmunerkrankungen des Körpers, oder durch bösartige Tumore.

Zusammenfassende Bemerkungen zur Polyurie

Polyurie ist ein Symptom, auf das man unbedingt achten sollte. Doch wenn du weißt, dass du etwas Salziges gegessen hast oder dich in kalter Umgebung aufhältst, brauchst du dir keine weiteren Sorgen machen. Denn dann kannst du einfach abwarten, bis sich das vermehrte Wasserlassen wieder von selbst ergibt. Doch sollte die erhöhte Urinausscheidung hartnäckig geworden sein, solltest du einen Arzt konsultieren.

Denn dieser hat die notwendigen Kenntnisse, um eventuell erforderliche Untersuchungen anzustellen und auf deren Grundlage zu einer Diagnose der eigentlichen Ursachen deiner Polyurie zu gelangen. Sobald die Ursache gefunden ist, wird die entsprechende Behandlung festgelegt.

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