Kortikosteroide: Anwendung und Wirkungsweise

8 August, 2019
Kortikosteroide sind Medikamente, die vielfältig angewandt werden können. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung kommen sie bei unterschiedlichen physiologischen Prozessen zum Einsatz.

Kortikosteroide sind Medikamente, die vielfältig angewandt werden können. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung kommen sie bei unterschiedlichen physiologischen Prozessen zum Einsatz.

Da sie eine hohe Wirksamkeit aufweisen, sind sie nur mit einem Rezept erhältlich. Aus diesem Grund können sie, wie oftmals falsch angenommen wird, nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.

Die Kortikosteroide umfassen eine Vielzahl an Hormonen und zählen zur Gruppe der Steroide, die die Nebennierenrinde produziert. Diese Hormone sind an diversen physiologischen Mechanismen beteiligt. Dazu gehören die folgenden:

  • Entzündungsprozesse
  • Immunsystem
  • Kohlenhydratstoffwechsel

Arzneimittel, die auf Kortikosteroiden basieren, werden künstlich zu therapeutischen Zwecken wie der Behandlung von Morbus Crohn oder bei Gelenkschmerzen synthetisiert.

Kortikosteroide als Medikamente

Arten und Indikation

Medikamenteneinnahme

Weil sich die Medikamente auf künstliche Weise herstellen lassen, fällt ihre Synthese je nach Anwendungsmöglichkeit auf unterschiedliche Weise aus.

Daher gibt es beispielsweise inhalierbare Verabreichungen. Diese kommen bei asthmatischen Patienten oder solchen zum Einsatz, die an einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) leiden.

Jedoch werden sie auch einmalig bei akuter Bronchitis angewendet. Im Gegensatz dazu erfordern die zuvor genannten Fälle eine langfristige Behandlung unter ärztlicher Aufsicht.

Weiterhin existieren auch Kortikosteroide in Tablettenform zur oralen Anwendung. Sie werden hauptsächlich bei Entzündungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa verabreicht.

Auch topische Medikamententypen sind möglich, beispielsweise im Falle von Ekzemen, Neurodermitis oder Schuppenflechte. Lokale Entzündungen können ebenfalls ein Grund sein, warum topische Kortikosteroid-Arzneimittel notwendig sind.

Zuletzt sind die injizierbaren Typen zu nennen, die intravenös bei systemischen Autoimmunerkrankungen verabreicht werden. Intramuskuläre Formen sind ausschließlich zur Behandlung von Gelenkschmerzen vorgesehen.

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Wirkmechanismus und pharmakologische Effekte

Kortikosteroide und ihre Wirkung

Die Kortikosteroide müssen in das Zytoplasma eintreten, wo sie an Rezeptoren binden. Nach Bildung dieses Hormon-Rezeptor-Komplexs gelangt er zum Zellkern und interagiert dort mit der DNA. Das Ergebnis ist die Synthese des spezifischen Proteins, das die gewünschte Funktion ausführt.

Wie zuvor bereits erwähnt, spielen die Kortikosteroide eine wichtige Rolle im Organismus. Darauf soll nachfolgend genauer eingegangen werden.

  • Kohlenhydrat- und Proteinstoffwechsel: Die Glukoneogenese sowie Glykogenese werden stimuliert und der Blutzucker- sowie der Pyruvatspiegel erhöht. Außerdem führen die Hormone zu einem negativen Stickstoff- und Kalziumhaushalt, wodurch Osteoporose und Muskelerkrankungen ausgelöst werden können.
  • Fettstoffwechsel: Sie intervenieren in der Umverteilung von Fett und steigern den Appetit.
  • Wasser- und Elektrolytstoffwechsel: Sie begünstigen eine Natrium- und Wasserretention, scheiden jedoch Kalium sowie Wasserstoff aus und reduzieren die intestinale Kalziumaufnahme.
  • Kardiovaskuläre Effekte: Es kommt zu einer Wasserretention, wodurch leichter Ödeme entstehen.
  • Hämatopoetische Wirkung
  • Entzündungshemmende Wirkung: Es werden Entzündungen reduziert, das heißt Röte, Hitze, Schmerzen und Ödeme. Weiterhin hemmen sie die Histaminsekretion.

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Nebenwirkungen der Kortikosteroide

Bluthochdruck

So wie Kortikosteroide für verschiedene physiologische Prozesse eingesetzt werden können, so unterschiedlich sind auch ihre möglichen Nebenwirkungen. Diese hängen also eng mit der Anwendung der Hormone zusammen. Demnach sind eine falsche Verabreichung und das plötzliche Absetzen der Medikamente ihre Hauptauslöser.

Im Hinblick auf immunologische Effekte steigt die Anfälligkeit für Infektionen, da es sich um Immunsuppressiva handelt. Auch haben sie negative Auswirkungen auf die Skelettmuskulatur, sodass sie zu Muskelerkrankungen, Osteoropose und Knochennekrose führen können.

Es ist auch möglich, dass gastrointestinale Effekte wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und Ulkuskrankheit ausgelöst werden. Diese beiden Nebenwirkungen zählen zu den häufigsten. Nicht auszuschließen ist weiterhin Bluthochdruck aufgrund einer Flüssigkeitsretention.

Zu erwähnen sind weiterhin:

  • Akne
  • Hirsutismus
  • Dehnungsstreifen
  • Ekchymose

Stimmungsschwankungen, das Gefühl von Euphorie, Schlaflosigkeit, Depression und Psychosen zählen zu den neuropsychatrischen Nebenwirkungen der Kortikosteroid-Medikamente. Sie treten jedoch weniger häufig auf.

Auch sind Augenprobleme wie Grauer und Grüner Star sowie endokrinologische und stoffwechselbedingte Störungen denkbar. Zu letzteren gehören beispielsweise Glukoseintoleranz, Diabetes, Übergewicht, Hyperlipidämie, Unterdrückung des Wachstums aufgrund der engen Beziehung zum Wachstumshormon sowie der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse.

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