Intimität in der Partnerschaft: 5 Veränderungen nach der Geburt eines Kindes

Nach einer Schwangerschaft kann es durchaus einige Zeit dauern, bis sich zwischen den Partnern wieder die zuvor bestehende sexuelle Intimität einstellt. Denn Schwangerschaft und Geburt bringen viele körperliche und emotionale Veränderungen mit sich. Hier erfährst du mehr zu diesem Thema!
Intimität in der Partnerschaft: 5 Veränderungen nach der Geburt eines Kindes

Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2021

Die Ankunft eines Babys verändert das Leben eines Paares auf vielfältige Art und Weise. Auch die sexuelle Beziehung und Intimität zwischen den Partnern ist davon betroffen.

Die frisch gebackenen Eltern haben nicht mehr so viel Zeit für sich als Paar. Und wenn das passiert, wirkt sich dies sehr häufig auch auf ihr Sexualleben aus und die bisher gewohnte Intimität zwischen den Partnern gerät oftmals für eine gewisse Zeit in Vergessenheit. Welche Veränderungen in der sexuellen und intimen Beziehung stellen sich nach einer Schwangerschaft ein?

Mit dieser Frage wollen wir uns in unserem heutigen Artikel auseinandersetzen. Wir zeigen dir 5 Veränderungen auf, die in der intimen Beziehung nach einer Schwangerschaft sehr häufig auftreten.

Du solltest wissen, dass nicht nur du davon betroffen bist – sehr viele Paare durchleben diese Veränderungen.

Wie lange dauert es, bis sich nach einer Schwangerschaft die Intimität in einer Partnerschaft wieder einstellt?

Intimität - Paar mit ihrem Baby

Obwohl sich zahlreiche frischgebackene Eltern diese Frage stellen, gibt es darauf keine eindeutige Antwort, da dies von mehreren Faktoren abhängt.

Dennoch solltest du eines bedenken: Es wird nicht mehr so sein wie vorher. Das heißt nicht, dass alles schlechter sein, sondern nur dass es viele Veränderungen geben wird. Euer Sexualleben wird sich nicht gleich am Tag nach der Entbindung wieder wie gewohnt einstellen.

Die postpartale Intimität entwickelt sich nach und nach, häufig etwas zögerlich und oft sogar ohne Lust. Daher sind in dieser Phase Geduld und Zuneigung extrem wichtig. Es ist vollkommen normal, dass eine Frau zumindest in den ersten drei Monaten nach der Entbindung fast ausschließlich an ihr Kind denkt und in dieser Phase ihrem Partner weniger Zeit und Aufmerksamkeit schenkt.

Eine junge Mutter hat sehr häufig das Gefühl, dass es sonst nichts um sie herum gibt (in vielen Fällen auch nicht ihren Partner). Ihre Libido ist praktisch nicht vorhanden. In manchen Fällen hält diese Phase sogar bis zum ersten Lebensjahr des Kindes an.

Während des Wochenbetts

Während des Wochenbetts, also vom Zeitpunkt der Geburt bis sechs Wochen danach, empfehlen viele den Verzicht auf Sex. Manche bezeichnen diese Phase als “Fastenzeit”, weil sie mehr oder weniger vierzig Tage dauert, obwohl der menschliche Körper natürlich individuell verschieden funktioniert.

Aus medizinischer Sicht ist dies die Zeit, in der sich der weibliche Körper von der Geburt des Kindes erholen muss. Wenn die Geburt per Kaiserschnitt erfolgte, verkürzt sich dieser Zeitraum auf etwa einen Monat. Bei einer natürlichen Geburt sind Infektionen das Hauptproblem.

In diesen Tagen muss sich die Gebärmutter auf ihre normale Größe zurückbilden, kleine Blutungen müssen aufhören und die Vagina muss sich von dem Trauma der Geburt erholen. Daher kann es sinnvoll sein, abzuwarten, bis alle Risse und Wunden verheilt sind.

Intimität nach der Schwangerschaft: Welche Veränderungen treten auf?

Abgesehen von biologischen und körperlichen Aspekten gibt es noch andere Gründe, warum der Sex nach der Entbindung aufgeschoben wird. Dies sind die häufigsten Veränderungen in intimen Beziehungen nach der Schwangerschaft:

1. Intime Beziehungen nach der Schwangerschaft: Das sexuelle Verlangen geht verloren

Das bedeutet nicht, dass es in der Beziehung keine Liebe oder Leidenschaft mehr gibt. Allerdings sind die weiblichen Hormone in dieser Zeit darauf fokussiert, sich um das Baby zu kümmern.

Nach der Geburt produziert die Frau viel Prolaktin, das die Milchbildung fördert, und gleichzeitig weniger Östrogen, das mit dem weiblichen Sexualtrieb zusammenhängt. Daher haben stillende Frauen weniger Lust auf Intimität mit ihrem Partner.

2. Müdigkeit und Zeitmangel

Die Betreuung eines Neugeborenen ist ein 24-Stunden-Job, bei dem es keinen Urlaub, keine Wochenenden oder Feiertage gibt.

Daher ist es normal, dass die Mutter, wenn das Kind eingeschlafen ist, nicht unbedingt an Sex denkt. Sie will sich ausruhen! In manchen Fällen genügt auch eine erfrischende Dusche oder ein erholsames Bad.

Das gilt auch für die Väter, denn sie kommen ebenfalls nicht zur Ruhe, wenn das Kleine nachts alle zwei oder drei Stunden aufwacht. All dies führt dazu, dass Intimität und sexuelle Aktivitäten auf der Prioritätenliste ganz unten stehen.

3. Keine Intimität nach der Entbindung: Schmerzen, Ängste und Empfindlichkeit

In den ersten Wochen nach der Geburt – und auch noch nach dem Wochenbett – kann die Frau weiterhin Unbehagen in der Vagina verspüren, vor allem nach einer natürlichen Geburt. Die Angst, dass die Penetration schmerzhaft sein könnte, kann dazu führen, dass sexuelle Begegnungen vermieden werden.

Eine Studie, die von einem Forscherteam der Universität São Paulo durchgeführt wurde, hat diese Schmerzen und Ängste untersucht. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihren Interviews auf die Beobachtung der Veränderungen und Verhaltensweisen von sechs frischgebackenen Müttern in der Zeit nach der Entbindung.

Den Forschern zufolge berichteten die an der Studie teilnehmenden Frauen über Schmerzen, Unbehagen und Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr. Wenn die Schmerzen oder die Empfindlichkeit allerdings länger als drei Monate andauern, solltest du deinen Arzt/deine Ärztin aufsuchen.

Das Gleiche gilt, wenn nach dem Geschlechtsverkehr Blutungen, Brennen oder Schwellungen im Genitalbereich auftreten.

4. Das Baby schläft im elterlichen Schlafzimmer oder im Ehebett

Intimität zwischen Mann und Frau

In den ersten Monaten schlafen Babys oft neben ihren Müttern. Die starke Bindung im Mutterleib besteht weiterhin und daher sucht die Mutter die Nähe zu ihrem Kind, versucht es zu trösten und ihm Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Allerdings ist dieses gemeinsam Schlafen im ehelichen Bett gleichzeitig auch eine der besten Verhütungsmethoden überhaupt. Ok, wir scherzen hier vielleicht, aber es ist etwas Wahres dran.

Auch wenn es andere Räume im Haus gibt, in denen man Sex haben kann, wie das Wohnzimmer oder die Küche, kann das gemeinsame Schlafen mit dem Baby ausschlaggebend dafür sein, dass das Paar keine Intimität genießt.

In der oben erwähnten Studie war die Anwesenheit des Babys im Schlafzimmer während des Sexes mit dem Partner für diese Mütter ein Problem. Sex im selben Raum zu haben, in dem das Baby schläft, bedeutete für viele dieser Frauen einen Mangel an Respekt gegenüber dem Kind, weshalb einige der befragten Frauen aus diesem Grund keinen Sex mit ihrem Partner haben konnten.

5. Keine Intimität nach der Entbindung: Ängste, Depressionen und geringes Selbstwertgefühl

Weitere Veränderungen in intimen Beziehungen nach der Schwangerschaft hängen mit emotionalen Faktoren zusammen, sowohl bei der Mutter als auch beim Vater.

So kann eine Frau beispielsweise die berüchtigte postpartale Depression erleben oder unter Angststörungen aufgrund von Stress oder Schlafmangel leiden. Manche Frauen fühlen sich nach der Geburt weniger attraktiv, was ihre Unsicherheiten verstärkt.

Einige Männer sind eifersüchtig auf ihre Kinder, da sie nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit von ihrer Frau erhalten wie zuvor. Dies kann dazu führen, dass sie keinen Sex mehr haben wollen oder sogar zu sehr darauf bestehen, Sex zu haben.

Niemand behauptet, dass die Ankunft eines Babys einfach ist. Die Veränderungen beginnen ab dem ersten Moment, in dem die werdenden Eltern von der Schwangerschaft erfahren. Daher empfiehlt es sich, sehr geduldig zu sein, zu akzeptieren, dass die Dinge nicht mehr so sein werden wie vorher, und keine Situationen zu erzwingen.

Nach und nach werden sich die Dinge normalisieren, und ihr beide werdet den Sex wieder genießen können – vielleicht ist er nicht mehr so wie zu Beginn der Beziehung, aber ihr werdet ihn als reifere und verantwortungsvollere Menschen erfahren und schätzen lernen.

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