Ist es schädlich, Niesen zu unterdrücken?

· 31 Januar, 2019
Niesen ist ein Reflex, der unserer Gesundheit dient

Ha-ha- Hatschi! Das Niesen kommt nicht immer dann, wenn man ihm freien Lauf lassen kann. Wie schädlich ist es eigentlich, es „zu schlucken“ oder sich die Nase dabei zuzuhalten?

Niesen

Der Niesreflex ist angeboren und ein Schutzmechanismus, der dafür sorgt, dass Dinge, die nicht in die Lunge geraten sollen, auch wirklich nicht hineingelangen.

Meist geht der Niesreflex von der Nasenschleimhaut aus. Registriert die etwas, das sie irritiert, etwa Staub oder Haare, löst sie den Niesreiz aus. Ist man erkältet. Reagiert die Nasenschleimhaut viel empfindlicher und man niest wesentlich häufiger.

Auch bei Allergien muss man besonders oft niesen. Etwa 25% aller Menschen leiden jedoch auch an Niesreiz, wenn sie in die Sonne oder andere helle Lichtquellen blicken.

Warum das so ist, hat die Wissenschaft noch nicht herausgefunden. Ganz selten gibt es Menschen, die niesen müssen, wenn sich ihr Magen dehnt. Für sie ist das ein unangenehmer Hinweis „Ich bin satt!“.

Niesen schützt die Lungen

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Wie funktioniert Niesen?

Gibt die Nasenschleimhaut (oder das helle Licht oder der Magen) die Meldung ab „Bitte niesen“, setzt sich sofort ein Prozess in Gang, der unwillkürlich abläuft und von uns nicht mehr zu stoppen ist. Es beginnt damit, dass wir plötzlich tief Luft holen, um unsere Lungen richtig voll zu pumpen.

Dann halten unsere Lungen kurz den Atem an, um in der Atemmuskulatur die nötige Spannung aufzubauen. Anschließend stoßen die Atemmuskeln in Brust und Bauch mit aller Kraft die Luft wieder aus.

Je nach dem, wie stark diese Muskulatur ist, kann die so aus Mund und Nase gleichzeitig ausströmende Luft Geschwindigkeiten von bis zu 160km/h erreichen.

Mit dieser Luft werden dann auch alle Fremdkörper ausgestoßen, von denen sich der Körper durch diesen Vorgang entledigen wollte.

Nicht immer wirklich appetitlich. Im mit der Luft ausgestoßenen „Sprühregen“ an Speichel sind jede Menge Bakterien und Viren enthalten, die andere Personen anstecken können, weil sie sich durch den feinen Sprühnebel beim Niesen gut in der Luft (und auf Gegenständen) verteilen können.

Frau am Niesen

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Wie niest man richtig?

Eben weil man beim Niesen zur Bakterienschleuder wird, sollte man dafür sorgen, seine Bakterien nicht ziel- und wahllos im Raum oder gegen andere Menschen hinaus zu schleudern.

Unsere Eltern haben uns noch beigebracht, immer in die Hand zu niesen. Doch was dann?

Dies macht nur Sinn, wenn wir uns die Hand danach sofort waschen, ohne damit andere Menschen oder Gegenstände zu berühren. Tun wir das nicht, verteilen wir mit jedem Handgriff und Handschlag alle Bakterien und Viren genauso weiter, wie es ein „Freier“ Niesstoß auch getan hätte.

Opa und Oma empfehlen, ein Taschentuch zu verwenden. Das ist schon besser. Vorausgesetzt, man entsorgt das Taschentuch danach sofort – und das, ohne es vorher zusammen zu knüllen und dadurch die gesamte „Fracht“ doch noch auf die Hände zu verteilen. Bakterien und Viren lassen sich von einem Taschentuch nicht aufhalten.

Die hygienischste Methode ist tatsächlich, in die eigene Armbeuge zu niesen.

Mit der Armbeuge berührt man weder Menschen noch Gegenstände und somit ist eine Übertragung der beim Niesen ausgestoßenen Keime unwahrscheinlich. Achte aber darauf, den Pullover, in dessen Armbeuge du geniest hast, auch zu waschen!

Frau beim NiesenNiesen unterdrücken?

Manchmal passt es einfach nicht, jetzt zu niesen. Daher schlucken wir den Niesreiz herunter, halten uns die Nase zu und pressen die Lippen aneinander. Der Körper niest dann trotzdem und baut dadurch im Hals-Nasen-Ohren-Raum einen gewaltigen Druck auf.

Nochmal zur Erinnerung: Der Atem kann Geschwindigkeiten von bis zu 160km/h erreichen!

Der Druck dieser Luft stößt beim unterdrückten Niesen gegen deine Nasenhöhle. Dies kann in seltenen Fällen zu Folgeschäden führen. In der Medizin sind Fälle bekannt,

  • wonach Menschen nach einem unterdrückten Niesreiz taub wurden,
  • Risse in der Hauptschlagader,
  • Blutgerinnsel im Gehirn oder
  • Fehlgeburten bekamen.
  • In anderen Fällen gelangte durch gestoppte Nieser Luft in die Schädelhöhle.

Natürlich sind das seltene Einzelfälle, aber dokumentierte Schicksale, die im Zusammenhang mit unterdrücktem Niesen stehen. Und natürlich ist das Risiko, selbst solche Probleme zu bekommen, ziemlich gering, aber du solltest wissen, dass es durchaus risikoreich ist, ein Niesen derart zu unterdrücken.

Das nächste Mal lasse dem Nieser freien Lauf, niese in deine Armbeuge, entschuldige dich dafür und nimm Gesundheitswünsche mit einem Lächeln an. Dann hast du alles richtig gemacht!

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