Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Vorteile und Risiken

Wenn ein Patient die benötigten Nährstoffe nicht oral aufnehmen kann, hilft eine künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr. Was sind die Vor- und Nachteile? In unserem heutigen Artikel erfährst du alles Wissenswerte.
Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Vorteile und Risiken

Letzte Aktualisierung: 30. September 2021

Unter normalen Bedingungen nimmt der Mensch die Nährstoffe und Flüssigkeiten, die er braucht, oral auf. Wenn jedoch ein medizinisches Problem die übliche Aufnahme verhindert, muss man sich für andere Wege entscheiden, damit Patienten Nährstoffe und Flüssigkeiten erhalten. In diesem Fall werden künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr erforderlich, die die Nahrung als Quelle von Nährstoffen ersetzen.

Beides eignet sich im Speziellen für eine ganze Bandbreite von Patienten. Beispielsweise für Menschen, bei denen vorübergehend medizinische Probleme auftreten, da sie durch Erbrechen, Schwitzen oder Durchfall Flüssigkeit verloren haben. Auch für Menschen mit lebensbedrohlichen Krankheiten im fortgeschrittenen Stadium ist künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr von Nutzen. Welche Vorteile und Risiken gibt es dabei? Hier erfährst du die Einzelheiten.

Was genau ist künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr?

Wie Dr. Diana Ramos Caballero von der kolumbianischen Universidad del Rosario in Bogotá erklärt, besteht unser Körper zu fast 60 Prozent aus Wasser. Der größte Teil wird dazu benutzt, die verschiedenen Nährstoffe, die im Körper bestimmte Funktionen erfüllen, zu lösen und sie zu transportieren. Wenn du deinen Körper gesund erhalten willst, ist es also wichtig, jeden Tag zu essen und zu trinken.

Die künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr ist eine Maßnahme, bei der den Körper mit allem versorgt wird, was er braucht – allerdings auf eine andere Weise als auf dem üblichen Weg.  Bei dieser Ernährungsunterstützung müssen Patienten nicht kauen oder schlucken. Stattdessen verwendet man Sonden oder Schläuche, die vom Mund zum Verdauungstrakt führen, oder Katheter, die die Inhalte direkt in die Venen leiten.

Künstliche Ernährung im Tropf
Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr gewährleisten, dass Patienten, die keine regelmäßigen Mahlzeiten zu sich nehmen können, genügend Nährstoffe zugeführt werden.

Auf der Webseite der US-amerikanischen Medizin-Bibliothek Medline-Plus wird erklärt, dass diese Art der Ernährung für Menschen konzipiert ist, die auch durch regelmäßige Mahlzeiten nicht genügend Nährstoffe oder Flüssigkeit erhalten. Dadurch kann es zu schwerer Unterernährung, Schluckbeschwerden, Appetitproblemen oder einer schlechten Aufnahme der Nährstoffe im Verdauungstrakt kommen.

Lies dazu auch folgenden Artikel: Sind Anämie und Eisenmangel dasselbe?

Künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Welche Arten gibt es?

Es gibt zwei Hauptkategorien von künstlicher Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, die enterale und die parenterale Ernährung. In den folgenden Abschnitten lernst du die wichtigsten Merkmale der beiden kennen:

Enterale Ernährung

Bei der enteralen Ernährung werden die Nährstoffe direkt in den Magen-Darm-Trakt geleitet. Dies wird in bestimmten Fällen durchgeführt, wenn die Person eine individuelle Ernährungsunterstützung benötigt und nicht in der Lage ist, die notwendigen Nährstoffe zu sich zu nehmen, um ihren Bedarf zu decken.

Im Allgemeinen wird die enterale Ernährung in den folgenden Fällen angewendet:

Je nach Verabreichungsweg der künstlichen Nahrung und je nach Ziel, das man dabei verfolgt, kommen folgende Formen der enteralen Ernährung infrage:

  • Nasogastrale Sonden verwendet man, wenn nur für kurze Zeit enteral ernährt wird. Der Arzt führt eine nasogastrale Sonde durch die Nase über den Rachen in den Magen ein. Ist der Magen zu empfindlich, kann die Sonde auch in den Dünndarm eingeführt werden.
  • Gastrostomie verwendet man, wenn das Ernährungsprogramm länger als vier Wochen andauern soll. In diesem Fall wird die Sonde durch einen direkten chirurgischen Eingriff in den Magen eingeführt. Die gebräuchlichste Sonde ist die perkutane endoskopische Gastrostomie- oder PEG-Sonde.
  • Jejunostomie: Hier wird das gleiche Verfahren wie bei der Gastrostomie angewandt, nur dass die perkutane endoskopische Jejunostomie (PEJ) direkt in den Dünndarm oder das Jejunum, den Leerdarm, eingeführt wird.

Parenterale Ernährung

Hier handelt es sich um eine Form der künstlichen Ernährung, bei der Nährstoffe oder Flüssigkeiten über einen sehr kleinen Katheter oder Schlauch in eine Körpervene geleitet werden.

Das medizinische Personal kann einen Katheter über eine periphere Leitung im Unterarm oder über eine zentrale Leitung in Herznähe legen. Es gibt dabei zwei verschiedene Arten:

  • Totale parenterale Ernährung (TPN) als einzige Nährstoffzufuhr.
  • Partielle parenterale Ernährung, die nur zur Ergänzung der enteralen Ernährung dient.

Normalerweise ordnen Ärzte eine parenterale Ernährung an, um negative Auswirkungen von Mangelernährung bei Patienten zu verhindern oder zu korrigieren, die über einen Zeitraum von mehr als 5 Tagen bis zu einer Woche keine ausreichende orale oder enterale Zufuhr erhalten können.

Diese Ernährungsweise sollte nicht kürzer als eine Woche dauern und so lange fortgesetzt werden, bis die Patienten angemessen zur enteralen Ernährung übergehen können.

Was wird einem Patienten zugeführt, wenn er künstliche Ernährung und Flüssigkeiten erhält?

In der spanischen Fachzeitschrift Nutricion Hospitalaria heißt es, dass die Nährstoffe und Flüssigkeiten von der Art des Verfahrens und vor allem von den Bedürfnissen der jeweiligen Patienten und ihrem Zustand abhängen.

  • Enterale Ernährungssonden können Wasser, Flüssigkeiten, Flüssignahrungen nach Rezept und pürierte Nahrung zuführen.
  • Bei der parenteralen Ernährung müssen die Nährstoffe in einer sehr einfachen Form vorliegen, da sie direkt in das Blut abgegeben werden. Die Nährstoffe sollen Energie liefern und dafür sorgen, dass Patienten nicht an Gewicht verlieren. Flüssigkeiten, Elektrolyte, Aminosäuren wie Taurin und Cystein, Kohlenhydrate in Form von Glukose, Fettsäuren, Mineralien und Vitamine sind angezeigt.
  • Parenterale Flüssigkeiten sind eine Lösung aus Wasser mit Salz und Zucker. Sie können auch andere Zusätze wie Mineralien enthalten.
Künstliche Ernährung
Der Zustand eines Patienten entscheidet, welche Art von künstlicher Ernährung und Flüssigkeitszufuhr gegeben wird.

Welche Risiken gibt es bei künstlicher Ernährung und Flüssigkeitszufuhr?

Die Risiken hängen auch von der Art der Verabreichung ab. Das heißt, ob es sich um enterale oder parenterale Ernährung handelt.

Nasogastrale Sonde

Eine nasogastrale Sonde kann während oder nach der Einführung zu Erstickungsanfällen oder Unbehagen führen. Darüber hinaus kann sie nach dem Einführen unbeabsichtigt in die Luftröhre rutschen und eine Lungenentzündung verursachen.

Die Sonde kann zu Erosionen, Abschürfungen und Perforationen der Nasengänge, der Speiseröhre und des Magens führen, wodurch akute oder chronische Blutungen auftreten können. Manchmal muss man Patienten fixieren, um zu verhindern, dass die Sonde wieder herauskommt. Bei manchen Patienten kann die Einführung einer Sonde auch zu psychischen Problemen, erhöhter Unruhe und Angstzuständen führen.

Gastrostomie-Sonde

Gastrostomiekanülen müssen unter Anästhesie eingesetzt werden. Daher bestehen Risiken, die mit der Narkose einhergehen. Es kann zu einer Bauchwandinfektion und Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Auch Magen-Darm-Blutungen, ein Darmverschluss oder eine Perforation des Darmes können auftreten. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch die Rezeptur Durchfall einsetzt. Möglich ist auch eine Aspirationspneumonie.

Parenterale Ernährung

Die bei der parenteralen Ernährung verwendeten Katheter können Infektionen und sogar Sepsis verursachen. Die Lunge kann während des Einsetzens des Katheters kollabieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass etwaige Gerinnsel ins Gehirn oder in die Lunge wandern, was ein Risiko für die betroffenen Patienten darstellt.

Weitere klinische Symptome sind Herzrhythmusstörungen und Elektrolytstörungen wie zum Beispiel ein niedriger Kalium- und Natriumspiegel. Der Blutzuckerspiegel kann auf einen sehr niedrigen Wert fallen.

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Intravenöse Flüssigkeiten

Es kann zu einer lokalen Infektion oder einer Infektion der Haut kommen, die sich weiter ausbreiten kann. Eine oberflächliche Venenthrombose (Thrombophlebitis) ist eine andere, relative häufig auftretende Komplikation, die mit geschwollenen Venen und Beschwerden einhergeht. Eine Flüssigkeitsüberlastung kann zu Schwellungen der Beine, der Arme oder des gesamten Körpers führen. Niedrige Natrium- oder Kaliumwerte sind ebenfalls häufig.

Was gilt es zu beachten?

Die künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr ist ein medizinisches Verfahren, das für Patienten, die es benötigen, positive Auswirkungen hat. Allerdings sollte der Arzt entscheiden, welches Verfahren er anwendet, da viele Nebenwirkungen und damit verbundene Komplikationen auftreten können.

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